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Apothekertricks

Wenn Tabletten nicht rutschen wollen

Auch gesunde Menschen tun sich mitunter schwer, feste Arzneiformen zu schlucken. Apotheker kennen Tricks, wie es besser klappt.
Brigitte M. Gensthaler
16.04.2019
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Oft haben junge Menschen sogar mehr Probleme beim Tablettenschlucken als ältere, da sie daran nicht gewöhnt sind. Doch was machen Patienten, wenn sie orale Arzneiformen nicht runterkriegen? Sie trinken mehr Wasser dazu, zerkleinern oder öffnen Kapseln, ändern die Kopfhaltung, mischen das Medikament in Joghurt, Pudding oder Kartoffelbrei – oder nehmen es einfach nicht ein. Abgesehen von der letztgenannten Variante: Vieles ist möglich und erlaubt. »Fragen Sie die Patienten, ob und wie die Einnahme großer Arzneiformen klappt, und beraten Sie sie zu Einnahmetechniken und -hilfen«, empfahl Professor Dr. Werner Weitschies vom Institut für Pharmazie der Uni Greifswald beim Fortbildungskongress des Sächsischen Apothekertags in Chemnitz.

Der Technologe nannte zwei Techniken, die die Einnahme von Tabletten und Kapseln erleichtern und für Menschen ohne Schluckstörung (Dysphagie) empfehlenswert sind. Bei der Tabletten-Flaschen-Methode (Pop-Bottle) füllt man eine elastische Kunststoffflasche mit Wasser, legt die Tablette auf die Zunge und setzt die Flasche so an den Mund, dass die Lippen die Flaschenöffnung fest umschließen. Dann trinkt man mithilfe von Saugbewegungen aus der Flasche und schluckt sofort die Tablette und das Wasser. Keine Luft einströmen lassen, die PET-Flasche muss sich beim Trinken zusammenziehen.

Für Kapseln eignet sich die Vorwärts-Neige-Technik. Dazu legt man die Kapsel auf die Zunge, nimmt einen mittelgroßen Schluck Wasser und behält dieses zunächst im Mund. Jetzt den Kopf nach vorne neigen und Kapsel und Wasser verschlucken (lesen Sie dazu auch Orale Arzneiformen: Patientenorientiert beraten, PZ-Titelbeitrag 37/2017).

Leichter geht die Tabletteneinnahme mitunter aus speziell geformten Bechern, mit angedickten Flüssigkeiten oder nach Befeuchten des Mundes mit künstlichem Speichel. Überzüge wie die Medcoat®-Schluckhilfe oder Gloup-Gel lassen das Medikament leichter rutschen.

Bei Patienten mit Dysphagie sollten Apotheker zudem an flüssige Arzneiformen wie Lösungen und Säfte, schnell zerfallende orale Formen wie orodispersible Tabletten, orale Lyophilisate und wirkstoffhaltige Filme denken.

Mörsern erlaubt?

Und das Mörsern von festen Arzneiformen? Dies ist nicht erlaubt, wenn dabei gefährliche Stäube entstehen, zum Beispiel bei Zytostatika, Methotrexat, Virustatika, Antibiotika, Retinoiden oder Finasterid. Falls dringend nötig, können Zerkleinerungshilfen die Staubentwicklung verhindern. Ebenso ist Mörsern verboten bei Arzneiformen mit modifizierter Freisetzung. »Jedes Zerkleinern zerstört das Retardierungsprinzip«, erklärte Weitschies. Davon zu unterscheiden sei das Teilen, bei dem die Retardierung längst nicht immer zerstört wird.

Damit Arzneiformen nicht in der Speiseröhre hängenbleiben, muss man sie mit viel Wasser einnehmen: mindestens 50 ml, besser 250 ml. Das Wasser in großen Schlucken schnell nachtrinken. Tabu ist die Einnahme fester Formen im Liegen.

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