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3-Prozent-Marge
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Wie Patentabläufe die Apotheken treffen

Den Krankenkassen ist der variable Teil des Apothekenhonorars ein Dorn im Auge, sie würden den Betrag gern deckeln. Doch mit dem Auslaufen wichtiger Patente in den nächsten Jahren winken den Kassen ohnehin größere Einsparungen – auch zulasten der Apotheken.
AutorAlexander Müller
Datum 10.03.2026  12:00 Uhr

Bezug zur Marktentwicklung

Gerade bei Präparaten aus den Top 10 der GKV-Ausgaben sparen nicht nur die Kassen nach den Patentabläufen Milliarden ein – gleichzeitig bricht den Apotheken ein Teil ihrer Honorierung weg. Denn auch wenn das Hochpreisergeschäft für Apotheken nicht sonderlich lukrativ ist, trägt der variable Honorarbestandteil zum Ergebnis bei. Angesichts des seit Jahren eingefrorenen Fixums ist der 3-Prozent-Zuschlag immerhin ein Bezug zur Marktentwicklung.

Die Krankenkassen wenden genau diesen Fakt gegen die Apotheken und verweisen auf die höheren Bezüge aufgrund der steigenden Arzneimittelausgaben. Die Apothekerseite hält dem entgegen, dass mit höheren Preisen auch steigende Kosten für die Apotheken einhergehen, angefangen bei der Vorfinanzierung über umsatzbezogene Gebühren und Beiträge bis hin zu dem drohenden Risiko einer Nullretaxation. Ein einziger Totalausfall wegen eines Formfehlers kann heute das komplette Jahresergebnis auffressen.

Die Kassen pochen dennoch auf Einsparungen in diesem Bereich. Sie hatten auch dem Ansinnen von Ex-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) applaudiert, die 3-Prozent-Marge schrittweise abzusenken. Im aktuellen Reformvorhaben von Ministerin Nina Warken soll die Marge wie beschrieben Teil der Verhandlungslösung werden.

Der GKV-Spitzenverband wünscht sich, dass der »variable Anteil der Apothekenvergütung, so wie bereits heute bei der Großhandelsvergütung der Fall, gedeckelt wird«. Der Großhandelsverband Phagro läuft seinerseits genau gegen diese Deckelung Sturm, da steigende Arzneimittelpreise bei den Großhändlern »nicht zu höheren Erlösen, sondern nur zu steigenden Kosten« führten.

Entwicklung der Arzneimittelpreise

Die Pharmaindustrie auf der anderen Seite ist es leid, von den Kassen ständig mit den sehr hohen Kosten für Einzeltherapien öffentlich vorgeführt zu werden, die in der Praxis selten vorkämen: »Die Kosten steigen nicht im Arzneimittelbereich, sondern die Gesundheitskosten insgesamt«, so Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland. »Wir haben für Arzneimittel einen Kostenanteil von 11 bis 12 Prozent – und dieser Anteil ist über die vergangenen 20 Jahre weitgehend stabil.«

Ebenfalls seit Jahren recht konstant ist laut Brakmann die Ausgabenverteilung von Generika und Originalen: Mal hätten die Innovationen einen Anteil von 48 Prozent, mal seien es 52 Prozent, aber beide Blöcke hielten sich seit Jahren ungefähr die Waage: »Und im Durchschnitt sank der Preis pro Arzneimittel sogar 2024 und 2025«, so Brakmann. Sie findet es daher irreführend, wenn bei einem Preisvergleich ein Extrembeispiel mit in die nicht volumengewichtete Berechnung eingeht und mit Zulassungen von vor zehn Jahren verglichen werde.

Ende des Monats werden die Karten neu gemischt: Dann legt die von Gesundheitsministerin Warken eingesetzte »FinanzKommission Gesundheit« ihre Ergebnisse vor. Bei den erwarteten Sparvorschlägen soll die Erhöhung des Apothekenfixums auf 9,50 Euro schon eingepreist sein, wie Warken inzwischen mehrfach versprochen hat.

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