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Wie hängen Klimakrise und Gesundheit zusammen?

Seit Februar gibt es beim Bundesverband der Pharmaziestudierenden (BPhD) die »Arbeitsgruppe Umwelt und Klima«. Neben Diskussionsrunden für Studierende bietet die AG eine Vortragsreihe mit Experten zum Thema »Klima und Gesundheit« an. Im ersten Vortrag der Reihe wurde dieser Zusammenhang genauer beleuchtet.
Carolin Lang
09.04.2021  07:00 Uhr

»Die Klimakrise ist auch eine Gesundheitskrise. Daher gehört das Thema in den Bereich Pharmazie«, erklärt Patrick Neumann als Beauftragter für Public Health beim BPhD gegenüber der PZ. Die im Februar neu gegründete »AG Umwelt und Klima« unter seiner Leitung soll dazu beitragen, das Bewusstsein für die Zusammenhänge unter den Studierenden zu schärfen.

Die AG bietet aktuell zwei Programmpunkte: eine Diskussionsrunde und eine Vortragsreihe. Bei der Diskussionsrunde kommen Pharmaziestudierende einmal im Monat virtuell zusammen, um über Nachhaltigkeit in der Pharmazie zu diskutieren. »Ziel der AG ist es, mit den Studierenden zusammen einen Plan zu erarbeiten, wie wir nachhaltiger in der Industrie, Apotheke, Forschung oder Lehre arbeiten können.« Bei der vierteiligen virtuellen Vortragsreihe referieren Expertinnen und Experten aus dem Bereich Klima und Gesundheit.

Gesundheitliche Folgen des Klimawandels in Deutschland

Im ersten Vortrag am 15. März veranschaulichte die Ärztin und stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), Sylvia Hartmann, wie sich der Klimawandel auf die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland auswirken könnte.

Eine zu erwartende Folge des Klimawandels seien Hitzewellen, die vor allem für ältere Menschen gesundheitliche Folgen haben können. Hartmann verwies auf eine Modellierungsstudie im Fachjournal »The Lancet«, nach der im Jahr 2018 etwa 20.000 Menschen in Deutschland an den Folgen von Hitze starben. Im pharmazeutischen Bereich könne bei sehr hohen Temperaturen eine Dosisanpassung für einige Medikamente wie Diuretika erforderlich werden. Zudem könne der Klimawandel die Allergiesaison verlängern und verstärken. »Mehr CO2 in der Luft bedeutet eine höhere Aktivität in Bäumen, was zu einer Zunahme der Pollenproduktion führt«, erklärte Hartmann.

Bereits nachweisbar sei eine Zunahme an Infektionserregern und -krankheiten. Die regionale Ausbreitung von Zecken vergrößere die Risikogebiete für FSME und Borreliose. Zudem könnten tropische Krankheiten Einzug in Deutschland finden. Die Tigermücke als potenzieller Vektor für das Dengue- und das Zika-Virus wurde bereits entdeckt. Wärmere Temperaturen begünstigen zudem das Wachstum von Blaualgen in Badeseen, die ein hepatotoxisches und neurotoxisches Potenzial haben. Zudem spiele die Luftverschmutzung eine wichtige Rolle in puncto Gesundheit. Sie gelte als potenzieller Risikofaktor für Alzheimer, Diabetes, COPD und Lungenkrebs.

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