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Lungenerkrankungen

Wenn sich Asthma und COPD überlappen

Einige Patienten mit Asthma oder chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) können im Verlauf Symptome beider Erkrankungen entwickeln. Es ist noch unklar, wie dann am besten therapiert wird.
Christiane Berg
18.11.2020  09:00 Uhr

Wenn sich Asthma und COPD überlappen, sprechen Mediziner von ACO (Asthma-COPD Overlap). Mit Blick auf das ACO-Syndrom besteht großer Forschungsbedarf, da ACO-Patienten nicht gut auf die jeweiligen Leitlinientherapien ansprechen und eine schlechte Prognose haben.

Aktuell existieren für Deutschland keine epidemiologischen Morbiditätskennzahlen. Erste grundlegende Erkenntnisse liefert die Studie »Überlappung von Asthma und COPD in der ambulanten Versorgung – Analyse vertragsärztlicher Abrechnungsdaten«, die das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) vergangene Woche veröffentlicht hat. Im Rahmen dieser Untersuchungen wurden in einem insgesamt 40,5 Millionen Versicherte umfassenden Patientenkollektiv (über 40 Jahre alt) 2017 bei 4,6 Millionen (11 Prozent) eine der beiden Atemwegserkrankungen diagnostiziert. Davon hatten 43 Prozent Asthma und 44 Prozent COPD. Die restlichen 607.900 Patienten (13 Prozent) wiesen Diagnosekriterien für beide Erkrankungen auf. Damit konnte fast jedem Achten der Patienten mit Asthma oder COPD eine überlappende Diagnose zugeordnet werden. Unter allen Patienten mit Asthma lag der Anteil der Patienten mit COPD bei 23,3 Prozent. Gleiches war auch umgekehrt der Fall (23,1 Prozent). Die Diagnoseprävalenz von ACO in der gesamten Studienpopulation betrug 1,5 Prozent.

Frauen, so die Autoren, zeigen mit 1,6 Prozent eine leicht höhere Überlappungstendenz als Männer (1,4 Prozent). Sowohl bei Frauen als auch bei Männern nahm die Zahl der sich überschneidenden Diagnosen von circa 0,4 Prozent bei den 40- bis 44-Jährigen auf 2,4 Prozent bei den 80- bis 84-Jährigen zu.

Asthma und COPD werden häufig verwechselt

Asthma und COPD zählen zu den chronischen Erkrankungen mit Atemwegsobstruktion, die aufgrund ihrer vermeintlich ähnlichen Symptomatik häufig verwechselt werden beziehungsweise schwierig voneinander zu unterscheiden sind. Es handelt sich jedoch um eigenständige Krankheitsbilder mit unterschiedlichen Ursachen und Krankheitszeichen.

Das Hauptsymptom bei Asthma ist akute Atemnot, das bei COPD Belastungsdyspnoe. Während der Krankheitsverlauf bei Asthmatikern überwiegend periodisch-variabel und hin und wieder auch spontan symptomfrei ist, erweist er sich bei COPD überwiegend progredient trotz Behandlung. In der Pathophysiologie von Asthma bronchiale spielen Erb- und Umweltfaktoren eine entscheidende Rolle. Die Entstehung von COPD hingegen wird vorrangig auf Nikotinkonsum und beruflich bedingte Schadstoffbelastungen zurückgeführt.

Die Autoren betonen, dass die Asthma-COPD-Überschneidungstendenz mit dem Alter und dem im Laufe des Lebens zunehmenden Risikopotenzial steigt. So begünstige zum Beispiel Rauchen bei bestehender Asthma-Erkrankung die ACO-Pathogenese. Es sei davon auszugehen, dass derzeit etwa 2 Prozent der Weltbevölkerung an einer Asthma-COPD-Überlappung leiden.

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