Mäuse und Ratten sind immer noch die am häufigsten eingesetzten Versuchstiere. In Deutschland ist die Zahl der Tierversuche rückläufig. / © Adobe Stock/New Africa
Mehr als 1,3 Millionen Tiere sind im Jahr 2024 in Deutschland in Tierversuchen eingesetzt worden – vor allem Mäuse, gefolgt von Ratten, Fischen, Kaninchen, aber auch Schweinen, Hunden und Affen. Hinzu kamen knapp 670.000 Tiere, die zu wissenschaftlichen Zwecken getötet wurden, etwa um ihre Organe zu untersuchen.
Außerdem listet die Statistik des zuständigen Bundesinstituts 1,6 Millionen getötete sogenannte überschüssige Tiere auf. Diese wurden zunächst für Versuche beziehungsweise für die Forschung gezüchtet, dann aber nicht eingesetzt. Daten für 2025 liegen bisher nicht vor. Die Zahl der Versuchstiere in Deutschland ging damit das fünfte Jahr in Folge zurück.
Seit zehn Jahren gibt es das Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren innerhalb des Bundesinstituts für Risikobewertung. Es koordiniert bundesweite Aktivitäten mit den Zielen, Tierversuche auf das unerlässliche Maß zu beschränken und Versuchstieren den bestmöglichen Schutz zu gewähren.
Ärzte gegen Tierversuche und andere Organisationen fordern von der Bundesregierung jedoch weit größere Anstrengungen. Die EU will in einem Bereich – nämlich bei der Sicherheitsbewertung von Chemikalien – schrittweise aus Tierversuchen aussteigen. Dazu wurde von der EU-Kommission im Juni ein Fahrplan vorgestellt.
Bislang sind auf EU-Ebene in einigen Bereichen für die Sicherheitsbewertungen von Chemikalien Tierversuche zulässig oder sogar vorgeschrieben. Schrittweise plant die EU, hier aus der Verwendung von Tieren auszusteigen. Schon jetzt gebe es nicht tierbasierte Methoden, zum Beispiel zur Vorhersage akuter Wirkungen wie Haut- und Augenreizungen, heißt es in Erläuterungen zum Ausstiegsplan.
»Es gibt Hunderttausende von Chemikalien, aber diese können nicht alle umfassend getestet werden. Mit tierversuchsfreien Testsystemen können wir neue Stoffe mit bekannten vergleichen und ihr Gefahrenpotenzial so einstufen«, sagt die Chemieprofessorin Dr. Beate Escher, die seit 35 Jahren an sogenannten In-vitro-Methoden forscht.
Bislang wird die Toxizität, also die Giftigkeit von Stoffen, »in vivo«, also an lebenden Organismen, oft an Tieren, getestet. Der technologische Fortschritt sei groß, sagt die Forscherin vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig, die jetzt mit dem mit 100.000 Euro dotierten Tierschutzforschungspreis 2026 des Bundeslandwirtschaftsministeriums ausgezeichnet wurde. »Ich bin sehr optimistisch, dass wir mit der Kombination von historischen In-vivo-Toxizitätsdaten, modernen Daten aus Hochdurchsatz-zellulären Testsystemen, gepaart mit Computermodellen, langfristig Tierversuche ersetzen können.«