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Gedruckte Arzneiformen
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Was Printlets leisten und was nicht

Feste orale Darreichungsformen zu drucken, erscheint faszinierend. Mit neuen Drucktechniken kann man Arzneimittel mit personalisierter Kombination und Dosierung von Arzneistoffen, mit variabler Geometrie und Freisetzungscharakteristik am Computer designen und auf Abruf herstellen. Was ist dran am Hype um die Printlets?
AutorKontaktRolf Daniels
Datum 19.02.2023  08:00 Uhr

Neue Vertriebswege sind denkbar

Im Zusammenhang mit personalisierten Printlets sind auch völlig neue Vertriebswege denkbar.

Szenario A lehnt sich an das klassische Modell an, das für konventionelle Arzneimittel gilt. Der Patient kommt mit seiner Verordnung in die Apotheke, die die personalisierte Arzneiform unter Verwendung von wirkstoffhaltigen Polymerfilamenten oder Drucktinten, die ein pharmazeutischer Unternehmer zur Verfügung stellt, druckt.

In einem Szenario B erhält der pharmazeutische Unternehmer die elektronische Verordnung. Er druckt die personalisierte Medikation und lässt sie durch einen Logistikdienstleister direkt dem Patienten zukommen.

Szenario C geht noch einen Schritt weiter. Der pharmazeutische Unternehmer stellt dem Patienten die notwendige Ausrüstung für das Drucken zur Verfügung. Nach Einlesen der elektronischen Verordnung druckt der Patient sein Arzneimittel zu Hause (print@home). Letzteres ist mit unserem heutigen Verständnis einer qualitätsgesicherten Arzneimittelversorgung jedoch kaum vereinbar.

Das Apothekenpersonal übernimmt in den Szenarien B und C die Rolle des pharmazeutischen Beraters. Somit erbringt es eine pharmazeutische Dienstleistung, ohne an der Herstellung und Abgabe des Arzneimittels beteiligt zu sein.

Fazit

Der 2-D- und der 3-D-Druck von Arzneiformen haben das Potenzial, die Arzneimitteltherapie mittelfristig in einigen Bereichen zu revolutionieren. Insbesondere in Forschung und Entwicklung werden sie einen festen Stellenwert haben. In öffentlichen Apotheken und Klinikapotheken werden insbesondere die regulatorischen Rahmenbedingungen und die notwendigen Investitionskosten darüber entscheiden, ob sich gedruckte Arzneiformen in der Routine durchsetzen können. Die Forschung auf diesem Gebiet ist in vollem Gang und wird Lösungsstrategien bereitstellen, sodass technische Hürden die Nutzung immer seltener einschränken werden.

Schließlich wird sich bei der praktischen Umsetzung zeigen, wie Arzneimittel- und Patientensicherheit gewährleistet werden können. Abzuwarten ist auch, ob das Thema Datensicherheit – zusammen mit den Kosten – wieder einmal zur Innovationsbremse im Gesundheitswesen wird.

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