| Alexander Müller |
| 09.06.2026 15:30 Uhr |
Apotheker Mishan Sadeghi (links) erzählte PZ-Chefredakteur Alexander Müller von seiner Teilnahme an der ARD-Talkshow »Arena«. / © PZ
Das Konzept der Show »Arena – Ihre Fragen an die Politik« ist relativ simpel: Für einen der rund 120 Zuschauerplätze kann man sich mit einer Frage bewerben, die man dem Gast gerne stellen würde. Die Moderatoren Jessy Wellmer und Louis Klamroth nehmen einzelne Zuschauer dran, die dann in etwa 30 Sekunden ihre Frage platzieren dürfen.
In diesem Jahr waren bislang die Parteivorsitzenden der Regierungsparteien zu Gast in der Arena: der Bundeskanzler und CDU-Vorsitzende Friedrich Merz, CSU-Chef Markus Söder und gestern Abend der SPD-Vorsitzende, Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil.
Sadeghi ist angestellter Apotheker in der Kosmos-Apotheke in Dortmund-Brackel. »Vor ein paar Wochen habe ich auf Instagram gesehen, dass man sich bewerben kann. Ich habe meine Frage an Herrn Klingbeil formuliert und schon am nächsten Tag einen Rückruf erhalten«, berichtet Sadeghi der PZ.
Für den 29-Jährigen war es die erste Teilnahme an einer so großen TV-Produktion. Um 18:30 Uhr ging es ins Studio, die Live-Übertragung in der ARD begann um 21:15 Uhr. Die Teilnahme an der Show garantiert allerdings nicht, mit der eigenen Frage auch zum Zug zu kommen. Tatsächlich finden in den 75 Minuten rund 20 Fragen Platz, das Moderatoren-Duo manövriert auch aktiv durch bestimmte Themenkomplexe.
Um nicht Opfer der eigenen Aufregung zu werden, hatte sich Sadeghi seine wichtigsten Punkte auf einen Zettel geschrieben. Den hätte er vermutlich nicht benötigt, denn in der PZ-Redaktion am nächsten Tag konnte er sein Anliegen so ruckelfrei vortragen wie die eigene Anschrift. Im TV-Studio wurde er aber leider nicht aufgerufen. Bildung, Miete, Rente, Zuwanderung – die Gesundheitspolitik wurde nur ganz am Ende kurz gestreift.
Apotheker Sadeghi wollte auf die lange ausgebliebene Honorarerhöhung hinweisen und darauf, dass die Apotheken auch nach der jetzt beschlossenen Anpassung noch unterfinanziert sind. Denn das Fixum müsse gemessen an der Kostenentwicklung eigentlich bei 12,64 Euro liegen. »Ich mache mir große Sorgen, denn jeden Tag schließt eine Apotheke in Deutschland. Wir verlieren damit eine wichtige Stütze der Gesundheitsversorgung vor Ort«, so Sadeghi.
Gleichzeitig sollten die Apotheken künftig weitere Aufgaben wie Impfungen und Prävention durchführen. »Meine Frage an Sie: Wie möchten Sie als SPD-Vorsitzender und Bundesfinanzminister sicherstellen, dass diese zusätzlichen Leistungen vernünftig vergütet werden, und können Sie heute den Menschen live im Fernsehen ein Bekenntnis zur Vor-Ort-Apotheke geben, damit diese nicht noch mehr von ihrer Versorgung vor Ort verlieren?«, so Sadeghis Frage.
Das Thema Gesundheit wurde zwar ganz am Ende der Sendung kurz gestreift, aber da ging es nur um das anstehende GKV-Spargesetz und die drohenden Belastungen für die Versicherten. »Ich sehe die Zahlen, und ich sehe, dass das Gesundheitssystem etwas ist, das wir wieder in den Griff kriegen müssen«, konterte Klingbeil.
Deutschland habe ein sehr teures Gesundheitssystem, mit dem trotzdem viele nicht glücklich seien, so der Finanzminister. Und deswegen habe sich die Regierung auf Strukturreformen verständigt. Er werde aber darauf achten, dass nicht nur die Versicherten belastet werden, versprach Klingbeil. »Ich habe sehr viel Wert darauf gelegt, dass auch andere, zum Beispiel die Pharmaindustrie, die Apotheken, die Ärzte, dass alle ihren Teil dazu beitragen im Rahmen gerechter Reformen.«
Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz soll unter anderem der Kassenabschlag der Apotheken zum Jahreswechsel von derzeit 1,77 auf 2,07 Euro erhöht werden. Damit werden die Apotheken mit etwa 170 Millionen Euro netto jährlich belastet, und der zweite Schritt der Honorarerhöhung ab 2027 verpufft größtenteils. Das Gesetz soll in dieser Woche zum ersten Mal im Bundestag besprochen werden.
Was Sadeghi betrifft, so will er vielleicht einen neuen Anlauf nehmen. Denn da er mit seiner Frage nicht drangekommen ist, dürfte er sich für die nächste Arena-Ausgabe im Oktober wieder bewerben. Und er lädt alle Kolleginnen und Kollegen ein, es ihm gleichzutun, damit die Apothekenteams ihre Fragen mit ein klein bisschen Glück direkt an die Politiker stellen können.