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Magen-Darm-Tag 2020

Wenn das Schlucken Probleme macht

Wenn jemand kaum einen Bissen herunterbekommt, können dahinter verschiedenste Ursachen stecken – die muss ein Facharzt abklären, bevor die passende Therapie gestartet werden kann.
Christiane Berg
06.11.2020  13:00 Uhr

In Deutschland konsultieren nach Schätzungen der Deutschen Gastro-Liga jedes Jahr circa 80.000 bis 160.000 Menschen aufgrund plötzlicher oder bereits seit einiger Zeit bestehender Schluckstörungen einen Arzt. Zwar kann eine Dysphagie in jedem Alter auftreten. Allerdings sind ältere Menschen häufiger betroffen. Während bei den 30- bis 50-Jährigen nur etwa 1,6 bis 15 Prozent unter einer Dysphagie leiden, sind es bei den Über-65-Jährigen 13 bis 35 Prozent. Aufgrund des demografischen Wandels wird mit einer Zunahme von Schluckstörungen gerechnet.

»Der Schluckapparat altert genauso wie andere Körperorgane. Die Muskulatur kann allmählich schwächer werden», erklärt Professor Dr. Thomas Frieling aus Krefeld. »Zudem steigt im Alter das Risiko für Erkrankungen, die sich negativ auf die Schluckfähigkeit auswirken können«, betont der Gastronterologe in einer Mitteilung der Gastro-Liga anlässlich des morgigen Magen-Darm-Tages, in dessen Fokus in diesem Jahr das Thema »Schluckstörungen und Sodbrennen« steht.

»Dysphagie und Sodbrennen können sehr unterschiedliche Ursachen haben und machen stets eine umgehende ärztliche Abklärung erforderlich«, so Frieling mit Verweis unter anderem auf (Krebs)Erkrankungen der Mundhöhle, des Rachens und der Speiseröhre, aber auch auf neurologische Leiden wie Morbus Parkinson oder Multiple Sklerose, die einer Dysphagie zugrunde liegen können.

»In manchen Fällen kann ein Reflux Schluckbeschwerden verursachen. Die aggressive Magensäure greift dabei die Schleimhaut der Speiseröhre an. Es kann zu Entzündungen kommen, die allerdings oftmals auch unentdeckt bleiben«, unterstreicht Professor Ahmed Madisch, Hannover. »Beim sogenannten stillen Reflux gibt es lediglich Warnhinweise, zu denen neben Schluckbeschwerden auch Heiserkeit, Halsschmerzen oder Husten zählen. Diese Hinweise sollten keinesfalls unbeachtet bleiben. Im Gegenteil: Sie bedürfen gleichermaßen der ärztlichen Abklärung«, warnt Madisch, der Vorstandsmitglied der Gastro-Liga ist.

Die Gastro-Liga empfiehlt, bei sogenannten Einschluckstörungen, das heißt bei Schwierigkeiten des Transports von Speisen aus der Mundhöhle in die Speiseröhre und den Magen, zunächst einen HNO-Arzt aufzusuchen. Bleibt die Nahrung hingegen hinter dem Brustbein »stecken«, so werde der Hausarzt primär eine Überweisung zum Gastroenterologen ausstellen.

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