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Tod im Krankenhaus

Warum viele sterben, wo sie nicht sterben wollen

Zu Hause oder etwa im Hospiz sterben, aber bitte nicht im Krankenhaus. Das zumindest wünschen sich die meisten. Die Realität sieht anders aus. Es hapert an der Kommunikation zwischen Arzt und Patient – aber nicht nur daran.
PZ/dpa
10.12.2019  11:26 Uhr

Wie wollen wir sterben? So auf keinen Fall, sagt der 55 Jahre alte Thomas M., wenn er über den Tod seines Vaters vor fünf Jahren spricht. Mit einer Entzündung im Bauchraum kam der 74-Jährige in ein Ludwigsburger Krankenhaus. Trotz Operation wurde nichts besser. Der alte Mann wollte nach Hause, dämmerte vor sich hin, ein Krankenhauskeim kam hinzu. Der Oberarzt ordnete eine weitere Operation an. «Warum das denn, mein Vater stirbt doch gerade?», fragte M.. Der Professor zuckte mit den Schultern.

Nach Hause kam der Vater nicht mehr. Ein typisches Szenario, findet die Medizinerin Jana Jünger, Leiterin des für Staatsprüfungen von Ärzten zuständigen Instituts für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP). «Dem Patienten geht es schlechter, weil er stirbt – das bleibt oft unbesprochen zwischen Arzt und Patient oder Angehörigem.» Die Folge: Unnötige Eingriffe, Operationen, kostspielige Leidenszeiten auf der Intensivstation während der letzten Lebenstage.

Dabei will Umfragen zufolge so gut wie niemand im Krankenhaus sterben. Doch immer noch viel zu oft passiert genau das. Laut Deutschem Evangelischen Krankenhausverband (DEKV) sterben 77 Prozent der Deutschen entweder in einer Klinik oder im Pflegeheim. Nach einer Studie des Max-Planck-Instituts aus dem vergangenen Jahr war zwar der Anteil derer, die im Krankenhaus sterben, lange rückläufig. Er betrage nach Zahlen aus dem Jahr 2016 aber immer noch 46 Prozent und stagniere seitdem. «Das ist viel zu viel, da es nicht den Wünschen der Patienten entspricht», sagt Jünger. «Wenn hier besser kommuniziert würde, dann könnten wir diese Situation innerhalb von fünf Jahren deutlich verbessern.»

Dabei ist an sich die Versorgung sterbenskranker Menschen außerhalb von Krankenhäusern beispielsweise in Baden-Württemberg gut geregelt, sagt ein Sprecher des Sozialministeriums. «Die ambulante Versorgung hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert und ist inzwischen auf einem guten Weg.» Neben ambulanten Hospizdiensten kümmerten sich sogenannte Teams der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) um sterbende Erwachsene und Kinder: «Die Abdeckung mit SAPV Teams in Baden-Württemberg beträgt über 90 Prozent», sagt der Sprecher.

Warum landen Patienten dann doch im Krankenhaus und sterben dort? Ein Grund ist, dass etwa Menschen mit unheilbaren Krebserkrankungen noch in den letzten Wochen ihres Lebens eine Therapie erhalten, anstatt nach Hause entlassen zu werden. Die Barmer geht aufgrund von Abrechnungsdaten zwischen 2012 und 2015 davon aus, dass etwa 15 Prozent dieser Krebspatienten sich in den letzten 30 Tagen ihres Lebens noch einer Chemotherapie unterziehen – meistens geschieht dies im Krankenhaus.

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