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Wiederbelebung

Was muss bei Erster Hilfe in Corona-Zeiten beachtet werden?

Mund-zu-Nase-Beatmung ist keine Pflicht, aber…

Wie bereits vor Beginn der Corona-Pandemie könne auf die Atemspende verzichtet werden, wenn man diese nicht durchführen kann beziehungsweise will. Die Durchführung einer Atemspende sollte und könnte jedoch immer sorgfältig situationsbezogen abgewogen werden.

So sei bei Personen aus dem häuslichen Umfeld – anders als bei Unbekannten im öffentlichen Raum – durch das sowieso enge Zusammenleben von einer geringen zusätzlichen Covid-19-Ansteckungsgefahr auszugehen. Bei Kindern, die wiederbelebt werden müssen, habe die Durchführung der Atemspende besondere Relevanz insbesondere dann, wenn dem Atem-Kreislauf-Stillstand eine respiratorische Ursache zugrunde liegt. Hier sollte sich jeder bewusst sein, dass die lebensrettende Atemspende quasi unausweichlich sein kann.

Medizinisches Fachpersonal müsse die Durchführung von Defibrillationen erwägen, bevor die Schutzausrüstung angelegt wird – selbstverständlich nur dann, wenn der Defibrillator ohne jede Zeitverzögerung sofort verfügbar ist. Keinesfalls dürfe der Patient verlassen werden und der Beginn der Reanimation verzögert werden, um einen Defibrillator zu holen. Nach wie vor gelte die grundlegende Regel, dass der Patient zu keiner Zeit allein sein darf.

Wiederbelebung immer wieder trainieren

Auch Laien können einen Automatisierten Externen Defibrillatoren einsetzen. Die Deutsche Herzstiftung betont, dass das Sprachprogramm der heutigen AEDs so klar und verständlich sei, dass auch Nichtausgebildete die einzelnen Schritte zur erfolgreichen Defibrillation vornehmen können.

Dennoch: Die Herzstiftung empfiehlt jedem, sich in den Basismaßnahmen der Ersten Hilfe und einer Wiederbelebung einschließlich der Bedienung eines AED ausbilden zu lassen, auch in der jetzigen Zeit. Bedeutsam sei in diesem Zusammenhang, sich immer mal wieder vorzustellen, was man tun müsste, wenn jemand plötzlich vor den eigenen Augen kollabiert oder einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleidet.

Wie wichtig aktive Hilfe ist, zeigen Zahlen des ADAC: Mehr als 50.000 Menschen erleiden deutschlandweit außerhalb eines Krankenhauses jährlich einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand, circa 60 Prozent davon zu Haus. Nur jeder zehnte Betroffene überlebt, denn ohne Hilfe kommt es innerhalb von drei bis fünf Minuten zu irreversiblen Schäden am Gehirn. Der Rettungsdienst benötigt jedoch durchschnittlich acht bis zehn Minuten zum Einsatzort.

Bis zum Eintreffen der Rettungskräfte könne jeder mit einer Herzdruckmassage lebensrettende Maßnahmen einleiten – aber nur 42 Prozent der Deutschen helfen. In anderen europäischen Ländern liegt die Quote bei bis zu 75 Prozent.

Und: Nur für etwas mehr als die Hälfte der befragten Personen ohne medizinische Fachkenntnisse ist AED ein Begriff. Je älter die Befragten sind, desto unbekannter sei der Automatische Externe Defibrillator. Zudem wissen 84 Prozent nicht, wo sich der nächste AED befindet, weder im häuslichen Umfeld noch am Arbeitsplatz. Hier bestehe großer Aufklärungsbedarf.

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