| Sven Siebenand |
| 05.08.2026 16:20 Uhr |
Wer sich vor kutaner Larva migrans schützen will, dem empfehlen Experten das Tragen von Schuhen am Strand. Die Infektion erfolgt typischerweise beim Barfußlaufen auf Sand, der mit dem Kot infizierter Tiere verunreinigt ist. / © Getty Images/Liubov Isaeva
Hauterkrankungen zählen nach Durchfall und Fieber zu den häufigsten gesundheitlichen Problemen bei Reiserückkehrern. Zu den typischen infektiösen Reisedermatosen gehören die kutane Larva migrans, die Myiasis und die kutane Leishmaniasis. In Deutschland kommen diese parasitären Erkrankungen selten vor, sie können jedoch nach Aufenthalten in Südeuropa sowie in tropischen oder subtropischen Regionen auftreten. Darauf weist die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) hin. »Auch wenn einige dieser Infektionen von allein wieder verschwinden, sind sie in keiner Weise harmlos oder zu bagatellisieren«, betont Professor Dr. Esther von Stebut vom Universitätsklinikum Köln in einer Pressemitteilung.
Die kutane Larva migrans wird durch Larven von Hakenwürmern verursacht. Die Parasiten sind vor allem an Hunde und Katzen angepasst; der Mensch ist lediglich ein Fehlwirt. Die Infektion erfolgt typischerweise beim Barfußlaufen auf Sand, der mit dem Kot infizierter Tiere verunreinigt ist. Verbreitungsgebiete sind unter anderem Südamerika, Afrika, die Karibik, Südostasien, der Südosten der USA und der Mittelmeerraum.
An der Eintrittsstelle entsteht zunächst ein rundes oder ovales Knötchen. Von dort aus bildet sich ein gewundener Gang unter der Hautoberfläche, der sich durch die Wanderung der Larve täglich um einige Millimeter verlängert. Typisch sind ein ausgeprägter Juckreiz und eine örtliche Entzündungsreaktion; mitunter entwickeln sich zusätzlich Bläschen. »Wenn wegen des Juckens an der Stelle gekratzt wird, können sich sekundär bakterielle Infektionen bilden«, warnt von Stebut.
Bei Larva migrans entsteht zunächst ein rundes bis ovales Knötchen auf der Haut. Von diesem aus breitet sich ein gewundener Gang unter der Hautoberfläche aus, anhand dessen man die Wanderung der Larven gut beobachten kann. / © Imago/BSIP
Da der Mensch für den Hakenwurm keinen geeigneten Wirt darstellt, sterben die Larven nach einigen Wochen ab. Wegen des anhaltenden Juckreizes, der psychischen Belastung durch den Parasitenbefall und des Risikos einer Superinfektion wird jedoch eine antihelminthische Therapie empfohlen.
Im Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft informiert ein Team um Seniorautorin von Stebut darüber, dass nach der deutschen S1-Leitlinie eine einmalige Gabe von oralem Ivermectin 200 µg pro kg Körpergewicht die Therapie der Wahl ist. Alternativ werde die orale Einnahme von Albendazol 800 mg pro Tag für drei Tage oder die topische Anwendung von Albendazol 10 Prozent dreimal täglich für sieben bis zehn Tage empfohlen.
Zum Schutz sollten Reisende an möglicherweise kontaminierten Stränden nicht barfuß laufen, sondern Schuhe mit fester Sohle tragen. Strände mit freilaufenden Hunden oder Katzen oder sichtbaren Verunreinigungen durch Tierkot sollten gemieden werden. Vom direkten Liegen auf dem Sand ist abzuraten. Besser geeignet sind eine Strandliege oder eine Matratze. Feuchter Sand unmittelbar am Meeressaum ist in der Regel weniger stark kontaminiert als trockener Sand weiter oberhalb der Flutlinie. Kinder sollten ihre Sandburgen daher möglichst im feuchten Sand bauen.
Bei der kutanen Myiasis befallen die Larven bestimmter Fliegenarten die Haut. Die Erkrankung kommt insbesondere in Afrika südlich der Sahara, in Mittel- und Südamerika sowie in weiteren tropischen und subtropischen Regionen vor. Je nach Fliegenart gelangen die Eier auf unterschiedlichen Wegen zum Menschen. Sie können beispielsweise auf im Freien trocknender Kleidung abgelegt werden. Andere Fliegen nutzen kleine Stechmücken als Transportwirte, die sich dem Menschen unbemerkt nähern. Nach dem Schlüpfen bohren sich die Larven in die Haut.
An der betroffenen Stelle entwickelt sich eine geschwürartige Hautveränderung mit einer kleinen Öffnung. Starker Juckreiz, gelegentliche Schmerzen und die Absonderung von Sekret gehören zu den möglichen Symptomen. Mitunter ragen kleine weiße Abschnitte der Larve aus der Wunde heraus. Charakteristisch ist zudem, dass Betroffene Bewegungen der Larven unter der Haut wahrnehmen.
Experten raten dazu, in exotischen Reiseländern Kleidung nicht zum Trocknen im Freien aufzuhängen. Eine kutane Myiasis ist ein Parasitenbefall der Haut, der durch Larven bestimmter Fliegenarten verursacht wird. Die Fliegen legen ihre Eier zum Beispiel auf trocknender Kleidung ab. / © Getty Images/Oscar Wong
Die Larven müssen vollständig mechanisch entfernt werden. Ein vorheriges luftdichtes Abdecken der Öffnung kann die Sauerstoffversorgung der Larven unterbrechen und dadurch die anschließende Entfernung erleichtern. Gelegentlich sind eine örtliche Betäubung und die vorsichtige Erweiterung der Hautöffnung mit einem Skalpell erforderlich. Bei einer bakteriellen Sekundärinfektion kann eine antibiotische Behandlung notwendig werden.
Vorbeugend empfiehlt die DDG DEET- oder Icaridin-haltige Repellentien und das Schlafen unter imprägnierten Moskitonetzen. Kleidung sollte in Risikogebieten nicht im Freien zum Trocknen aufgehängt werden. Da einige Fliegenarten ihre Eier bevorzugt in feuchtem, nekrotischem oder verletztem Gewebe ablegen, müssen vorhandene Wunden sorgfältig gereinigt und mit einem Verband abgedeckt werden.
Die kutane Leishmaniasis wird durch Parasiten der Gattung Leishmania ausgelöst. Die Erreger gelangen beim Stich einer infizierten Sandmücke aus deren Speicheldrüse in die Haut. Infektionen treten in tropischen und subtropischen Regionen, aber auch in Südeuropa und im Mittelmeerraum auf. Fälle wurden beispielsweise nach Reisen nach Mallorca beobachtet. Weitere wichtige Verbreitungsgebiete liegen in Südamerika, Ost- und Nordafrika, im Nahen Osten und in Südasien.
»Die Infektion zeigt sich meist erst Wochen bis Monate nach der Rückkehr, sodass der Zusammenhang mit der Reise zunächst oftmals nicht erkannt wird«, sagt von Stebut. Zunächst entsteht meist eine klar abgegrenzte, eitrig gefüllte Pustel. Diese vergrößert sich über mehrere Wochen und kann sich zu einem Geschwür entwickeln. Betroffen sind vor allem unbedeckte Körperstellen wie Gesicht, Arme und Beine. Die Geschwüre sind überwiegend schmerzlos. Rötungen der angrenzenden Haut, Schmerzen oder Fieber können auf eine bakterielle Sekundärinfektion hinweisen.
Leishmaniasis-Fälle treten in Südeuropa, den Tropen und Subtropen auf. Infektionen werden aber auch zunehmend bei Reiserückkehrern aus dem europäischen Mittelmeerraum einschließlich Mallorca beobachtet. / © Imago/Anadolu Agency
Bei immunkompetenten Menschen können die Hautgeschwüre nach einigen Monaten spontan abheilen. Häufig bleiben jedoch Narben zurück. Zudem können sich die Erreger über das Blut- oder Lymphsystem ausbreiten.
Bei der mukokutanen Leishmaniasis werden die Schleimhäute von Nase und Rachen, mitunter auch Kehlkopf und Luftröhre befallen. Die seltene viszerale Leishmaniasis, auch Kala-Azar genannt, betrifft innere Organe wie Leber, Milz, Darm, Nieren oder Knochenmark und kann lebensbedrohlich verlaufen. Ein erhöhtes Ausbreitungsrisiko in die Schleimhaut oder die inneren Organe besteht insbesondere bei immungeschwächten Patienten.
Zur Diagnosesicherung stehen Biopsie, Histologie, Erregerkultur und PCR zur Verfügung. Welche lokale oder systemische Therapie gewählt wird, hängt unter anderem von der ursächlichen Leishmania-Spezies und dem Gesundheitszustand des Patienten ab. Für die Systemtherapie können zum Beispiel Miltefosin oder Antimon-Derivate infrage kommen.
Sandmücken sind nachtaktiv und mit einer Körpergröße von etwa 2 mm deutlich kleiner als heimische Stechmücken. Reisende sollten daher engmaschige, imprägnierte Moskitonetze verwenden und bei geschlossenen Fenstern schlafen. Eine Klimaanlage kann das Expositionsrisiko zusätzlich senken. Abends und nachts empfiehlt sich Kleidung mit langen Ärmeln und Hosenbeinen. DEET- oder Icaridin-haltige Repellentien sollten laut DDG auch innerhalb von Gebäuden angewendet werden. Hotelzimmer in höheren Etagen können einen zusätzlichen Schutz bieten, da sich Sandmücken überwiegend in Bodennähe aufhalten.