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Tinea capitis

Wenn Pilze die Kopfhaut besiedeln

Infektionen der Haut spielen in der Beratung eine wichtige Rolle. Eine aktualisierte Leitlinie gibt es für die Tinea capitis (»Kopfpilz«). Die hoch ansteckende Erkrankung wird durch verschiedene Dermatophyten-Arten hervorgerufen und häufig erst spät erkannt. Eine alleinige topische Therapie ist nicht ausreichend.
Maria Pues
12.12.2019
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Tinea-capitis-Infektionen stellen im Kindesalter die häufigste Dermatophytose dar. Am häufigsten treten sie bei Kindern zwischen drei und sieben Jahren auf. Bei Neugeborenen und Säuglingen beobachtet man die Infektion selten. Auch Jugendliche und Erwachsene erkrankten bisher nicht sehr häufig. Dies wird auf eine veränderte Zusammensetzung der Hautfette zurückgeführt, die sich hemmend auf das Pilzwachstum auswirken. Allerdings beobachtet man hier eine Zunahme der Erkrankungszahlen.

Tinea-capitis-Erreger können auf vielfältige Weise auf die Köpfe der Betroffenen gelangen. Eine Übertragung durch (Haus)tiere wie Katzen, Hunde, Pferde oder Kaninchen und über Gegenstände auf den Menschen ist dabei ebenso möglich wie von Mensch zu Mensch. Wichtig: Bei Tieren führt eine Infektion zumeist nicht zur Ausbildung von Symptomen, sodass man ihnen diese nicht ansieht. Neben der Therapie der Patienten spielen daher auch Vorkehrungen, die einer weiteren Verbreitung der hoch ansteckenden Erkrankung entgegenwirken, eine große Rolle.

Für die Therapie ist ein sicherer Erregernachweis zwingend erforderlich. Mitunter wird eine Tinea-capitis-Infektion jedoch erst spät diagnostiziert. Das kann vor allem zwei Gründe haben: Zum einen weisen zahlreiche andere Erkrankungen ein ähnliches Erscheinungsbild auf, etwa eine Psoriasis capitis, ein atopisches Ekzem oder eine Alopecia areata. Zum anderen kann sie je nach Erreger mit unterschiedlichen Krankheitszeichen einhergehen. Diese können von milden Symptomen ohne Entzündungszeichen über haarlose Bereiche und Schuppung der Haut bis hin zu stark entzündlichen Veränderungen der Kopfhaut mit nässenden Ekzemen reichen. Auch Allgemeinsymptome wie Fieber und Abgeschlagenheit können auftreten.

Ein Grund für die unterschiedliche Symtomatik liegt in der je nach Erreger unterschiedlichen Infektionsform. Dabei unterscheidet man Ektothrix-Infektionen, bei denen der Pilz vorwiegend in Form von durch Zerfall von Pilzhyphen entstandenen Arthrosporen an der Oberfläche des Haarschaftes haftet, von Endothrix-Infektionen. Bei dieser dringt der Erreger in den Haarschaft ein, ohne ihn zu zerstören.

Die Therapie muss stets systemisch und topisch erfolgen. Für die systemische Therapie bei Kindern zugelassen war das Antimykotikum Griseofulvin. Dieses ist in Deutschland jedoch nicht mehr im Handel und muss als Einzelimport nach §73, Absatz 3 Arzneimittelegsetz importiert werden. Im Rahmen eines individuellen Heilversuchs können Itraconazol, Fluconazol oder Terbinafin zum Einsatz kommen. Je nach Wirkstoff und Erreger kann die Therapiedauer mehrere Wochen und Monate betragen. Über den Abschluss entscheidet ein negativer Erregernachweis.

Zur unterstützenden topischen Therapie werden Shampoos oder Lösungen mit Selendisulfid, Ketoconazol oder Clotrimazol verwendet. Sie soll die Infektiosität der Sporen vermindern und das Risiko für eine weitere Verbreitung der Sporen reduzieren. Möglicherweise lässt sich mit ihnen auch die Dauer der systemischen Behandlung verkürzen. Bei Sporenträgern, die keine Krankheitszeichen zeigen, reicht mitunter eine alleinige topische Therapie.

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