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Kurzzeitiger Sehverlust
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Wie ein Schlaganfall im Auge

Eine vorübergehende Sehstörung ist ein Warnzeichen für Schlaganfall und Herzinfarkt. Zwei große Studien zeigen, dass danach das Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse kurzzeitig deutlich, aber auch zehn Jahre lang erhöht ist.
AutorKontaktBrigitte M. Gensthaler
Datum 08.07.2026  18:00 Uhr

Wie eine graue Mattscheibe oder ein unvollständiger Sehverlust: Ein transienter Visusverlust (TVL, Amaurosis fugax) ist eine schmerzlose, oft einseitige, seltener beidseitige Seheinschränkung, der meist eine kurzzeitige Mangeldurchblutung der Netzhaut oder des Sehnervs zugrunde liegt.

»Dies ist quasi ein Schlaganfall im Auge und ein ernstes Warnzeichen für kardiovaskuläre Erkrankungen«, betonte Professor Dr. Frank G. Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn, kürzlich bei einer Online-Pressekonferenz der Stiftung Auge der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft. Jedoch fänden die meisten Patienten den Vorfall harmlos und kümmerten sich nicht weiter darum. Der Stiftungsvorsitzende empfahl dringend, das Ereignis rasch ärztlich abklären zu lassen, denn »TVL ist ein potenziell schwerer Notfall«. Auch das Apothekenpersonal solle zur sofortigen Abklärung beim Arzt raten; der Patient könne zum Augen- oder Hausarzt, Internisten oder Kardiologen gehen.

Es gibt auch harmlose Ursachen für den plötzlichen Sehverlust. Holz nannte beispielhaft Migräne, starke Kopfschmerzen, Dehydratation und große Hitze. »Gefährlich ist es, wenn kein äußerer Auslöser für einen TVL vorliegt.«

Risiko langfristig erhöht

Zwei aktuelle Studien hätten sowohl die deutlich erhöhten kurzzeitigen als auch die langfristigen Risiken für das Herz-Kreislauf-System untersucht, berichtete Holz.

Eine im »British Journal of Ophthalmology« veröffentlichte kanadische Untersuchung (DOI: 10.1136/bjo-2025-328605) wertete die Daten von knapp 39.200 Personen mit der Erstdiagnose eines TVL (mittleres Alter 56,8 Jahre) im Vergleich zu einer Kontrollgruppe aus. Berechnet wurde die Häufigkeit von »Major adverse cardiovascular events« (MACE, schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse), Arrhythmien, venösen Thromboembolien (VTE), Krankhauseinweisungen und Mortalität.

In den ersten 14 Tagen nach TVL war das Risiko für einen Schlaganfall mehr als 21-fach erhöht, für MACE insgesamt circa zehnfach, für Herzinfarkt circa fünffach und für Arrhythmien und Krankenhauseinweisung etwa vierfach, verglichen mit einer Kontrollgruppe. Das Hospitalisationsrisiko war am höchsten in den ersten 90 Tagen und sank mit der Zeit. Das VTE-Risiko und die Gesamtmortalität waren nicht erhöht.

»Das Langzeitrisiko für Schlaganfall, Herzinfarkt und Hospitalisation blieb zehn Jahre lang erhöht. Dies zeigt, wie dringend die Diagnostik und kardiovaskuläre Überwachung über längere Zeit sind«, resümierte der Augenarzt.

Kardiovaskuläre Risikofaktoren gut einstellen

Eine im Fachblatt »Ophthalmology Retina« publizierte Studie fokussierte auf das Schlaganfallrisiko nach einem ischämischen Augenereignis wie TVL (DOI: 10.1016/j.oret.2026.03.013). Hier war das Risiko für ischämischen Schlaganfall oder transitorische ischämische Attacken (TIA) innerhalb von einem und von zwölf Monaten deutlich erhöht. Zusätzliche Risikofaktoren waren höheres Alter, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine Stenose der Karotisarterie (Halsschlagader).

»Das Symptom des transienten Sehverlustes sollte unbedingt sofort abgeklärt werden«, empfahl Holz. Dies umfasse die Untersuchung der Halsschlagader auf Embolien, EKG, Herzultraschall und eine Blutuntersuchung, um das metabolische Risiko abzuklären. Man müsse Risikofaktoren proaktiv behandeln und zum Beispiel Hypertonie, Hyperlipidämie oder Diabetes besser einstellen und die Durchblutung fördern. 

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