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Neue Hypothese

Wie Antidepressiva im Gehirn wirken

Ein weiteres Forscherteam um Professor Dr. Rupert Lanzenberger von der Medizinischen Universität Wien kam nach Durchführung einer Doppelblind-Studie mit 80 gesunden Probanden und Probandinnen ebenfalls zu dem Ergebnis, dass selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) die Neuroplastizität erhöhen. Mit bildgebenden Verfahren sei es dem Team gelungen, nachzuweisen, dass SSRI die Neuroplastizität ankurbeln und so bestimmte Lernprozesse im Gehirn erleichtern, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität.

Die Erhöhung der Neuroplastizität sei ein wesentlicher Wirkungsmechanismus von SSRI, betont Lanzenberger. Diese Wirkstoffgruppe wirke also nicht direkt auf die Stimmung, sondern verändere die Empfänglichkeit für Umlernprozesse und helfe so unter günstigen Bedingungen aus der Depression heraus. »Wir sehen, dass die Medikation bei Depressionen oft nur der erste Schritt ist. Ebenfalls wichtig sind die begleitende Psychotherapie und veränderte Umwelterfahrungen, und diesen Vorgang können wir ebenfalls als eine Art Umlernprozess unter erhöhter Plastizität sehen«, ergänzt er.

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