Nach wie vor ist nach einem akuten Herzinfarkt die Prognose bei Frauen deutlich schlechter als bei Männern: Im Jahr 2024 starben 14,4 Prozent der betroffenen Frauen, bei den Männern waren es 10,1 Prozent. Diese Kluft gebe es schon seit 2019, betont Voigtländer. »Die genauen Ursachen solcher Sterbefälle noch während eines Krankenhausaufenthalts bedürfen der Analyse.«
Die Unterschiede beruhen dem Bericht zufolge wohl auf Ursachen wie einer unterschiedlichen Multimorbidität, also dem zeitgleichen Auftreten mehrerer Erkrankungen. »Möglicherweise wird auch der Herzinfarkt bei Frauen erst später erkannt als bei Männern«, heißt es im Bericht.
Generell steigt in der Altersgruppe ab 70 Jahren der Anteil der kardiovaskulären Erkrankungen an allen Todesursachen. Angesichts des Alterns der Gesellschaft dürfte der Anteil von Herz-Kreislauf-Erkrankungen an den Todesursachen noch deutlich zunehmen, heißt es im Herzbericht.
»Die herzmedizinische Versorgung stellt diese Entwicklung vor große Herausforderungen und erfordert eine interdisziplinäre multiprofessionelle und sektorenübergreifende Versorgung» – von ambulanten Hausarztpraxen über niedergelassenen Kardiologen bis hin zu den Kardiologen und Herzchirurgen in den Krankenhäusern.
Auch jüngere Menschen sind mitunter von Herzerkrankungen betroffen. Bereits ab dem Alter von 40 Jahren seien steigende Hospitalisationsraten durch KHK und Herzrhythmusstörungen zu erkennen, heißt es. Es komme darauf an, Risikopatienten zu identifizieren und Risikofaktoren mithilfe von Lebensstilmaßnahmen und möglicherweise auch Medikamenten einzustellen. So könnten Bluthochdruck, Fettleibigkeit, Diabetes sowie Rauchen und Alkoholkonsum etwa Vorhofflimmern und die Verengung von Herzkranzgefäßen fördern.
Insgesamt wurden 2024 mehr als 1,65 Millionen herzbedingte Krankenhausaufenthalte gezählt, ein leichter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. Allein durch KHK, Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz, also Herzschwäche, gebe es pro Jahr rund 1,5 Millionen Klinikeinweisungen.
Ins Auge fällt laut Herzbericht, dass bei einer Herzschwäche ab einem Alter von 60 Jahren vollstationäre Aufnahmen ins Krankenhaus kontinuierlich zunehmen und ab 65 Jahren steil ansteigen. Mit zunehmendem Alter steige bei diesen Patienten das Risiko einer sogenannten akuten Dekompensation – also einer Komplikation, bei der sich die Herzfunktion plötzlich massiv verschlechtert. Bei engmaschiger Betreuung könnten Krankenhausaufenthalte vermieden werden, heißt es im Bericht. Für vulnerable Gruppen sei zudem die von der Ständigen Impfkommission empfohlene Grippeimpfung besonders wichtig.