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Reisethrombose
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Wer braucht welche Prophylaxe?

Der verlangsamte Blutfluss beim Sitzen kann auf langen Reisen eine Thrombose verursachen. Je nach individuellem Risiko sind prophylaktische Maßnahmen angebracht. Gerinnungshemmer sind aber nur für Reisende mit hohem Thromboserisiko zu empfehlen.
AutorKontaktBrigitte M. Gensthaler
Datum 01.03.2022  18:00 Uhr

DOAK im Off-Label-Einsatz

Menschen mit hochgradigem Thromboserisiko, zum Beispiel mit Tumoren oder VTE in der Vorgeschichte, sollten zusätzlich eine medikamentöse Thromboseprophylaxe bekommen. Auch ein Gipsverband oder eine kurz zurückliegende große Operation können die Gefahr deutlich erhöhen. Acetylsalicylsäure sei hier nicht geeignet, da die Wirkung des Thrombozytenaggregationshemmers im venösen System nicht ausreicht, erklärte Ringwald.

Zur Prophylaxe wurden früher überwiegend niedermolekulare Heparine subkutan gespritzt. Seit einigen Jahren werden vermehrt DOAK (direkte orale Antikoagulanzien) eingesetzt. Zu den DOAK gehören Dabigatran, Rivaroxaban, Apixaban und Edoxaban. »Aber es gibt keine Zulassungsstudien für diese Indikation; das ist ein Off-Label-Use«, betonte Ringwald. Die einfache perorale Applikation dürfe keinesfalls dazu führen, dass Personen ohne wirkliches thrombophiles Risiko vor einer längeren Reise prophylaktisch einen DOAK schlucken. Die Gerinnungshemmung sei immer mit einem erhöhten Blutungsrisiko vergesellschaftet.

»Im Allgemeinen sind Reisen unter DOAK einfacher als unter Vitamin-K-Antagonisten«, so der Reisemediziner. Die Umstellung eines Patienten vor einer Reise von einem Vitamin-K-Antagonisten auf ein DOAK sei kompliziert. »Im Einzelfall kann dies sinnvoll sein, aber hierfür gibt es keine Evidenz.«

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