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Erkältungszeit
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Welcher Erreger hat mich erwischt?

Halsweh, Schnupfen, vielleicht Fieber: Seit der Pandemie wollen viele genau wissen, welches Virus dahinter steckt. Die Vor- und Nachteile des Testens aus Virologen-Sicht.
AutorKontaktdpa
AutorKontaktPZ
Datum 23.09.2026  13:00 Uhr

Erkältung ist nicht gleich Erkältung. Hinter Husten, Schnupfen, Heiserkeit können verschiedenste Erreger stecken. Welcher von ihnen uns plagt, ist nicht ganz einfach zu bestimmen. Insgesamt können mehr als 200 verschiedene Viren eine Erkältung verursachen. Die häufigsten Erreger sind Rhinoviren. «Sie kommen ganzjährig vor, aber erleben einen Höhepunkt im Herbst und Frühjahr», erklärt Virologin Professor Dr. Sandra Ciesek von der Universitätsmedizin Frankfurt gegenüber der Deutschen Presseagentur.

Außerdem kommen Adenoviren, das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) und seit 2020 auch SARS-CoV-2 oft vor. Im Winter spielen zudem Influenzaviren eine Rolle - sie lösen keine einfache Erkältung, sonderen die echte Grippe aus.

Für wenn kann ist ein Test sinnvoll?

«Für die meisten gesunden Menschen ist es im Alltag irrelevant zu wissen, mit welchem Virus sie sich infiziert haben», sagt Sandra Ciesek. Denn am Ende werden die Symptome behandelt. Es kann dennoch hilfreich sein, abzuschätzen, ob man sich mit den häufigen Rhinoviren angesteckt hat oder mit Viren, die auf die Lunge schlagen können.

«Die meisten Erkältungsviren bleiben im Nasen-Rachenraum und befallen die inneren Organe nicht», so Virologin Professor Dr. Ulrike Protzer von der Technischen Universität München und Helmholtz Munich. SARS-CoV-2 oder Influenza-Viren etwa können sich aber auf Herz oder Lunge ausbreiten. «Da sollte man vorsichtiger sein und wirklich Bettruhe halten.»

Aber auch für Menschen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf der Erkrankung könnte es interessant sein, mit was genau sie sich angesteckt haben. Dazu gehören sehr alte Menschen, Schwangere, chronisch Kranke oder immunsupprimierte Menschen. «Für die gibt es bei einigen Erregern spezifische Therapiemöglichkeiten», sagt Sandra Ciesek. Auch bei Covid-19 gibt es spezielle Medikamente. «Die wirken am besten, wenn man sie bei den ersten Symptomen nimmt.»

Kann man an den Symptomen erkennen, welches Virus man hat?

Von den Symptomen abzuleiten, mit welchem Erreger man sich infiziert hat, ist laut Ulrike Protzer schwer bis unmöglich. Viele der mehr als 200 Viren verursachen ähnliche Beschwerden: Halsschmerzen, Husten, Schnupfen, Fieber. «Es gibt aber ein paar typische Muster, die Hinweise liefern», so Sandra Ciesek:

  • Eine Influenza etwa beginne oft mit plötzlichem hohem Fieber, begleitet von starken Glieder- und Muskelschmerzen.
  • Rhinoviren hingegen sorgen eher für einen banalen Schnupfen und für Halsschmerzen.
  • «Bei älteren Menschen und Säuglingen sorgt RSV häufig für starke Atemwegsbeschwerden», so Ciesek.

Ärztinnen und Ärzte verlassen sich auf solche Hinweise nicht und nehmen bei starken Beschwerden eine genaue Diagnostik, etwa per PCR-Test, vor.

Was bringen Selbsttests, um dem Erreger zu identifizieren?

Selbsttests sind nicht besonders empfindlich. Besonders in den ersten Tagen einer Infektion, wenn es noch kaum Symptome gibt, man aber schon ansteckend wäre. Ein reiner Verdachtstest – etwa, wenn Freunde nach dem gemeinsamen Urlaub krank sind und man Ansteckung fürchtet – wäre dann wenig aussagekräftig. Denn erst nach ein paar Tagen setzt das Immunsystem ein und erste Symptome zeigen sich. «Wenn ein Test negativ ausfällt, können wir eine Infektion nicht sicher ausschließen», sagt auch Sandra Ciesek.

Hat man schon Symptome, können die Selbsttests laut Ulrike Protzer zumindest eine gute Orientierung bieten. Ciesek selbst benutze SARS-CoV-2- und Influenza-Kombitests. «Wenn die positiv ausfallen und man Symptome hat, ist man sehr wahrscheinlich ansteckend», sagt sie.

Was sind Warnzeichen, dass sich eine bakterielle Infektion dazu gesellt hat?

Die Mehrheit der Atemwegsinfekte ist virusbedingt. «Typischerweise kommt die bakterielle Infektion erst fünf bis sieben Tage später hinzu», so Protzer. Die beiden Infektionsarten auseinanderzuhalten sei manchmal gar nicht so leicht, sagt sie.

«Ein Warnzeichen für so eine Superinfektion kann ein zweigipfliger Verlauf der Krankheit sein», sagt Sandra Ciesek. Das heißt, die Erkältung wird erst mal besser, dann aber nochmal deutlich schlechter, etwa weil das Fieber erneut ansteigt. Mit dann auch insgesamt längerem Krankheitsverlauf.

Laut Sandra Ciesek können außerdem gut lokalisierbare Schmerzen, zum Beispiel einseitig im Ohr oder Gesicht, ein Hinweis auf eine bakterielle Infektion sein. Und nur dann, sagen beide Expertinnen, helfen Antibiotika. Gegen Viren richten Penicillin und Co. nichts aus – das ist immer noch nicht ausreichend bekannt in der Bevölkerung. «Ein Arzt kann durch einen relativ einfachen Bluttest oder durch die Untersuchung der Lunge abklären, ob eine bakterielle Infektion vorliegt», sagt Ulrike Protzer.

Vor welchen Viren kann man sich mit Impfungen schützen?

«Leider kann man sich nur gegen die wenigsten Erreger impfen lassen», sagt Sandra Ciesek. «Gegen die häufigste Art, die Rhinoviren gibt es keine Impfung.» Wohl aber sind Impfungen gegen Influenza, SARS-CoV-2 und RSV verfügbar. Sie schützen nicht vor Ansteckung, aber vor schweren Verläufen.

«Empfohlen werden sie für diejenigen, die alt sind oder Vorerkrankungen beziehungsweise ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben», sagt Ulrike Protzer. Denn ohne Impfung könnten diese Infekte auch zu Lungenentzündung und somit ins Krankenhaus führen. «Für junge, gesunde Menschen sind diese Impfungen nicht nötig», sagt Protzer weiter.

Ausnahmen sind diejenigen, die etwa im Gesundheitswesen oder in Seniorenwohnheimen oder mit viel Publikumsverkehr arbeiten. Gleiches gelte für Menschen, die ältere Angehörige zu Hause pflegen.

Wann ist der beste Zeitpunkt zum Impfen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt:

  • Die Impfung gegen das Coronavirus im September vornehmen.
  • Eine Influenza-Welle tritt oft um Weihnachten und dann nochmal um Karneval auf. Für die Impfung reicht daher Ende Oktober oder November.
  • Bei RSV ist Ende September oder Anfang Oktober der richtige Zeitpunkt für die Impfung.

«Aber nicht jede Erkältung lässt sich verhindern», sagt Sandra Ciesek abschließend. Wichtig sei, das Risiko für schwere Verläufe zu senken, zum Beispiel durch die Impfung oder durch gute Hygiene und das Abstandhalten bei Krankheit. 

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