Glucosamin und Chondroitinsulfat gehören zu den »Symptomatic Slow-Acting Drugs in Osteoarthritis« (SYSADOA) und kommen natürlicherweise im Gelenk vor, insbesondere im Knorpel. Die Studienlage zur Supplementierung bei Arthrose ist uneinheitlich, und eine chondroprotektive Wirkung ist aktuell nicht umfassend belegt. Bei der Abgabe in der Apotheke ist darauf hinzuweisen, dass ein möglicher Effekt frühestens nach ein bis zwei Monaten zu erwarten ist. Studien deuten darauf hin, dass eine kombinierte Einnahme von Glucosamin und Chondroitinsulfat bei mittelschweren bis schweren Schmerzen ein besseres Ansprechen zeigt als bei leichten Beschwerden.
In der S3-Leitlinie »Prävention und Therapie der Gonarthrose« wird Glucosamin aufgrund mangelhafter Wirksamkeitsbelege nicht zur Therapie empfohlen. Glucosamin gibt es als NEM und auch als apothekenpflichtiges Arzneimittel. Letztere Präparate sind zur Linderung von Symptomen leichter bis mittelschwerer Arthrose des Kniegelenks zugelassen und werden in der Regel gut vertragen. Glucosamin wird meist aus Chitin von Krustentieren gewonnen, was bei Betroffenen mit Schalentierallergie zu beachten ist. Zudem kann Glucosamin den Blutzucker- und Fettstoffwechsel beeinflussen, was besonders für Menschen mit Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen relevant ist. Auch auf eine mögliche Wechselwirkung mit Vitamin-K-Antagonisten und Tetracyclinen ist hinzuweisen.
In einer auf 26 Studien basierenden Untersuchung aus der Schweiz zeigte sich durch Chondroitinsulfat eine Reduktion von Schmerzen und Funktionseinschränkungen innerhalb von sechs Monaten Einnahmezeit; später war dieser Effekt jedoch nicht mehr so stark ausgeprägt. Chondroitinsulfat ist in Deutschland nur als NEM auf dem Markt. Im Gegensatz dazu gibt es in der Schweiz apothekenpflichtige Präparate, die sogar in bestimmten Fällen von den Krankenkassen bezahlt werden. Die dort vertriebenen Arzneimittel enthalten 400 mg oder 800 mg des Wirkstoffs und werden ein- bis zweimal täglich eingenommen. Als häufigste Nebenwirkungen werden Magen-Darm-Beschwerden und Kopfschmerzen genannt.
Der Indische Gelbwurz, auch Curcuma genannt, enthält den Inhaltsstoff Curcumin. Dieser wirkt antioxidativ, ist aber schlecht bioverfügbar. / © Getty Images/yokeetod
Auch Kollagen ist ein Bestandteil des Gelenkknorpels. Die Studienlage bezüglich der Wirksamkeit von oral verabreichten Kollagenpeptiden beziehungsweise einzelner Aminosäuren, aus denen Kollagen zusammengesetzt ist, ist ebenfalls uneindeutig. Einige kleinere und teils herstellerfinanzierte Studien zeigen geringe bis moderate Effekte. Erschwert wird die Bewertung durch die breite Masse an NEM mit verschiedenen Arten von Kollagen, die sich auf dem Markt befindet. Das Gleiche gilt für Hyaluronsäure, die oral eingenommen wird.
NEM mit Curcuma-Extrakt beziehungsweise Curcumin zeigen antientzündliche Eigenschaften und können bei Symptomen in Zusammenhang mit Arthrose helfen. In Studien wurde teilweise die Wirkung gegenüber Placebo und auch gegenüber NSAR verglichen. Auch wenn Hinweise zur Wirksamkeit aus Studien durchaus vorhanden sind, reichen deren Qualität und Menge bislang nicht aus, um eine ausreichende Evidenz zu gewährleisten. Zu diesem Schluss kommt die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh) in einer aktuellen Stellungnahme. Die Datenlage reicht derzeit noch nicht für eine Empfehlung aus. Die DGRh spricht sich jedoch für Curcuma in der Ernährung als natürliches Gewürz aus, falls die Betroffenen einen Versuch starten möchten. Für Methylsulfonylmethan (MSM) und Weihrauchextrakt kann aufgrund mangelnder Evidenz und des Fehlens groß angelegter Studien derzeit keine Empfehlung ausgesprochen werden.