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Deutsche Herzstiftung
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Was man zu Myokarditis nach Coronaimpfung bisher weiß

Neue Daten aus aktuellen Studien und die Erfahrungen nach mehreren Millionen Impfungen bestätigen, dass eine Covid-19-Impfung – vor allem mit einem mRNA-Impfstoff – in seltenen Fällen zu einer Herzmuskelentzündung  beziehungswese Herzbeutelentzündung führen kann. Allerdings ist die Prognose meist günstig und der Verlauf überwiegend mild und oft selbstlimitierend.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 23.12.2022  16:30 Uhr

Mehr Myokarditisfälle nach Nicht-Covid-Impfungen

Eine interessante Frage ist zudem, ob es sich bei den vermehrten Meldungen zu einer Myokarditis/Perikarditis tatsächlich um eine Zunahme der Häufigkeit infolge der Covid-19-Impfungen handelt oder ob diese vielleicht eher auf verbesserte Meldesysteme zurückzuführen sind. Dazu wurden Daten von über 400 Millionen Covid-19-Impfungen mit mRNA-Vakzinen ausgewertet.

Insgesamt betrug hier die Häufigkeit für eine Myokarditis/Perikarditis bei mRNA-Vakzinen18 Fälle pro einer Million Impfungen. Die Auswertung von zehn Millionen Impfungen mit verschiedenen Nicht-Coronaimpfstoffen zeigte, dass die Häufigkeit einer Myokarditis/Perikarditis bei der Lebendimpfung gegen Pocken deutlich höher war als nach einer Covid-19-Impfung. Nach einer Impfung gegen Influenza oder andere Krankheitserreger lag die Häufigkeit einer Myokarditis/Perikarditis auf einem vergleichbaren Niveau wie nach einer Covid-19-Impfung.

Auch Forschende am Karolinska-Institut in Stockholm stufen eine Herzmuskelentzündung auf der Basis von Impfungen an 23 Millionen Menschen als insgesamt seltenes Phänomen, auch unter jungen Männern, ein. Bei Männern unter 30 Jahren, die zwei Dosen des gleichen Präparats erhalten hatten, gab es nach einer Impfung mit Spikevax binnen 28 Tagen nach der zweiten Dosis 9 bis 28 zusätzliche Fälle pro 100.000 Geimpfte als ohne Impfung zu erwarten gewesen seien. Nach einer Impfung mit Comirnaty seien es 4 bis 7 Fälle mehr gewesen.

Was könnten die Ursachen sein?

Die Frage nach der Ursache für eine Herzmuskelentzündung bleibt der Deutschen Herzstiftung zufolge noch unbeantwortet. Studien eines Wissenschaftsteams des Universitätsklinikums des Saarlandes lassen vermuten, dass Autoantikörper gegen den Interleukin-1-Rezeptor-Antagonist (IL-1Ra) für die Pathologie verantwortlich sein könnten. Dieses Molekül hemmt normalerweise überschießende durch IL-1 vermittelte Immunreaktionen. Solche Autoantikörper wurden auch bei Patienten mit einem schweren Covid-19-Verlauf und bei Kindern mit dem Multisystemischen Entzündungssyndrom (MIS-C) gefunden.

Bei aktuellen Obduktionen von Personen, die nach einer mRNA-Impfung gestorben waren, wurde bei vier von ihnen eine akute Myokarditis festgestellt , ohne dass eine andere signifikante Erkrankung oder Gesundheitskonstellation vorlag, die einen unerwarteten Tod verursacht haben könnte. Die Herzgewebeuntersuchung der Verstorbenen zeigte bei allen ähnliche Entzündungszeichen verbunden mit einer leichten Schädigung der Herzmuskelzellen. In drei von 25 Fällen folgerten die Wissenschaftler auf der Basis der Autopsiebefunde, dass die Impfung die wahrscheinliche Ursache der Myokarditis war. Diese könnte zu Herzrhythmusstörungen geführt und über Kammerflimmern oder Herzstillstand den Tod bewirkt haben. 

Aber auch in dieser Arbeit verweisen die Autoren darauf, dass impfbedingte Herzmuskelentzündungen selten und in der Regel milde sind. Dennoch scheine es bei einigen prädisponierten Patienten auch zu einer kritischen Immunantwort zu kommen, die eine Myokarditis fördert. Zudem lassen die Daten die Annahme zu, dass eine versehentliche Injektion des Impfstoffs in ein Blutgefäß anstelle des Muskels die Komplikation mitverursacht haben könnte.

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