Im Jugendalter stellt sich erstmals die Frage nach einem geeigneten Verhütungsmittel. Pille und Kondom haben jeweils verschiedene Vor- und Nachteile in diesem Alter. / Foto: Getty Images/DoraZett
Die Skepsis gegenüber hormonellen Verhütungsmitteln nimmt zu. Das ist ein Ergebnis der neunten Welle der Jugendsexualitätsstudie (2019/2020) der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (DOI: 10.1007/s00103-021-03426-6). Auch eine Analyse der AOK von eigenen Versichertendaten zeigt, dass die Antibabypille Mädchen und jungen Frauen seltener verschrieben wird.
Wenn von der Pille die Rede ist, geht es meistens um niedrig dosierte Estrogen-Gestagen-Kombinationspräparate (kombinierte hormonale Kontrazeptiva, KHK). Am häufigsten werden Einphasenpräparate verordnet. Die 21 Tabletten eines Einnahmezyklus enthalten dieselbe Estrogen-Gestagen-Kombination. Die Hormone hemmen die Reifung von Eizellen im Eierstock und verdicken den Schleim am Muttermund. Das verhindert, dass Spermien in die Gebärmutter eindringen. Reine Gestagen-Produkte, die sogenannten Minipillen, sind frei von Estrogen. Sie werden durchgängig, also ohne eine siebentägige Pause, eingenommen und sind eine Option für Frauen, für die estrogenhaltige Präparate kontraindiziert sind.
Die Pille kann Regelbeschwerden abschwächen und je nach enthaltenem Gestagen auch Akne bessern. Sie beeinträchtigt weder Wachstum noch körperliche Reifung. Ein Mindestalter gibt es nicht. Der Frauenarzt entscheidet, ob das Mädchen biologisch und psychisch reif genug für die Anwendung ist. Bei jungen Frauen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren kann er auf der Einwilligung der Eltern bestehen.
In den vergangenen Jahren sind Risiken und Nebenwirkungen von KHK verstärkt in den Fokus geraten. Hormonelle Kontrazeptiva können unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Gewichtszunahme, Zwischenblutungen, Migräne, Spannungsgefühl in den Brüsten sowie Veränderungen der Stimmung und Libido auslösen. Das Risiko für venöse Thromboembolien (VTE) steigt, wenn Frauen Präparate mit Gestagenen der dritten und vierten Generation anwenden. Gerade diese Gestagene bewirken jedoch das reine Hautbild, das die Pille teilweise zu einem sogenannten Lifestyle-Medikament gemacht hat.
Levonorgestrel, Norethisteron oder Norgestimat besitzen das geringste Risiko für VTE. Das VTE-Risiko ist besonders relevant für Patientinnen, die weitere Risikofaktoren wie eine familiäre Veranlagung, Rauchen oder Übergewicht aufweisen. Antibabypillen mit geringer Estrogendosis, also weniger als 30 µg Ethinylestradiol, haben ein niedrigeres Risiko.
2018 sorgte eine dänische Studie für Aufregung, der zufolge die Prävalenz von Depressionen, Suizidversuchen und Suiziden bei weiblichen Jugendlichen, die orale Kontrazeptiva einnehmen, erhöht ist (»The American Journal of Psychiatry«, DOI: 10.1176/appi.ajp.2017.17060616). Bei der Studie wurden methodische Schwächen kritisiert. Dennoch wurde später auf Empfehlung des Pharmakovigilanzausschusses der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) ein entsprechender Warnhinweis in die Fach- und Gebrauchsinformation von Antibabypillen aufgenommen.
Bei einem kleinen Teil der Frauen kommt es nach Absetzen der oralen KHK zu einer längeren Phase der Amenorrhö. Das kann Sorgen bereiten, wenn ein späterer Kinderwunsch besteht. Berichte, dass die Pille den Vitamin- und Mineralstoffhaushalt durcheinanderbringt, können junge Frauen ebenfalls verunsichern. Nutzen und Risiken kann der Arzt zusammen mit der Patientin regelmäßig überprüfen.
Wenn es um die Sicherheit der Verhütung geht, ist die Pille jedoch mit einem Pearl-Index von 0,1 bis 0,9 nahezu unschlagbar. Bei der Abgabe ist der Hinweis wichtig, dass sie gewissenhaft eingenommen werden muss. Das gilt insbesondere für die Minipillen, die Frauen täglich um dieselbe Uhrzeit schlucken müssen. Eine maximale Verzögerung von drei Stunden darf nicht überschritten werden.
Durchfall und Erbrechen können die Wirksamkeit aller Pillen-Präparate vermindern. Potenzielle Wechselwirkungen unter anderem mit Johanniskraut, einigen Antibiotika und Antiepileptika sind zu beachten. Bis zum vollendeten 22. Lebensjahr erstatten die Krankenkassen die Kosten.
Weitere hormonelle Verhütungsmittel, die junge Frauen grundsätzlich anwenden können, sind Vaginalring, Hormonpflaster und Hormonspirale. Sie weisen alle einen niedrigen Pearl-Index auf und sind daher bei korrekter Anwendung sehr sicher. Bei unter 18-Jährigen muss der Arzt entscheiden, ob eine dieser Optionen für die Patientin geeignet ist. Depot-Progesteron als Drei-Monats-Spritze und subdermale Hormonimplantate sind für junge Frauen nicht geeignet. Sie werden eher Frauen mit abgeschlossener Familienplanung empfohlen.
Kondome sind laut Jugendsexualitätsstudie das am häufigsten verwendete Verhütungsmittel bei jungen Menschen. Ihr Pearl-Index bewegt sich zwischen 2 und 12. Sie sind nur sicher, wenn sie richtig benutzt werden. Bei Jugendlichen sind jedoch Fehlanwendungen häufig.
Zu den Vorteilen gehört, dass Kondome vor sexuell übertragbaren Infektionen schützen und barrierefrei, schnell und ohne ärztliches Rezept erhältlich sind. Ein verlässlich funktionierendes Kondom trägt ein CE-Kennzeichen und ein Haltbarkeitsdatum, nach dessen Ablauf es nicht mehr verwendet werden sollte. Zu hohe Temperaturen können das Material ebenso wie Licht porös machen. Öl- oder fetthaltige Substanzen aus Gleitgelen können Kondome aus Latex durchlässiger machen.
Barrieremethoden (mechanische Kontrazeption) wie Scheidendiaphragma, Portiokappe oder Femidom (Kondom für die Frau) sind ebenfalls hormonfrei, aber aufwendig in der Anwendung. Sie sollten zusammen mit einem Spermizid (chemische Kontrazeption) angewendet werden.
Für Jugendliche sind sie wegen der umständlichen Handhabung eher nicht Mittel der ersten Wahl. Eine Langzeitverhütungsmethode ohne Hormone bieten Kupferketten und Kupferspiralen, die es mittlerweile auch als Sondermodelle für junge Mädchen gibt. Der Frauenarzt setzt sie unter Narkose ein. Ein Mindestalter gibt es nicht.
Natürliche Methoden der Kontrazeption mögen für junge Menschen, die auf einen nachhaltigen Lebensstil wertlegen, interessant sein. Dabei unterscheidet die Frau ihre fruchtbaren und unfruchtbaren Tage, indem sie täglich ihre Temperatur misst oder die Konsistenz des Gebärmutterhalsschleims bestimmt. Das ist allerdings aufwendig und setzt ein gutes Körpergefühl voraus. Für Heranwachsende ist das in der Regel keine gute Methode.
Wenn das Verhütungsmittel versagt hat oder auch nur der Verdacht besteht, können junge Frauen die Pille danach rezeptfrei in der Apotheke kaufen. Laut der Jugendstudie greifen die 14- bis 25-Jährigen darauf nicht häufiger zurück als in den vergangenen Jahren. Allein die mehrmalige Nutzung stieg von 1 Prozent im Jahr 2001 auf 4 Prozent im Jahr 2019 an.
Eine Befruchtung kann im Zeitraum zwischen etwa fünf Tage vor und einen Tag nach dem Eisprung erfolgen. Der weibliche Zyklus ist aber gerade bei jungen Mädchen oft noch unregelmäßig und die meisten Frauen wissen nicht exakt, wann ihr Eisprung stattgefunden hat.
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Pille danach eine Schwangerschaft verhindert, ist umso höher, je zeitnaher sie zum Geschlechtsverkehr genommen wird. Das Wirkfenster beträgt bis zu fünf Tage.
Die Wirkstoffe Ulipristalacetat und Levonorgestrel verzögern die Ovulation, indem sie den mittzyklischen Anstieg des luteinisierenden Hormons (LH-Peak) verschieben. Das Apothekenteam klärt über Nebenwirkungen wie Übelkeit und abdominale Beschwerden auf. Die Notfallkontrazeption stellt keinen Empfängnisschutz für den restlichen Zyklus dar. Die normale Pille soll zwar weitergenommen werden, muss aber für einen zuverlässigen Schutz durch zusätzliche Verhütungsmethoden wie ein Kondom ergänzt werden. Die Menstruation setzt im betroffenen Zyklus zum erwarteten Termin oder ein paar Tage später ein. Bei stärkeren Verschiebungen oder Auffälligkeiten ist ein Besuch beim Gynäkologen ratsam.
| Verhütungsmethode | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Pille | • fast 100-prozentiger Schutz• ab dem ersten Tag wirksam• Blutungsstärke und -dauer nehmen meist ab• Linderung von Menstruationsbeschwerden• Hautbild kann sich verbessern• gute Zykluskontrolle | • muss täglich eingenommen werden• nicht nebenwirkungsfrei |
| Hormonring | • geringere Hormondosis als bei der Pille• Frau muss nicht täglich an Verhütung denken• Verhütungssicherheit, wenn häufig Magen-Darm-Beschwerden auftreten | • kann Reizungen der Vagina und Ausfluss verursachen• kann beim Sex gespürt und als störend empfunden werden• kann bemerkt oder unbemerkt herausrutschen |
| Hormonpflaster | • einfache Anwendung• Frau muss nicht täglich an Verhütung denken• Verhütungssicherheit, wenn häufig Magen-Darm-Beschwerden auftreten | • hohe Hormonspiegel möglich -> verstärkte Nebenwirkungen• Pflaster ist sichtbar, kann sich lösen• Hautirritationen möglich |
| Hormonspirale | • sehr sicher, nicht spürbar• keine Anwendungsfehler möglich• abgeschwächte Blutungen beziehungsweise Ausbleiben der Menstruation• nur geringe Wirkstoffmenge gelangt in die Blutbahn• Frau muss nicht täglich an Verhütung denken• Verhütungssicherheit, wenn häufig Magen-Darm-Beschwerden auftreten | • Gefahr von Eileiterentzündungen• erhöhtes Risiko für Ausstoßen• nicht geeignet für Frauen mit Gebärmutterveränderungen |
| Depot-Progesteron/subdermale Hormonimplantate | • ähnlich wie bei anderen hormonellen Methoden | • hohe Hormonspiegel mit verstärkten Nebenwirkungen |
| Kondom | • schützt vor Geschlechtskrankheiten• fast überall verfügbar, kostengünstig | • nur sicher bei korrekter Anwendung• kann reißen |
| Barrieremethoden wie Scheidendiaphragma oder Portiokappe | • kein Eingriff ins Hormonsystem der Frau | • aufwendige Anwendung• sollte gemeinsam mit einem Verhütungsgel angewandt werden• muss richtig sitzen, um sicher zu sein |
| Kupferkette/Kupferspirale | • sichere Langzeitverhütung• natürlicher Zyklus bleibt erhalten• keine hormonellen Nebenwirkungen• Frau muss nicht täglich an Verhütung denken• Verhütungssicherheit, wenn häufig Magen-Darm-Beschwerden auftreten | • kann die Monatsblutung und die Menstruationsschmerzen verstärken• Gefahr des Ausstoßens aus Gebärmutter• leicht erhöhtes Infektionsrisiko in Gebärmutter und Eileitern• erhöhtes Risiko einer Eileiterschwangerschaft |
| Natürliche Verhütungsmethoden | • hormonfrei• ohne gesundheitliche Nebenwirkungen• geringe/keine Kosten | • aufwendig• setzen eine gute Körperwahrnehmung voraus |