Warnsignale für eine Meningitis sind (neben Kopfschmerzen und Fieber) Nackenschmerzen, Bewusstseinsstörungen und Lichtempfindlichkeit. / © Getty Images/Organic Media
Bis zu 20 von 100.000 Menschen in Deutschland erkranken jährlich an einer durch Viren ausgelösten Meningitis. An der gefährlicheren bakteriellen Meningitis sind es normalerweise weniger als eine von 100.000 Personen. Beim aktuellen Ausbruch in der südenglischen Grafschaft Kent mit aktuell zwei Todesfällen, neun bestätigten Infektionen und zwölf Verdachtsfällen handelt es sich also um ein außergewöhnliches Geschehen.
In Kent wurden die Fälle durch Meningokokken der Untergruppe B verursacht. Laut RKI wurden in Deutschland in den Jahren 2023 bis 2025 jeweils mehr als 100 Meningokokken-B-Fälle registriert, 2026 bislang über 20. Insgesamt an invasiven Meningokokken-Erkrankungen aller Serogruppen sterben laut Daten des Robert-Koch-Instituts pro Jahr in Deutschland etwa 30 Menschen – in der Mehrzahl Kinder und Jugendliche.
Um schwere Verläufe zu verhindern, ist eine möglichst rasche Diagnose wichtig. Dabei beginnt eine Meningitis, also eine Entzündung der Hirnhäute, oftmals eher unspezifisch mit Kopfschmerzen und Fieber. Sind Bakterien wie Meningokokken oder Pneumokokken die Auslöser, kann eine Meningitis manchmal sehr plötzlich beginnen, sich rasch verschlechtern und schnell zum Tod führen. Häufig greifen die Bakterien auch das Gehirn direkt an und lösen dort eine Meningoenzephalitis aus.
Zu den typischen Anzeichen zählen neben Fieber und Kopfschmerzen vor allem Nackensteife (Meningismus) und Bewusstseinsstörungen, etwa Benommen- und Verwirrtheit. Außerdem können Lichtempfindlichkeit und wiederum unspezifische Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auftreten. Auch Hautveränderungen können Hinweise auf den Erreger geben, bei Pneumokokken-Bakterien etwa Bläschen.
Besteht der Verdacht auf eine Meningitis, sollte man sofort ein Krankenhaus aufsuchen – das gilt besonders für kleine Kinder und ältere Menschen. Für die Diagnose stellen Ärztinnen und Ärzte Fragen, um mögliche Auslöser einzugrenzen, und entnehmen danach Blut. Entscheidend ist der Nachweis der Entzündung und oft auch der Erreger aus dem Nervenwasser, das mit einer Lumbalpunktion entnommen wird. Eine bakterielle Meningitis ist ein Notfall, der meist auf einer Intensivstation behandelt werden muss.
Der Verlauf einer Meningitis hängt von der Ursache sowie dem Alter und den Abwehrkräften der erkrankten Person ab. Viral ausgelöste Hirnhautentzündungen verlaufen in der Regel mild.
Gegen einige Meningitis-Erreger gibt es Impfungen, die einer Hirnhautentzündung vorbeugen, darunter gegen Pneumokokken, Masern, Mumps und Windpocken. Sie sind in Deutschland Bestandteil der Kinderschutzimpfungen, die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen werden.
Erst seit Kurzem empfiehlt die STIKO eine Impfung gegen die Meningokokken-Untergruppen A, C, W und Y für Jugendliche zwischen 12 und 14 Jahren; ein entsprechender Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses ist jüngst in Kraft getreten. Da Jugendliche und junge Erwachsene mit einer Besiedelung von bis zu 20 Prozent als Hauptträger gelten, soll die Impfung dieser Altersgruppe neben dem individuellen Schutz auch zu indirekten Effekten in allen Altersgruppen führen, so das RKI.
Die jahrelange Standardimpfung gegen Meningokokken C im Alter von etwa einem Jahr wurde dagegen gestrichen.
Für alle Säuglinge ab zwei Monaten gilt seit Januar 2024 die Empfehlung zur Standardimpfung gegen Meningokokken B. Ein Impfstoff (Bexsero®) ist seit 2013 verfügbar. Zugelassen ist er auch zur Verimpfung bei Erwachsenen.