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Bayerns Gesundheitsministerin Gerlach 
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»Wir haben ein Krankheitssystem«

Longevity – also Langlebigkeit – ist mehr als ein Trend in den sozialen Medien. Das war die Kernbotschaft der bayerischen Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) auf der Digitalmesse DMEA in Berlin. Die Ministerin sprach sich für ein grundsätzliches Umdenken in der Gesundheitsversorgung aus. 
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 22.04.2026  16:00 Uhr

»Longevity ist ein Begriff, der Karriere macht. Manche sagen, das ist nur ein Trend, mit dem Geld gemacht wird und auch ich sehe kritisch, dass sich viele der Angebote an eine privilegierte Zielgruppe richten, die Zeit und Geld in ihre Gesundheit investieren kann. Aber ich glaube, wir müssen darunter mehr verstehen«, sagte Gerlach. »Wie schaffen wir es, dass unsere Gesellschaft möglichst lange gesund lebt? Longevity ist für mich nichts anderes als die gute alte Prävention.«

Es war der Ministerin wichtig zu betonen, dass es nicht allein darum gehen dürfe, möglichst lange zu leben. Stattdessen müsse man versuchen, den Menschen ein gesundes Älterwerden zu ermöglichen. »Die Spanne, in der wir gesund bleiben, muss länger werden. Da sind wir in Deutschland im Hintertreffen. Wir pumpen wahnsinnig viel Geld in unser Gesundheitssystem, aber das Ergebnis ist überschaubar«, klagte die Ministerin. 

Bei den aktuell geplanten Gesundheitsreformen müsse das Thema daher mitgedacht werden, um das System so auszurichten, dass Krankheiten oder Pflegebedürftigkeit verhindert werden. »In Deutschland gilt Prävention nur als ›nice to have‹, wird aber nicht wirklich ernstgenommen. Es wird uns aber nicht helfen, immer mehr Geld in ein System zu schieben, das keinen entsprechenden Outcome erbringt«, so die Ministerin, die sich anschließend für eine Erhöhung der Tabaksteuer aussprach. Die so gewonnenen Gelder sollten in Präventionsangebote fließen. 

Gesundheit in den Alltag integrieren 

Es müsse selbstverständlich werden, dass die Menschen besser und verantwortungsvoller mit ihrem eigenen Körper umgehen. Dafür brauche es einen Paradigmenwechsel im Gesundheitssystem. »Aktuell haben wir ein Krankheitssystem und kein Gesundheitssystem. Der Fokus liegt nicht auf der Gesundheit, sondern darauf, Krankheit zu heilen«, so Gerlach. 

Die Ministerin sprach sich daher dafür aus, das Thema Gesundheit stärker in den Alltag zu integrieren. Man müsse die Menschen beispielsweise für Bewegung und gesunde Ernährung begeistern. Auch in der Pflege brauche es ein Umdenken. »In vielen Ländern ist es selbstverständlich, dass man mit den Menschen in Pflegeheimen so arbeitet, dass sie das Heim wieder verlassen können. Da wird trainiert, nicht nur kognitiv, sondern auch die Muskelkraft, um zum Beispiel den nächsten Sturz zu verhindern«, sagte Gerlach. 

In Bayern habe man daher einen »Masterplan Prävention« entwickelt, der zahlreiche Leistungserbringer aus Gesundheit und Pflege mit einbezieht. So habe man rund 250 Maßnahmen – darunter beispielsweise Sportprogramme oder Aktionen für besseres Schulessen – erarbeitet, die man aktuell umsetze. »Wir müssen verschiedene Punkte einbeziehen und schauen, wo wir die Leute in ihrer Lebenssituation abholen können«, erklärte die Gesundheitsministerin. 

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