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Aktuelle Zahlen

Weiterer Syphilis-Anstieg bei Männern

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat die neuesten Zahlen zu Syphilis in Deutschland veröffentlicht. Die Zahl der gemeldeten Fälle stieg im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 Prozent. Vor allem Männer, die Sex mit Männern haben, sind betroffen.
Daniela Hüttemann
16.11.2018
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Im Jahr 2017 wurden dem RKI insgesamt 7.476 Syphilis-Fälle gemeldet. Die Inzidenz lag damit bei 9,1 Fällen pro 100.000 Einwohnern. »Damit setzt sich der seit 2010 beobachtbare Anstieg der Fallzahlen weiter fort, wenn auch nicht in gleichem Umfang wie in den Vorjahren«, heißt es im aktuellen »Epidemiologischen Bulletin«. In 6,4 Prozent der Fälle waren die Patienten weiblich. In drei Fällen kam es zu einer konnatalen Übertragung von Syphilis von der Mutter auf das Neugeborene während der Geburt.

Betroffen sind vor allem Männer, die Sex mit Männern haben (MSM). »Bei Mel­dun­gen mit Angaben zum Infektions­risiko betrug der Anteil der Fälle, die ver­mut­lich über sexuelle Kontakte zwischen Männern übertragen wurden, 83,5 Prozent«, meldet das RKI. Fast die Hälfte von ihnen (47,6 Prozent) ist auch mit HIV infiziert. Der Anteil der heterosexuellen Übertragungen lag bei 12 Prozent. Von diesen Infizierten hatten 5,9 Prozent Kontakt mit Sexarbeitern.

Bei den Infektionszahlen lassen sich große Unterschiede zwischen den Bundesländern feststellen. So treten die meisten Syphilis-Meldungen in Großstädten auf. Die bei weitem höchsten Inzidenzen wurden in Berlin und Hamburg gemessen; am niedrigsten lagen sie in Brandenburg, Schleswig-Holstein und Thüringen.

Zur Behandlung und Resistenzlage des Erregers macht der Bericht keine Angaben, gibt aber Empfehlungen, zum Beispiel ausreichend geeignete Test- und Behandlungsmöglichkeiten zu schaffen und die betroffenen Personen und für die Notwendigkeit eines Tests zu sensibilisieren, um die Infektion möglichst früh diagnostizieren und behandeln zu können.

Das RKI erwartet einen Anstieg der Syphilis-Zahlen bei HIV-negativen MSM mit höherer Partnerzahl durch den Zugang zur HIV-Präexpositions-Prophylaxe (PrEP), die zwar vor HIV, nicht aber vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) schützt. Sie soll ab 2019 zur Kassenleistung werden. »Hier wird es darauf ankommen, ein ausreichend häufiges Screening auf Syphilis und andere wichtige STI zu etablieren, um erworbene STI möglichst schnell zu diagnostizieren und zu therapieren«, so die Einschätzung der Epidemiologen. Die aktuellen Leitlinien zur PrEP sehen eine Aufklärung und Syphilis-Testung für PrEP-Nutzer vor Beginn der PrEP sowie danach in einem Abstand von drei Monaten vor.

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