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HIV-Therapie

WHO empfiehlt Dolutegravir als Mittel der Wahl

Nach einer neuen Nutzen-Risiko-Abschätzung empfiehlt die WHO ab sofort länderunabhängig Dolutegravir als First-Line-Therapie für alle HIV-Infizierten – trotz früherer Bedenken auch für Schwangere und Frauen im gebärfähigen Alter.
Daniela Hüttemann
23.07.2019
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Dolutegravir (Tivicay®) ist ein Hemmstoff der HI-Virus-Integrase. Er ist seit Februar 2014 in Deutschland auf dem Markt, mittlerweile auch in Kombination mit Abacavir und Lamivudin (Triumeq®) sowie mit Rilpivirin (Juluca®) beziehungsweise Lamivudin (Dovato®). Dolutegravir ist wirksamer und einfacher einzunehmen als andere HIV-Medikamente, heißt es in einer Pressemitteilung der Weltgesundheitsorganisation – und das bei einem besseren Nebenwirkungsprofil. Zudem liege die Barriere für eine Resistenzentwicklung höher, was angesichs wachsender Immunität der HI-Viren gegenüber Efavirenz- und Nevirapin-basierter Therapieregime ein zusätzlicher Vorteil sei.

Es gab jedoch bislang Bedenken, dass Dolutegravir das ungeborene Kind im Mutterleib schädigen kann. In einer Anwendungsbeobachtung in Botswana traten bei vier von 426 Neugeborenen von Müttern, die während der Schwangerschaft beziehungsweise rund um die Empfängnis mit Dolutegravir behandelt wurden, ein Neuralrohrdefekt auf. Das führte zu weltweiten Warnungen für Schwangere und Frauen im gebärfähigen Alter. Auch in Deutschland wurde ein entsprechender Rote-Hand-Brief verschickt. Als Alternative sollten sie bevorzugt mit Efavirenz behandelt werden.

Mittlerweile liegen jedoch neue Daten von zwei großen klinischen Studien in Afrika vor. Demnach sei das Risiko für Neuralrohrdefekte unter Dolutegravir deutlich niedriger, als erste Studien gezeigt hatten, schreibt die WHO. Daher empfiehlt sie nun wieder Dolutegravir-basierte HIV-Therapien für alle, auch für Frauen im gebärfähigen Alter und Schwangere. Die Patientinnen müssten jedoch über das mögliche Risiko unterrichtet werden, um eine informierte Entscheidung treffen zu können. Die WHO will das Auftreten von Neuralrohrdefekten unter Dolutegravir-Therapie weiterhin beobachten.

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