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Morbus Crohn

Zelltherapie bei Analfisteln

Mesenchymale Stromazellen sind embryonale Stammzellen, die sich sporadisch bis ins Erwachsenenalter gehalten haben. Sie können aus dem Fettgewebe gewonnen werden wie Darvadstrocel (Alofisel®), ein seit Dezember 2019 verfügbarer neuer Therapieansatz zur Behandlung von Analfisteln bei Patienten mit Morbus Crohn.
Annette Mende
03.01.2020
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Fisteln sind eine relativ häufige Komplikation des Morbus Crohn. Die krankhaften Verbindungsgänge bilden sich entweder zwischen Darmschlingen, zwischen Darm und Haut, Darm und Harnblase, Darm und Weichgeweben des Rückens, Darm und Scheide oder rund um den Anus. Behandelt werden sie entweder operativ oder mit einem TNF-α-Blocker.

Mit Darvadstrocel (Alofisel® 30 Millionen Zellen in 6 ml Injektionssuspension, Takeda) steht ein neuer Ansatz zur Behandlung von Analfisteln bei Morbus Crohn zur Verfügung: mesenchymale Stromazellen. Sie werden aus dem Fettgewebe von gesunden, erwachsenen Spendern gewonnen und in Kultur vermehrt. Das Präparat ist zugelassen zur Behandlung von komplexen perianalen Fisteln bei erwachsenen Patienten mit nicht beziehungsweise gering aktiver Erkrankung, wenn die Fisteln auf mindestens eine konventionelle oder biologische Therapie unzureichend angesprochen haben.

Eine Einzeldosis von Alofisel besteht aus 120 Millionen Zellen, was dem Inhalt von vier Durchstechflaschen entspricht. Vor der Anwendung sollen die Fisteln durch eine Kürettage und anschließendes Vernähen vorbereitet werden. Dann spritzt der behandelnde Arzt die resuspendierten Zellen in das Gewebe des Fistelgangs und rund um die Fistelöffnungen. Die Fachinformation enthält eine detaillierte Anleitung für den genauen Ablauf der Anwendung. Der Patient ist währenddessen in Vollnarkose.

Immunmodulation und Entzündungshemmung

Die Wirkung beruht auf immunmodulatorischen und antientzündlichen Effekten von Darvadstrocel. Analfisteln sind durch den ständigen Kontakt mit dem Stuhl meistens entzündet, was auf zellulärer Ebene das Eindringen von aktivierten Lymphozyten und die lokale Freisetzung von inflammatorischen Zytokinen bedeutet. Letztere, insbesondere IFN-γ, aktivieren die mesenchymalen Stromazellen. Im aktivierten Zustand beeinträchtigen sie die Proliferation von aktivierten Lymphozyten und drosseln die Freisetzung proinflammatorischer Botenstoffe.

Der klinische Wirksamkeitsnachweis für Alofisel wurde in der randomisierten, doppelblinden ADMIRE-CD-Studie erbracht. 205 Patienten erhielten darin nach entsprechender Vorbereitung entweder Alofisel oder Kochsalz (Placebo) als lokale Injektion. Der primäre Endpunkt war die kombinierte Remission in Woche 24 nach dem Eingriff, definiert als klinischer Verschluss aller behandelter Fisteln bestätigt durch ein verblindetes zentrales MRT. Dieser wurde in der Verumgruppe von 52 Prozent der Patienten erreicht und in der Placebogruppe von 35 Prozent. Bei einer Nachbeobachtung in Woche 52 betrugen die entsprechenden Prozentzahlen 56 für die Verumgruppe und 38 für die Placebogruppe. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Analabszess, Schmerzen im Analbereich und eine erneute Bildung von Analfisteln.

Darvadstrocel soll in der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die kein Verhütungsmittel benutzen, nicht angewendet werden. Aus Sicherheitsgründen gilt das auch während der Stillzeit. Das Präparat ist bei 15 bis 25 °C sowie im Umkarton und im Frachtbehältnis aufzubewahren.

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