Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Verhütung bei Jugendlichen
-
Welche Methoden empfehlenswert sind

Nach wie vor sind Pille und Kondom die am meisten genutzten Kontrazeptiva bei jungen Erwachsenen. Unzuverlässige oder aufwendige Methoden sind für sie ungeeignet.
AutorKontaktNicole Schuster
Datum 06.12.2022  18:00 Uhr

Im Notfall: Die Pille danach

Wenn das Verhütungsmittel versagt hat oder auch nur der Verdacht besteht, können junge Frauen die Pille danach rezeptfrei in der Apotheke kaufen. Laut der Jugendstudie greifen die 14- bis 25-Jährigen darauf nicht häufiger zurück als in den vergangenen Jahren. Allein die mehrmalige Nutzung stieg von 1 Prozent im Jahr 2001 auf 4 Prozent im Jahr 2019 an.

Eine Befruchtung kann im Zeitraum zwischen etwa fünf Tage vor und einen Tag nach dem Eisprung erfolgen. Der weibliche Zyklus ist aber gerade bei jungen Mädchen oft noch unregelmäßig und die meisten Frauen wissen nicht exakt, wann ihr Eisprung stattgefunden hat.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Pille danach eine Schwangerschaft verhindert, ist umso höher, je zeitnaher sie zum Geschlechtsverkehr genommen wird. Das Wirkfenster beträgt bis zu fünf Tage.

Die Wirkstoffe Ulipristalacetat und Levonorgestrel verzögern die Ovulation, indem sie den mittzyklischen Anstieg des luteinisierenden Hormons (LH-Peak) verschieben. Das Apothekenteam klärt über Nebenwirkungen wie Übelkeit und abdominale Beschwerden auf. Die Notfallkontrazeption stellt keinen Empfängnisschutz für den restlichen Zyklus dar. Die normale Pille soll zwar weitergenommen werden, muss aber für einen zuverlässigen Schutz durch zusätzliche Verhütungsmethoden wie ein Kondom ergänzt werden. Die Menstruation setzt im betroffenen Zyklus zum erwarteten Termin oder ein paar Tage später ein. Bei stärkeren Verschiebungen oder Auffälligkeiten ist ein Besuch beim Gynäkologen ratsam.

Verhütungsmethode Vorteile Nachteile
Pille • fast 100-prozentiger Schutz
• ab dem ersten Tag wirksam
• Blutungsstärke und -dauer nehmen meist ab
• Linderung von Menstruationsbeschwerden
• Hautbild kann sich verbessern
• gute Zykluskontrolle
• muss täglich eingenommen werden
• nicht nebenwirkungsfrei
Hormonring • geringere Hormondosis als bei der Pille
• Frau muss nicht täglich an Verhütung denken
• Verhütungssicherheit, wenn häufig Magen-Darm-Beschwerden auftreten
• kann Reizungen der Vagina und Ausfluss verursachen
• kann beim Sex gespürt und als störend empfunden werden
• kann bemerkt oder unbemerkt herausrutschen
Hormonpflaster • einfache Anwendung
• Frau muss nicht täglich an Verhütung denken
• Verhütungssicherheit, wenn häufig Magen-Darm-Beschwerden auftreten
• hohe Hormonspiegel möglich -> verstärkte Nebenwirkungen
• Pflaster ist sichtbar, kann sich lösen
• Hautirritationen möglich
Hormonspirale • sehr sicher, nicht spürbar
• keine Anwendungsfehler möglich
• abgeschwächte Blutungen beziehungsweise Ausbleiben der Menstruation
• nur geringe Wirkstoffmenge gelangt in die Blutbahn
• Frau muss nicht täglich an Verhütung denken
• Verhütungssicherheit, wenn häufig Magen-Darm-Beschwerden auftreten
• Gefahr von Eileiterentzündungen
• erhöhtes Risiko für Ausstoßen
• nicht geeignet für Frauen ­mit Gebärmutterveränderungen
Depot-Progesteron/sub­dermale Hormonimplantate • ähnlich wie bei anderen hormonellen Methoden • hohe Hormonspiegel mit verstärkten Nebenwirkungen
Kondom • schützt vor Geschlechtskrankheiten
• fast überall verfügbar, kostengünstig
• nur sicher bei korrekter Anwendung
• kann reißen
Barrieremethoden wie Scheidendiaphragma oder Portiokappe • kein Eingriff ins Hormonsystem der Frau • aufwendige Anwendung
• sollte gemeinsam mit einem Verhütungsgel angewandt werden
• muss richtig sitzen, um sicher zu sein
Kupferkette/Kupferspirale • sichere Langzeitverhütung
• natürlicher Zyklus bleibt erhalten
• keine hormonellen Nebenwirkungen
• Frau muss nicht täglich an Verhütung denken
• Verhütungssicherheit, wenn häufig Magen-Darm-Beschwerden auftreten
• kann die Monatsblutung und die Menstruationsschmerzen verstärken
• Gefahr des Ausstoßens aus Gebärmutter
• leicht erhöhtes Infektionsrisiko in Gebärmutter und Eileitern
• erhöhtes Risiko einer Eileiterschwangerschaft
Natürliche Verhütungsmethoden • hormonfrei
• ohne gesundheitliche Nebenwirkungen
• geringe/keine Kosten
• aufwendig
• setzen eine gute Körperwahrnehmung voraus
Verhütungsmethoden im Vergleich

Mehr von Avoxa