Die Sehschärfe überprüfen kann man mittlerweile auch per Smartphone-App oder Browser-Anwendung. Solche Tests können eine regelmäßige augenärztliche Untersuchung aber nicht ersetzen. / © Getty Images/Delmaine Donson
Online-Sehtests werden heute von verschiedenen Anbietern als Smartphone-App oder Browser-Anwendung bereitgestellt. Nutzerinnen und Nutzer prüfen dabei ihre Sehschärfe, indem sie Zahlen, Buchstaben oder Symbole auf dem Bildschirm erkennen müssen. Teilweise werden die Ergebnisse automatisch ausgewertet oder mit früheren Messungen verglichen.
»Derartige Angebote können Menschen eine erste Orientierung geben und sie für Veränderungen ihres Sehens sensibilisieren«, erklärt Privatdozent Dr. Jan Terheyden, Augenarzt an der Universitäts-Augenklinik Bonn, in einer Mitteilung der Stiftung Auge. Allerdings seien die Ergebnisse stark von Faktoren wie der Bildschirmhelligkeit, Raumbeleuchtung oder dem richtigen Abstand zum Gerät abhängig, betont der Experte. Hierzu gibt es klare Vorgaben, die seitens der Anbieter kommuniziert und von den Nutzenden eingehalten werden müssen.
Wer zu Hause einen Sehtest machen möchte, sollte sich auch über die richtige Einordnung der Testergebnisse informieren: »Ein gutes Ergebnis bedeutet nicht automatisch, dass die Augen gänzlich gesund sind«, so Terheyden. Viele Augenerkrankungen können über lange Zeit bestehen, obwohl die Sehschärfe noch normal erscheint.
Auch Professor Dr. Frank G. Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn und Vorsitzender der Stiftung Auge, warnt vor falscher Sicherheit: »Online-Sehtests ersetzen keine augenärztliche Untersuchung.« Erkrankungen wie die altersabhängige Makuladegeneration (AMD), diabetische Netzhautschäden oder ein Glaukom (Grüner Star) ließen sich so nicht zuverlässig ausschließen.
Gleichzeitig sehen die Experten in digitalen Angeboten Potenzial: »Gut entwickelte und wissenschaftlich geprüfte Tests können Menschen dafür sensibilisieren, Sehverschlechterungen ernst zu nehmen und ärztlich abklären zu lassen«, so Terheyden. Voraussetzung sei jedoch, dass die Anwendungen verständlich aufgebaut seien und Nutzerinnen und Nutzer die Ergebnisse richtig einordnen könnten.
Hier brauche es künftig mehr wissenschaftliche Untersuchungen und einheitliche Qualitätsstandards. Wer unsicher ist, welcher Test vertrauenswürdig oder im individuellen Fall sinnvoll ist, sollte sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt beraten lassen.