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Glucocorticoide

Wie die metabolischen Nebenwirkungen entstehen

Patienten, die langfristig mit entzündungshemmenden Steroiden behandelt werden, erleiden häufig Nebenwirkungen wie einen Steroid-Diabetes. Dies liegt unter anderem an einem kleinen Molekül namens E47.
Brigitte M. Gensthaler
29.01.2019  17:00 Uhr

Glucocorticoide sind sehr effektive entzündungshemmende Arzneistoffe, aber auch starke Stoffwechselregulatoren. Daher liegen erwünschte und unerwünschte Wirkungen eng beieinander. Erhöhte Glucocorticoid-Spiegel sind assoziiert mit metabolischen Störungen wie Hyperglykämie, Insulinresistenz, Dyslipidämie, Fettleber und Adipositas. Das begrenzt ihren langfristigen Einsatz erheblich. Forscher am Helmholtz-Zentrum München und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) haben gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern einen Mechanismus aufgedeckt, der zum Steroid-Diabetes führt. Die Ergebnisse erschienen kürzlich im Fachblatt »Nature Communications«.

Wenn Glucocorticoide an ihre Rezeptoren (GR) in den Körperzellen binden, werden in der Folge im Zellkern zahlreiche Gene ein- und ausgeschaltet. Das Team um Professor Dr. Henriette Uhlenhaut vom Institut für Diabetes und Adipositas des Helmholtz-Zentrums München (IDO) suchte nach den genauen Mechanismen, die nach Bindung der Steroide an den Rezeptor ablaufen. »Dabei fiel uns vor allem der Transkriptionsfaktor E47 auf, der gemeinsam mit dem Glucocorticoid-Rezeptor für die veränderten Genaktivitäten speziell in Leberzellen sorgt«, berichtet Charlotte Hemmer, Doktorandin am IDO und Erstautorin der Arbeit, in einer Pressemeldung der LMU. »Diesen Zusammenhang konnten wir durch genomweite Analysen und genetische Experimente herausarbeiten.«

Es zeigte sich, dass E47 nötig ist für die Regulation des hepatischen Glucose- und Lipidmetabolismus durch Glucocorticoid-Rezeptoren. Das Fehlen des Transkriptionsfaktors E47 verhinderte die GR-induzierte Entwicklung von Hyperglykämie und Fettleber. Dies könnte ein Ansatzpunkt sein für neue Immunsuppressiva mit reduzierten metabolischen Nebenwirkungen, hoffen die Wissenschaftler.

Schätzungen zufolge werden in der westlichen Welt zwischen 1 und 3 Prozent der Menschen mit Glucocorticoiden behandelt; in Deutschland wären dies mehr als eine Million Patienten.

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