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Gedankenexperiment 
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Wie wäre eine Welt ohne Apotheken?

Jedes Jahr schließen Hunderte Apotheken. Um die Politik zum Handeln zu bewegen, findet am 23. März ein bundesweiter Apothekenprotesttag statt. Für einen Tag sollen die Apotheken schließen. Doch was wäre, wenn von heute auf morgen alle Apotheken verschwinden würden? Ein düsteres Zahlenspiel und Gedankenexperiment.
AutorKontaktPaulina Kamm
Datum 18.03.2026  11:30 Uhr
(Noch mehr) Chaos im Gesundheitssystem 

(Noch mehr) Chaos im Gesundheitssystem 

In Deutschland bestehen laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) aktuell noch 97.973 ärztliche Praxen und 1.874 Krankenhäuser. Beide Bereiche operieren bereits seit Jahrzehnten an der Belastungsgrenze. Weitere 700 Kliniken wurden von Josef Hecken, Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), im Februar dieses Jahres als verzichtbar eingestuft. Insbesondere die Patientinnen und Patienten aus 380.000 Apothekennotdiensten pro Jahr könnten direkt auf die Notaufnahmen umverteilt werden – oder eben auch nicht. 

Um den Druck auf Praxen und Krankenhäuser nicht weiter zu erhöhen, könnte man im Zuge des »Herbst der Reformen« auch gänzlich neue Versorgungsinstanzen aufbauen. Dann würde die unter Sparzwang stehende und zu Versorgungsabbau tendierende Regierung aber erst merken, wie effizient die heutige Versorgung über Apotheken ist. Also fallen die Gesundheitskioske auch weg. Auf die Idee, die Arzneimittelversorgung den Krankenkassen direkt zu überlassen, würden selbst finstere Misanthropen nicht verfallen.

Ein kleines Wirtschaftswunder

Neben den versorgungspolitischen Folgen hätte ein plötzliches Apothekenverschwinden auch erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen, angefangen bei den Arbeitsplätzen. Rund 53.000 Approbierte arbeiten in öffentlichen Apotheken, jeweils mehr als 72.000 PTA und  32.000 PKA, noch immer rund 3500 Pharmazieingenieure und Apothekerassistenten. Botendienstpersonal, Reinigungskräfte und andere Beschäftigte in der Apotheke kommen noch dazu. Immerhin hätte sich das Nachwuchsproblem der Apotheken quasi in Luft aufgelöst. 

Der Fiskus würde ohne Apotheken ein langes Gesicht machen: Neben der Lohnsteuer für die Beschäftigten zahlen Apotheken jährlich mehr als 14 Milliarden Euro an Umsatz-, Gewerbe- und Einkommensteuer. Gerade in kleineren Gemeinden zählen Apotheken nicht selten zu den größten Steuerzahlenden, etwa 400 Millionen Euro Gewerbesteuer fallen hier laut ABDA jährlich an.

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