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Sonnencreme

Worauf man der Umwelt zuliebe beim Baden achten sollte

Sommer, Sonne, Badezeit: Die wärmeren Temperaturen locken an die Strände und ins Wasser. Mit den Badenden gelangen allerdings große Mengen Sonnenschutzmittel in Gewässer – und die UV-Filter und Nanopartikel aus Cremes, Lotionen und Sprays können Korallen und anderen Wasserbewohnern schaden. Immer mehr Studien zeigen solche Effekte. Ersatzlösungen sind in Arbeit – bis dahin aber ist der Nutzer selbst gefragt.
dpa
17.06.2022  12:30 Uhr
Worauf man der Umwelt zuliebe beim Baden achten sollte

Jedes Jahr landen bis zu 14.000 Tonnen Sonnencreme im Meer, davon 4000 bis 6000 Tonnen an Korallenriffen, wie Forscher der US-Meeresbehörde NOAA berechneten. Wie sich das auf die maritime Umwelt auswirkt, ist noch nicht abschließend geklärt. Vor allem die enthaltenen UV-Filter scheinen aber Anlass zu Sorge zu geben.

So listet die NOAA auf, dass die Stoffe das Wachstum von Grünalgen beeinträchtigen, bei Muscheln zu Defekten der Jungtiere führen sowie das Immun- und Fortpflanzungssystem von Seeigeln schädigen könnten. Bei Delfinen könnten sich die Substanzen im Zellgewebe ansammeln und auf die Jungtiere übertragen werden, während bei Fischen die Fruchtbarkeit reduziert und Veränderungen im Erbgut ausgelöst werden könnten. Vor allem aber stellen UV-Filter demnach (neben Stressoren wie der steigenden Meerestemperatur) eine Gefahr für Korallen dar.

Insbesondere der chemisch-organische Filter Oxybenzon könnte das Erbgut der empfindlichen Nesseltiere schädigen und dazu führen, dass sich deren Larven in ihrem Skelett einkapseln und sterben, wie eine US-Untersuchung 2016 nahelegt. Studienergebnisse wie dieses veranlassten den US-Bundesstaat Hawaii, ein Gesetz zu beschließen, das den Verkauf von Sonnencremes mit Oxybenzon und Octinoxat seit 2021 verbietet. Ähnliche Regelungen gelten in Key West in Florida, auf den Jungferninseln, im Inselstaat Palau, in thailändischen marinen Nationalparks, auf der Karibikinsel Bonaire und in einigen Urlaubsgebieten Mexikos.

Wenn der UV-Filter zum Phototoxin wird

Wie genau Korallen durch Oxybenzon geschädigt werden, hat nun eine neue US-Studie herausgearbeitet, über die im Fachblatt «Science» berichtet wird. Wissenschaftler der Universität Stanford nutzten dafür eine Korallen- und eine Seeanemonen-Art, denen sie in Aquarien Oxybenzon in hoher Konzentration zuführten und sie dann unterschiedlichen Lichtbestrahlungen aussetzen. Der erstaunliche Effekt: Nur die Tiere, die mit dem simulierten Sonnenlicht bestrahlt wurden, starben. «Es war seltsam zu sehen, dass Oxybenzon das Sonnenlicht für Korallen giftig macht – das Gegenteil von dem, was es eigentlich bewirken soll», sagte Hauptautor William Mitch.

Eigentlich wird Oxybenzon wie andere chemische UV-Filter als Sonnenschutz genutzt, weil es ultraviolettes Licht, das auf die menschliche Haut trifft, absorbiert und die Lichtenergie in Form von ungefährlicher Wärme abgibt. Den Forschern zufolge verstoffwechseln die Anemonen und Korallen den Filter jedoch so, dass die entstehende Substanz schädliche Radikale bildet, wenn sie dem Sonnenlicht ausgesetzt wird. Der Filter wird in ein Phototoxin umgewandelt.

Überdies beobachteten die Wissenschaftler, dass die Algen, die in Symbiose mit den Korallen leben und ihnen ihr farbenprächtiges Äußeres verleihen, ihre Wirte anscheinend schützen, indem sie die aus dem Oxybenzon produzierten Toxine einschließen. Das sich ausbreitende Phänomen der Korallenbleichen könnte daher zusammen mit Oxybenzon im Wasser noch fatalere Folgen haben.

Von einer Bleiche spricht man, wenn gestresste Korallen ihre Algenpartner abstoßen, so dass ihr knochenweißes Skelett freigelegt ist. Solche gebleichten Korallen sind der Studie zufolge noch anfälliger für Oxybenzon.

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