| Sven Siebenand |
| 05.08.2026 16:20 Uhr |
Die kutane Leishmaniasis wird durch Parasiten der Gattung Leishmania ausgelöst. Die Erreger gelangen beim Stich einer infizierten Sandmücke aus deren Speicheldrüse in die Haut. Infektionen treten in tropischen und subtropischen Regionen, aber auch in Südeuropa und im Mittelmeerraum auf. Fälle wurden beispielsweise nach Reisen nach Mallorca beobachtet. Weitere wichtige Verbreitungsgebiete liegen in Südamerika, Ost- und Nordafrika, im Nahen Osten und in Südasien.
»Die Infektion zeigt sich meist erst Wochen bis Monate nach der Rückkehr, sodass der Zusammenhang mit der Reise zunächst oftmals nicht erkannt wird«, sagt von Stebut. Zunächst entsteht meist eine klar abgegrenzte, eitrig gefüllte Pustel. Diese vergrößert sich über mehrere Wochen und kann sich zu einem Geschwür entwickeln. Betroffen sind vor allem unbedeckte Körperstellen wie Gesicht, Arme und Beine. Die Geschwüre sind überwiegend schmerzlos. Rötungen der angrenzenden Haut, Schmerzen oder Fieber können auf eine bakterielle Sekundärinfektion hinweisen.
Leishmaniasis-Fälle treten in Südeuropa, den Tropen und Subtropen auf. Infektionen werden aber auch zunehmend bei Reiserückkehrern aus dem europäischen Mittelmeerraum einschließlich Mallorca beobachtet. / © Imago/Anadolu Agency
Bei immunkompetenten Menschen können die Hautgeschwüre nach einigen Monaten spontan abheilen. Häufig bleiben jedoch Narben zurück. Zudem können sich die Erreger über das Blut- oder Lymphsystem ausbreiten.
Bei der mukokutanen Leishmaniasis werden die Schleimhäute von Nase und Rachen, mitunter auch Kehlkopf und Luftröhre befallen. Die seltene viszerale Leishmaniasis, auch Kala-Azar genannt, betrifft innere Organe wie Leber, Milz, Darm, Nieren oder Knochenmark und kann lebensbedrohlich verlaufen. Ein erhöhtes Ausbreitungsrisiko in die Schleimhaut oder die inneren Organe besteht insbesondere bei immungeschwächten Patienten.
Zur Diagnosesicherung stehen Biopsie, Histologie, Erregerkultur und PCR zur Verfügung. Welche lokale oder systemische Therapie gewählt wird, hängt unter anderem von der ursächlichen Leishmania-Spezies und dem Gesundheitszustand des Patienten ab. Für die Systemtherapie können zum Beispiel Miltefosin oder Antimon-Derivate infrage kommen.
Sandmücken sind nachtaktiv und mit einer Körpergröße von etwa 2 mm deutlich kleiner als heimische Stechmücken. Reisende sollten daher engmaschige, imprägnierte Moskitonetze verwenden und bei geschlossenen Fenstern schlafen. Eine Klimaanlage kann das Expositionsrisiko zusätzlich senken. Abends und nachts empfiehlt sich Kleidung mit langen Ärmeln und Hosenbeinen. DEET- oder Icaridin-haltige Repellentien sollten laut DDG auch innerhalb von Gebäuden angewendet werden. Hotelzimmer in höheren Etagen können einen zusätzlichen Schutz bieten, da sich Sandmücken überwiegend in Bodennähe aufhalten.