Pharmazeutische Zeitung online
Metaanalyse

Weniger Krebsvorstufen dank HPV-Impfung

Die Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) tut, was sie soll: Sie senkt signifikant die Häufigkeit von Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses. Dieses Ergebnis einer großen Metaanalyse sollte der in Deutschland nach wie vor zurückhaltend angenommenen Impfung zu einem besseren Image verhelfen.
Annette Mende
02.07.2019
Datenschutz bei der PZ

Infektionen mit den HPV-Typen 16 oder 18 sind mit einem stark erhöhten Risiko für Gebärmutterhalskrebs assoziiert. Die HPV-Impfung wurde entwickelt, um diese Infektionen zu verhindern und damit das Krebsrisiko zu senken. Es sind verschiedene Impfstoffe auf dem Markt, die alle vor Infektionen mit HPV 16 und 18 schützen; einige enthalten zusätzlich noch Antigene gegen weitere HPV-Typen, die Genitalwarzen verursachen können.

Da die Krebsentstehung ein langwieriger Prozess ist, konnte die angestrebte Schutzwirkung in den Zulassungsstudien noch nicht gezeigt werden. Heute, knapp zwölf Jahre nach der Markteinführung des ersten Impfstoffs, gibt es entsprechende Daten aus mehreren Ländern. Eine Autorengruppe um Dr. Mélanie Drolet von der Université Laval im kanadischen Québec hat sie jetzt im Rahmen einer Metaanalyse im Fachjournal »The Lancet« ausgewertet.

Die Autoren berücksichtigten 65 Publikationen aus 14 Industrienationen. Insgesamt umfasst der Datensatz 60 Millionen Personen und einen Beobachtungszeitraum von acht Jahren. Erfasst wurden unter anderem die Infektionsraten mit HPV 16 und 18, die Häufigkeit von Genitalwarzen sowie histologisch bestätigte zervikale intraepitheliale Neoplasien (CIN2+). Dabei handelt es sich um Präkanzerosen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in Gebärmutterhalskrebs übergehen.

Alle drei Parameter sanken nach der Einführung der HPV-Impfung signifikant. So ging die Infektionsrate bei Mädchen und jungen Frauen abhängig vom Alter um 66 bis 83 Prozent zurück und die Häufigkeit von Genitalwarzen um 31 bis 67 Prozent. Bei Jungen und jungen Männern wurden Genitalwarzen ebenfalls seltener, und zwar um 32 bis 48 Prozent. Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses wurden in den Jahren nach der Einführung der Impfung bei 15- bis 19-jährigen Mädchen nur noch halb so oft gefunden wie vor der Verfügbarkeit des Impfstoffs (Rückgang um 51 Prozent). Bei Frauen im Alter zwischen 20 und 24 Jahren konnte immerhin einer von drei Fällen vermieden werden (Rückgang um 31 Prozent).

Wenig überraschend zeigt die Analyse auch, dass die Effekte umso schneller eintreten und umso stärker ausgeprägt sind, je mehr junge Menschen sich impfen lassen können und je höher die Durchimpfungsraten sind. Bei starken Einschränkungen der Impfempfehlung hinsichtlich Alter und Geschlecht oder niedriger Durchimpfungsrate war kein Rückgang der CIN2+ zu verzeichnen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) lag daher offenbar richtig, die zunächst auf 9- bis 14-jährige Mädchen beschränkte Impfempfehlung nach und nach auf ältere Mädchen und auf Jungen auszuweiten. Bei der Impfquote von derzeit 44,6 Prozent ist in Deutschland aber definitiv Luft nach oben.

Mehr von Avoxa