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Kinder in Deutschland

Zähneputzen und HPV-Impfung werden zu oft vernachlässigt

Neue Daten aus der KiGGS-Studie zeigen, dass sich fast jedes vierte Kind zu selten die Zähne putzt. Nachholbedarf gibt es auch bei der HPV-Impfung. Nicht einmal jedes zweite Mädchen wird vollständig grundimmunisiert.
Daniela Hüttemann
12.12.2018
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Zweimal täglich Zähneputzen mit einer erbsengroßen Menge altersentsprechender fluoridhaltiger Zahnpasta – so lautet die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. 22,3 Prozent aller Kinder und Jugendlichen beziehungsweise deren Eltern halten sich aber nicht an diese Empfehlung, so ein Ergebnis der zweiten Folgeerhebung der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS-Welle 2, Datenerhebung 2014 bis 2017), das jetzt im »Journal of Health Monitoring« veröffentlicht wurde. Als besondere Risikogruppen für Karies und andere Zahnprobleme gelten dadurch Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren, Heranwachsende mit niedrigem Sozialstatus oder Migrationshintergrund.

Im Vergleich zur Basiserhebung in den Jahren 2003 bis 2006 hat sich die Zahnputzhäufigkeit und auch die Teilnahme an zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchungen allerdings verbessert. Die Studienautoren empfehlen aber weiterhin zielgruppengerechte Maßnahmen zur Förderung des Mundgesundheitsverhaltens in jungen Jahren, zum Beispiel über Kitas und Schulen. Daten der fünften deutschen Mundgesundheitsstudie zufolge haben 12-Jährige heute im Mittel 0,5 kariöse, wegen Karies gefüllte oder gezogene Zähne. 1997 lag dieser Wert noch bei 1,7.

Im Vergleich zu vor zehn Jahren sind mehr Kinder aufgrund von Fehlstellungen der Zähne und des Kiefers in kieferorthopädischer Behandlung. So müssen 25,8 Prozent der Mädchen und 21,1 Prozent der Jungen im Alter von 3 bis 17 Jahren regelmäßig zum Kieferorthopäden. Besonders häufig betroffen sind Mädchen im Alter von 13 (55,0 Prozent) und Jungen im Alter von 14 Jahren (50,8 Prozent).

HPV-Impfquoten zu niedrig

In der zweiten Folgeerhebung der Studie gaben 42,0 Prozent der rund 3000 teilnehmenden Mädchen im Alter von 11 bis 17 Jahren an, mindestens eine HPV-Impfung erhalten zu haben. Knapp ein Drittel gab an, die Grundimmunisierung vollständig abgeschlossen zu haben (31,4 Prozent). Betrachtet man die älteren Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren, gilt dies für 45,3 Prozent. Mädchen in ostdeutschen Bundesländern sind deutlich häufiger gegen die Humanen Papilloma-Viren geimpft als Gleichaltrige im Westen der Republik. Im Vergleich zur Befragung vor fünf Jahren haben sich die HPV-Impfquoten kaum verändert, stellen die RKI-Epidemiologen nüchtern fest. Das präventive Potenzial zur Reduktion von vor allem Gebärmutterhalskrebs werde in Deutschland nicht ausreichend wahrgenommen.

Einen positiven Trend gibt es dennoch: Die 12- bis 17-jährigen Mädchen haben die erste HPV-Impfdosis im Schnitt mit 13,9 Jahren erhalten – fünf Monate früher als vor fünf Jahren in der KiGGS-Welle 1. Empfohlen wird die Impfung allen Mädchen und neuerdings auch Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren.

Teilnahme an U-Untersuchungen steigt

In der KiGGS-Studie wurde auch erhoben, wie häufig Kinder und Jugendliche an den empfohlenen Früherkennungsuntersuchungen, den sogenannten Us und Js, teilnehmen. Insgesamt liegt der Anteil an den meisten Untersuchungen über 95 Prozent. Die Teilnahmezahlen haben im Vergleich zur Erhebung vor zehn Jahren deutlich zugenommen. 99,7 beziehungsweise 99,6 Prozent nehmen an der U1 und U2 teil, an der U8 und U9 im Alter von fast vier beziehungsweise mindestens fünf Jahren sind es jeweils noch rund 98 Prozent.

Mehr Kinder werden mittlerweile auch speziell gefördert. 9,6 Prozent der Kinder und Jugendlichen nehmen innerhalb eines Jahres Physiotherapie in Anspruch, 6,1 Prozent gehen zur Logopädie und 4,0 werden ergotherapeutisch betreut. Zur Logo- und Ergotherapie gehen häufiger Jungen als Mädchen.

Bereits im September hatte das Robert-Koch-Institut weitere Ergebnisse der KiGGS-Welle 2 veröffentlicht, unter anderem zu Allergien und psychischen Erkrankungen.

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