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Borreliose und FSME
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Zecken haben wieder Saison

Wer im Frühling durch Wälder und über Wiesen läuft, sollte auf Zecken achten. Die ersten Fälle von Borreliose sind in diesem Jahr schon gemeldet worden, außerdem eine FSME-Erkrankung in Baden-Württemberg.
AutorKontaktdpa
Datum 06.03.2026  15:00 Uhr

Der relativ knackige Winter in diesem Jahr hat den Zecken in Wäldern und auf Wiesen nach Experteneinschätzung nicht viel anhaben können. »Ich rechne nicht mit einer nennenswerten Dezimierung«, sagte Dr. Katja Mertens-Scholz, Leiterin des nationalen Referenzlabors für durch Zecken übertragene Krankheiten am Friedrich-Loeffler-Institut in Jena, der Deutschen Presse-Agentur.

Erst ab Frost von minus 20 Grad begännen Zecken abzusterben. Dabei komme es darauf an, wie tief der Frost ins Erdreich eingedrungen sei. Oft jedoch seien Waldböden von einer schützenden Laubschicht bedeckt.

Erste Meldungen von Borreliose-Fällen in diesem Jahr zeigten, dass Zecken wieder aktiv seien, so die Biologin. Die von bestimmten Bakterien (Borrelien) ausgelöste Borreliose ist die am häufigsten durch Zecken übertragene Krankheit in Deutschland. In diesem Jahr wurden in Deutschland nach Angaben des Robert-Koch-Instituts zwei neue Kreise als FSME-Risikogebiete ausgewiesen.

Borreliose-Symptome

Typisches Anzeichen bei Borreliose ist ein roter Hautring um die Einstichstelle. Weitere Symptome sind Muskel- und Gelenkschmerzen und Fieber. Behandelt wird die Infektion mit Antibiotika, eine Schutzimpfung gibt es im Gegensatz zu FSME nicht. Außer den beim RKI erfassten Fällen ist von einer gewissen Dunkelziffer auszugehen.

Nicht jede Zecke sei Träger von Krankheitserregern, so die Biologin. Bei Borrelien etwa treffe das je nach Region auf fünf bis 35 Prozent der Zecken zu. Auch nicht jeder, der von einer infizierten Zecke gestochen werde, erkranke zwangsläufig. »Wichtig ist es, die Zecke möglichst schnell herauszuziehen«, riet sie.

Erster FSME-Fall dieses Jahres

Nach dem milden Winter und dem Start der Zeckensaison ist in Baden-Württemberg der erste von insgesamt wohl mehreren Hundert Fällen von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) in diesem Jahr registriert worden. Betroffen sei ein Patient im Ostalbkreis, teilte das Landesgesundheitsamt in Stuttgart mit.

Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) rief erneut zur Schutzimpfung auf. »FSME kann jeden treffen, aber niemand ist schutzlos«, sagte er. Die Impfung sei der beste Weg, sich und andere zu schützen. »Wer sich jetzt impfen lässt, kann den vollen Schutz noch vor der Hauptsaison aufbauen«, sagte er.

Nur jeder und jede Vierte ist geimpft

FSME kann durch Zeckenstiche ausgelöst werden. Bei der Erkrankung können sich Hirnhaut, Gehirn und Rückenmark entzünden. Aber nur rund 17 Prozent der Bevölkerung waren laut Ministerium 2024 vollständig geimpft. Für den vollen Impfschutz sind laut Lucha drei Impfungen notwendig.

Für das vergangene Jahr waren Experten zuletzt von einer rekordverdächtigen Zahl an von Zecken verursachten Hirnhautentzündungen in Deutschland ausgegangen. In Baden-Württemberg wurden laut Ministerium 260 FSME-Erkrankungen gemeldet, das war der vierthöchste Wert seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001. »Die jährlichen Fallzahlen schwanken, zeigen aber insgesamt einen leichten Anstieg«, sagte Lucha.

Zecken sind pausenlos unterwegs

Zecken sind inzwischen ganzjährig aktiv, sie erobern selbst kühle Berglagen und verbreiten das FSME-Virus in ganz Deutschland. Mit der gestiegenen Verbreitung und Aktivität der Zecken nimmt auch die Zahl der Menschen zu, die an der von Zecken übertragene FSME erkranken, sagt die Leiterin des Fachgebiets Parasitologie an der Universität Hohenheim in Stuttgart, Ute Mackenstedt. Ursache für die steigenden Zahlen ist aus Sicht der Experten vor allem der Klimawandel.

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