Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Grippe
-
Zanamivir-Konjugat soll vor Infektion schützen

Der langwirksame antivirale Wirkstoff MK-1406 soll Menschen mit erhöhtem Komplikationsrisiko über eine gesamte Influenzasaison schützen. Nach positiven Phase-IIb-Daten wird das neuartige Wirkstoffkonjugat derzeit in einer Phase-III-Studie geprüft.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 17.07.2026  14:45 Uhr

Eine einmalige Injektion, die bis zu sechs Monate vor einer symptomatischen Influenza schützt: Dieses Ziel verfolgt das Pharmaunternehmen MSD mit dem Wirkstoff MK-1406. Der früher als CD388 bezeichnete Kandidat ist kein Impfstoff, sondern ein langwirksames antivirales Wirkstoffkonjugat. Er soll insbesondere Menschen schützen, bei denen eine Influenza mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen verbunden ist oder die auf eine Impfung möglicherweise nicht ausreichend ansprechen.

MK-1406 besteht aus mehreren Molekülen des bekannten Neuraminidase-Hemmers Zanamivir, die an das modifizierte Fc-Fragment eines humanen Antikörpers gekoppelt sind. Zanamivir blockiert die Neuraminidase von Influenzaviren. Dieses Enzym benötigen neu gebildete Viruspartikel, um sich von der Oberfläche infizierter Zellen zu lösen und weitere Zellen zu befallen. Seine Hemmung begrenzt somit die Ausbreitung der Viren im Organismus.

Das Fc-Fragment dient vor allem dazu, die Verweildauer des Wirkstoffs zu verlängern. Für MK-1406 wird eine Halbwertszeit von etwa 50 Tagen angegeben. Er könnte daher unabhängig vom Immunstatus wirken und eine Impfung ergänzen, nicht aber grundsätzlich ersetzen.

In der randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Phase-IIb-Studie NAVIGATE erhielten 5041 ungeimpfte Erwachsene einmalig subkutan 150, 300 oder 450 mg MK-1406 oder Placebo. Als primärer Endpunkt wurde eine mittels PCR bestätigte symptomatische Influenza im Zeitraum von Tag 7 bis Woche 24 nach der Injektion erfasst.

Alle drei Dosierungen reduzierten das Erkrankungsrisiko signifikant. Wie aus einer Publikation im Fachjournal »Open Forum Infectious Diseases« hervorgeht, betrug die präventive Wirksamkeit gegenüber Placebo 57,7 Prozent unter 150 mg, 61,3 Prozent unter 300 mg und 76,1 Prozent unter 450 mg MK-1406. Bei der höchsten Dosis nahm die Schutzwirkung über die 24-wöchige Beobachtungszeit nur geringfügig ab. Unerwünschte Ereignisse traten insgesamt ähnlich häufig auf wie in der Placebogruppe; auch Reaktionen an der Injektionsstelle waren zwischen den Gruppen vergleichbar. Für die weitere Entwicklung wurde die Dosis von 450 mg ausgewählt.

In der randomisierten Phase-III-Studie ANCHOR wird derzeit die einmalige subkutane Gabe von 450 mg MK-1406 bei circa 7500 Erwachsenen und Jugendlichen ab zwölf Jahren mit erhöhtem Risiko für Influenzakomplikationen getestet. Geprüft wird, ob MK-1406 symptomatische, laborbestätigte Grippeerkrankungen verhindert und wie sicher und verträglich die Behandlung ist.

Mehr von Avoxa