Nicht nur in den Tropen gilt es, einen Eintrag von Sonnenschutzmittel in die Umwelt möglichst zu minimieren. / © Getty Images/Anton Petrus
Sonnencreme schützt unsere Haut, kann aber die Umwelt belasten. »Beim Baden im See oder Meer können Stoffe aus der Sonnencreme direkt in die Umwelt gelangen«, so Luise Körner, Teamleiterin Chemikalienpolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Das kann Folgen haben, etwa weil Sonnencremes häufig Mikroplastik oder flüssige Kunststoffe enthalten. »Diese bauen sich in der Umwelt nur sehr schwer ab und reichern sich in Gewässern, Böden und Organismen an.«
Auch die UV-Filter können problematisch sein. 32 solcher Filter sind für Sonnenschutzmittel in der EU zugelassen, heißt es vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Grundsätzlich gibt es zwei Arten von UV-Filtern: chemische und mineralische. »Chemische UV-Filter dringen in die Haut ein und wandeln UV-Strahlung in Wärme um, während mineralische Filter auf der Hautoberfläche bleiben und das Licht reflektieren«, so Luise Körner. »Einige chemische UV-Filter stehen im Verdacht, Korallen und anderen Wasserorganismen zu schaden«, so die Expertin. Sie könnten hormonell wirken.
Mineralische UV-Filter gelten Körner zufolge als umweltfreundlichere Alternative. Beispiele sind Titandioxid und Zinkoxid. Doch die Datenlage ist noch unvollständig, wie die Stiftung Warentest einordnet. Oft reichten bisher vorhandene Daten nicht aus, um wissenschaftlich fundierte Aussagen über die Umwelteigenschaften einzelner UV-Filter zu treffen.
Wer möchte, kann sich gezielt nach Sonnencremes mit mineralischen UV-Filtern umschauen. Sie bringen allerdings einen Nachteil mit sich: Beim Eincremen bleibt eine weißliche Schicht auf der Haut zurück. Um das zu verhindern, setzen einige Hersteller auf mineralische UV-Filter in Nano-Größe. Wie sich diese besonders winzigen Partikel auf die Umwelt auswirken, ist Luise Körner zufolge nicht abschließend geklärt. Sie rät daher, darauf zu achten, dass in der Liste der Inhaltsstoffe nicht die Vorsilbe »nano« auftaucht.
Wer beim Kauf wissen will, ob sich hormonelle Schadstoffe oder Nano-Stoffe in einer Sonnencreme verbergen, kann den Barcode mit der »ToxFox«-App des BUND scannen. Die App spuckt zum Beispiel eine Warnung aus, wenn eine Sonnencreme den chemischen UV-Filter DHHB (Diethylamino-Hydroxybenzoyl-Hexyl-Benzoat) enthält. Cremes mit diesem UV-Filter können mit dem hormonell wirksamen Weichmacher DnHexP verunreinigt sein.
Einige Sonnencremes werben damit »korallenfreundlich« oder »reef friendly« zu sein – eine Bezeichnung, die allerdings rechtlich nicht geschützt ist. »Meist bedeutet diese Angabe, dass auf bestimmte chemische UV-Filter wie Oxybenzon oder Octinoxat (Ethylhexyl-Methoxycinnamat) verzichtet wurde. Diese UV-Filter sind als hormonelle Schadstoffe bekannt«, sagt Luise Körner. Sie rät, auch hier die Inhaltsstoffe kritisch zu checken, »denn sowohl andere hormonelle Schadstoffe als auch Mikroplastik oder flüssige Kunststoffe können in so einer Sonnencreme trotzdem enthalten sein.«