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Apotheke an Arztpraxis
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Wie Kommunikation besser gelingen kann

Ein Knackpunkt bei der Umsetzung pharmazeutischer Dienstleistungen ist oft die Kommunikation zwischen Apotheke und Arztpraxis. Wenn man die bestehenden Fallstricke jedoch beachtet, profitieren beide Seiten. Im aktuellen Webinar der pDL-Akademie von Pharma4u erklären die Referenten wie dies gelingen kann.
AutorKontaktJohanna Hauser
Datum 27.04.2026  07:00 Uhr

Apothekerin Sabine Haul riet, vorab mit den Ärzten in der näheren Umgebung zu sprechen und zu erklären, was es mit den pharmazeutischen Dienstleistungen auf sich hat. Ärzte wissen häufig nicht, was Apotheker dürfen oder nicht dürfen. Oder sie können schlicht nicht einordnen, wie sie mit den Hinweisen im Bericht einer Medikationsanalyse umgehen sollen. Auch gibt es immer wieder Unsicherheiten bezüglich der Zuständigkeit zwischen Haus- und Facharzt, wenn es beispielsweise um das An- oder Absetzen von Medikamenten geht. Hinzu kommen finanzielle Zwänge, sodass nicht immer einfach mal ein Kombinationspräparat verordnet werden kann.

Es gebe immer wieder Ärzte, die mit dem Verweis auf eine fehlende Honorierung für die Zusammenarbeit ablehnend auf Medikationsanalysen und Arztbrief reagieren. Hier könne sich die Apotheke klar positionieren und erklären, dass die Medikationsanalyse eine Aufgabe sei, die der Arzt ohne Kosten an die Apotheke delegieren kann. Das Arzt-Patienten-Verhältnis werde dadurch nicht beeinträchtigt und die Verschreibungshoheit bleibe selbstverständlich beim Arzt. Die Empfehlungen, die die Apotheke im Arztbrief ausspreche, bezögen sich auch nur auf Informationen, die der Patient dem Apotheker bereitstelle. Der Bericht solle dem Arzt als Information dienen und die Praxis entlasten.

Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Punkt ist, zu klären, in welcher Form und in welcher Tiefe der Arzt informiert werden möchte. Welche Abläufe lassen sich problemlos in den Praxisalltag integrieren? Hier ist es sinnvoll, auch die MTA mit an Bord zu nehmen.

In die Perspektive des Arztes versetzen

Ärztinnen und Ärzte setzen oft andere Prioritäten als Apothekerinnen und Apotheker. Dies hat unterschiedliche Gründe, die es seitens der Apotheke zu akzeptieren gilt. So kann beispielsweise die Relevanz arzneimittelbezogener Probleme (ABP) anders bewertet werden. Daher empfiehlt es sich, nur die dringendsten Probleme im Arztbrief anzusprechen, um eine Informationsflut zu verhindern. Ist bekannt, dass ein Arzt Hinweise auf eine mögliche QT-Zeit-Verlängerung als nicht wichtig erachtet, macht es wenig Sinn, immer wieder darauf hinzuweisen, rät Haul.

Ein beigefügter, angepasster Medikationsplan müsse immer erklärt werden, um Missverständnissen vorzubeugen. Je nach Ablauf in der Praxis sorgt ein zusätzlicher Plan für Verwirrung. Im Zweifel ist es besser, auf dieses Instrument zu verzichten.

Manche Maßnahmen brauchen Zeit

Geduld ist ein weiteres Werkzeug im Kommunikations-Werkzeugkasten. Die Apothekerin rät, bei jedem ABP zu überlegen, ob ein direktes Feedback des Arztes wirklich nötig ist. Denn Ärzte haben schlicht keine Zeit, auf jede Analyse zu reagieren. Reicht es nicht abzuwarten, ob und was der Patient beim nächsten Apothekenbesuch erzählt? Manchmal werden Änderungen erst nach Wochen oder Monaten umgesetzt, weil der Arzt erst noch einmal selber mit dem Patienten sprechen nöchte, so Haul.

Der Ergebnisbericht sollte nur das Nötigste enthalten und möglichst nicht in den Workflow des Arztes eingreifen. Das Anliegen des Patienten – etwas eine geringere Tablettenlast – sollte im Fokus stehen. Formulierungen sollten nicht fordernd und eher im Konjunktiv gehalten werden. Formulierungshilfen finden sich auf der Homepage der ABDA.

Aus Patientensicht argumentieren

Im Patientengespräch ist es wichtig, auch aktiv nach Schmerz- und Schlafmitteln zu fragen. Diese werden oft nicht als relevant wahrgenommen. In einem Fallbeispiel, der im Rahmen des Webinars behandelt wurde, förderte die aktive Nachfrage ein ernstes ABP zutage, das durch eine Selbstmedikation herbeigeführt wurde.

Arzneimittel Stärke Dosierung
ASS 100 mg 1-0-0-0
Metoprololsuccinat 47,5 mg 1-0-1-0
Candesartan 16 mg 1-0-1-0
Rosuvastatin 10 mg 0-0-1-0
Lercanidipin 20 mg 1-0-0-0
Ezetimib 10 mg 1-0-0-0
Voltaren Dolo Liquid 25 mg 1-0-1-0
Torasemid 10 mg 1-0-0-0
Medikationsplan von Herrn B.

Bei diesem Fall stellte sich heraus, dass es der 81-jährige Hypertoniker mit der Tabletteneinnahme nicht immer so genau nimmt. Daher ist der Blutdruck nicht optimal eingestellt. Der Patient wünscht sich eine geringere Tablettenlast. Außerdem leidet er unter Verstopfung, die er auf das Lercanidipin zurückführt, das er immer absetzt, bis die Beschwerden besser sind. Auch lässt er gerne die abendlichen Tabletten weg, wenn er mit Freunden noch ein Bierchen trinkt. In der Selbstmedikation nimmt Herr B. Diclofenac.

Im Arztbrief sollten folgende Punkte thematisiert werden:

  1. Erhöhte Blutdruckwerte: Patient berichtet, die Tabletten öfter zu vergessen bzw. nimmt Lercanidipin bewusst nicht ein, wenn er Verstopfung hat. Die Tablettenzahl sei ihm zu hoch. Wenn er abends in Gesellschaft ein Bier trinkt, verzichtet er auf die abendliche Einnahme der Tabletten.
    Empfehlung: Vereinfachung der Einnahmeschemata durch Einsatz von Kombinationspräparaten bzw. Vereinfachung der Dosisintervalle: Candesartan und Metoprolol (Tagesgesamtdosis einmal täglich) sowie regelmäßige Einnahme von Flohsamen oder Macrogol für die Verdauung und Kontrolle von Blutdruck und LDL im Verlauf bei gebesserter Adhärenz.
  2. Selbstmedikation mit Diclofenac (25mg, zweimal täglich) bei Nackenschmerzen: Diclofenac erhöht das kardiovaskuläre Risiko (erhöhter Blutdruck, Triple Whammy, Magenschmerzen, Blutungsrisiko). Empfehlung: Umstellung auf Paracetamol oder Novaminsulfon
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