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Erektionsstörungen

Wechselwirkungen von PDE-5-Hemmern und Nitraten untersucht

Die gleichzeitige Einnahme von oralen organischen Nitraten und Phosphodiesterase-5-Hemmern (PDE-5-Hemmer) ist kontraindiziert. Einer epidemiologischen Überprüfung im Rahmen einer landesweiten dänischen Studie zwischen 2000 und 2018 hält diese harte Einstufung jedoch nicht Stand. Dennoch zögern die Studienautoren mit einer Entwarnung.
Theo Dingermann
21.04.2022  13:30 Uhr
Wechselwirkungen von PDE-5-Hemmern und Nitraten untersucht

Die Kombination oraler Nitrate mit PDE-5-Hemmern gilt aufgrund der synergistischen Wirkungen der beiden Wirkstoffe auf den Blutdruck als kontraindiziert. Zwar werden die Wirkungen von Nitraten und PDE-5-Hemmern über unterschiedliche molekulare Mechanismen vermittelt. Aber das Resultat der Einnahme beider Wirkstoffe ist eine Steigerung der Konzentration von zyklischem Guanosinmonophosphat (cGMP), wodurch die glatten Muskelzellen in den Blutgefäßen entspannt und damit zum einen eine Angina pectoris, zum anderen eine erektile Dysfunktion gelindert werden.

Diese synergistischen Wirkmechanismen bergen die Gefahr, dass es bei gleichzeitiger Einnahme zu einem lebensgefährlichen Blutdruckabfall mit dem Risiko für vaskulär-ischämische Ereignisse, einschließlich Herzinfarkt und Schlaganfall kommen kann. Aus diesem Grund wird in den Produktinformationen ausdrücklich von einer gleichzeitigen Einnahme von Nitraten und PDE-5-Hemmern wie Sildenafil (Viagra® und Generika), Tadalafil (Cialis® und andere) und Vardenafil (Levitra® und andere) abgeraten.

In diesem Zusammenhang sind die Autoren einer landesweiten dänischen Studie, die im Fachjournal »Annals of Internal Medicine« publiziert wurde, zwei Fragen nachgegangen: ob die gleichzeitige Einnahme eines Nitrats mit einem PDE-5-Hemmer tatsächlich mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse einhergeht und wie sich im Zeitraum zwischen 2000 und 2018 das Verschreibungsverhalten dieser Wirkstoffkombination verändert hat.

Keine Warnsignale für kardiovaskuläre Komplikationen

Eingeschlossen in die Studie waren alle männlichen Patienten in Dänemark im Alter von 30 bis 85 Jahren mit einer Vorgeschichte einer ischämischen Herzkrankheit (IHD). Zur Abschätzung des Interaktionsrisikos der beiden Substanzklassen wurden zwei Kohorten gebildet, wobei in die erste Kohorte alle männlichen Patienten mit einer IHD eingeschlossen waren. Die zweite Kohorte bildete eine Untergruppe, in der Patienten geführt wurden, die bereits mit Nitraten behandelt wurden. Nur die zweite Kohorte wurde zur Bewertung des potenziellen Risikos einer gleichzeitigen Verschreibung von Nitraten und PDE-5-Hemmern herangezogen.

In dieser zweiten Kohorte registrierten die Autoren über den Beobachtungszeitraum 16.948 Fälle von Herzstillstand, Schock, Herzinfarkt, ischämischem Schlaganfall oder einer akuten Koronar-Angiografie. Diese Kombination an Ereignissen war als erster zusammengesetzter Endpunkt für die Studie definiert worden.

Entgegen der allgemein gültigen Annahme konnten die Studienautoren kein statistisch signifikant erhöhtes Risiko für diese Ereignisse erkennen, wenn gleichzeitig zum Nitrat auch ein PDE-5-Hemmer eingenommen wurde. Auch bezüglich des zweiten zusammengesetzten Endpunkts, der alle Fälle von Synkopen, Angina pectoris und arzneimittelbedingten unerwünschten Ereignissen enthielt, ließ sich auf Basis von 18.967 Ereignissen kein signifikant erhöhtes Risiko ausmachen, wenn ein PDE-5-Hemmer zusammen mit einem Nitrat eingenommen wurde.

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