| Brigitte M. Gensthaler |
| 25.03.2026 14:00 Uhr |
Bei chronischen Schmerzen hilft eine multimodale Therapie oft besser als nur Analgetika. / © Adobe Stock/sebra
»In den letzten 20 Jahren hat man erkannt, dass die unimodale Schmerztherapie, also nur mit Analgetika, oft nicht ausreicht zur Schmerzlinderung und zur Verhinderung einer Chronifizierung«, berichtete Privatdozentin Dr. Barbara Kleinmann, Universitätsklinikum Freiburg, kürzlich beim Schwarzwälder Frühjahrskongress der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg.
Aus der Erkenntnis, dass die Schmerzempfindung und -verarbeitung von vielen Faktoren abhängt, entstand das biopsychosoziale Schmerzmodell, das die Therapie prägt. Nicht nur bei akutem, sondern vor allem bei chronischem Schmerz werde ein interprofessioneller multimodaler Ansatz bevorzugt, erklärte die Oberärztin am Interdisziplinären Schmerzzentrum.
»Heute wird chronischer Schmerz als eigenständige Erkrankung angesehen, die eine spezifische Therapie erfordert.« Als Konsequenz hätten die Schmerzgesellschaften interprofessionelle multimodale Konzepte entwickelt, die viele biopsychosoziale Faktoren berücksichtigen. Die aufeinander abgestimmte umfassende Behandlung beinhalte verschiedene somatische, körperlich und psychologisch übende sowie psychotherapeutische Verfahren, die alle dem vereinbarten Therapieziel dienen.
Indiziert sei diese Therapieform für Patienten, die seit mindestens drei bis sechs Monaten persistierende Schmerzen haben, die wiederum soziale, berufliche und andere wichtige Funktionsbereiche beeinträchtigen, erklärte Kleinmann. Zudem müssten psychische Faktoren vorliegen, die Schweregrad, Exazerbation und Aufrechterhaltung der Schmerzen beeinflussen.
»Ziel der multimodalen Therapie ist die Wiederherstellung der objektiven und subjektiven Funktionsfähigkeit«, betonte die Anästhesistin. Nötig sei ein intensives Programm unter ärztlicher Leitung mit Einzel- und Gruppentherapien. Es umfasse Edukation, pharmakologisch- und physikalisch-analgetische Behandlung, Entspannungsübungen, Verhaltenstherapie und Sozialberatung.
Als mögliche Indikationen nannte sie längere Arbeitsunfähigkeit oder Probleme am Arbeitsplatz, fehlgeschlagene andere Therapien, Ärzte-Hopping, schmerzbedingte seelische Veränderungen oder sozialer Rückzug. Komorbiditäten wie Depression oder Angst müssten zusätzlich erkannt und behandelt werden. Auch für die interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie gelte der Grundsatz: »Die Dosis macht den Unterschied.« Daher werde heute eine drei- bis fünfwöchige teilstationäre Behandlung empfohlen.
Die Patienten müssten gut ausgewählt werden für eine multimodale Schmerztherapie, betonte Kleinmann. Denn es gebe auch Ausschlusskriterien: bestehende Suchtproblematik, schwere Psychopathologie, zum Beispiel schwere Depression mit Suizidalität, unzureichende körperliche Belastbarkeit (wenn keine Aktivierung möglich ist) oder unzureichende sprachliche oder intellektuelle Fähigkeiten.
Nicht indiziert sei die Therapieform auch, wenn die chronischen Schmerzen einen latenten oder manifesten sekundären Krankheitsgewinn böten, zum Beispiel als Argument in einem laufenden Rentenbegehren oder Rechtsverfahren dienen. »Dann können wir nicht erfolgreich sein.«