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Insulin degludec

Weniger Hypoglykämien

Unterzuckerungen kommen bei Insulin-spritzenden Diabetikern häufig vor. Das lange und gleichmäßig wirksame Insulin degludec kann das Risiko von Hypoglykämien reduzieren.
Brigitte M. Gensthaler
12.08.2019
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Wenn Diabetes-Patienten ihren Blutzucker mit Insulin möglichst normnah einstellen, sind Unterzuckerungen – tagsüber und nachts – eine häufige Nebenwirkung. »Hypoglykämien sind eine wesentliche Barriere für das Erreichen normnaher Blutzuckerwerte, da viele Patienten aus Angst davor weniger Insulin spritzen und die Ärzte sie weniger scharf einstellen«, berichtete der Diabetologe Dr. Andreas Liebl von der Fachklinik Bad Heilbrunn bei einem von Novo Nordisc unterstützten Pressegespräch in München. Zudem bestehe eine klare Assoziation von schweren Hypoglykämien, die definitionsgemäß Fremdhilfe erfordern, mit schweren unerwünschten kardiovaskulären Ereignissen (MACE) und der Gesamtmortalität, so der Arzt.

Für Patienten, die zu Hypoglykämien neigen oder große Angst davor haben oder deren Blutzucker-Nüchternwerte stark schwanken, ist Insulin degludec aus Liebls Sicht gut geeignet. In Studien war die Rate an schweren, auch nächtlichen Hypoglykämien bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und kardiovaskulärer Vorerkrankung unter Insulin degludec signifikant geringer als mit dem Depot-Insulin glargin (U-100) – bei vergleichbarer Blutzuckerkontrolle. Jedoch sah der Gemeinsame Bundesausschuss keinen Zusatznutzen von Tresiba®, was im September 2015 zur Marktrücknahme durch den Hersteller führte. Seit einem halben Jahr ist es wieder auf dem deutschen Markt verfügbar.

Gleichmäßige Blutzuckersenkung

Liebl wies auf die gleichmäßige blutzuckersenkende Wirkung von Insulin degludec hin, die auf dessen Galenik beruht. Die Variabilität der Blutzuckersenkung im Steady-State war bei Typ-1-Diabetes-Patienten vierfach geringer als bei Insulin glargin U-100. Dies könne vorteilhaft sein, denn eine hohe Variabilität der Nüchternglucose sei assoziiert mit einem höheren Risiko für schwere Hypoglykämien, MACE und der Mortalität jeglicher Art, sagte der Arzt. »Während die Nüchternglucose an sich keinen nachgewiesenen prognostischen Wert hat, sind deren Schwankungen sehr relevant für unerwünschte Ereignisse.«

Dass Insulin degludec auch gegenüber dem höher konzentrierten Insulin glargin U-300 punkten kann, berichtete Dr. Marcel Kaiser, niedergelassener Diabetologe in Frankfurt am Main. Gemäß der noch unveröffentlichten 36-wöchigen CONCLUDE-Studie habe es bei Typ-2-Diabetikern unter Insulin degludec weniger bestätigte schwere Hypoglykämien gegeben. Insgesamt war der Unterschied nicht signifikant. Eine signifikante Reduktion wurde laut Kaiser aber bei den nächtlichen Ereignissen erzielt.

Laut Fachinformation liegt die Wirkdauer von Insulin degludec über 42 Stunden hinaus im therapeutischen Bereich. Das gibt den Patienten viel Freiheit: Sie können ihr Insulin einmal täglich unabhängig von der Tageszeit spritzen, ohne dass dies die Blutzuckerkontrolle beeinträchtigt. Das ist günstig für vergessliche Menschen, aber auch Berufstätige, zum Beispiel Schichtarbeiter.

 

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