| Alexandra Amanatidou |
| 27.03.2026 16:00 Uhr |
»Jede Apotheke kann Beratung im Bereich Blutzuckertracking anbieten. Sie müssen nur damit anfangen«, sagte Apothekeninhaberin Andrea Prochaska beim PZ-Management-Kongress. / © PZ/ Alois Mueller
In ihrem Vortrag »Neue Möglichkeiten – Das erste Mal Blutzuckertracking für meine Apotheke vor Ort« erzählte Andrea Prochaska, dass sie »fortbildungsbesessen« ist. Die Inhaberin der Sonnen-Apotheke in Mönchengladbach hat bereits vier Weiterbildungen absolviert: Offizinpharmazie, Ernährungsberatung, Gesundheitsberatung sowie Naturheilkunde und Homöopathie. Außerdem ist sie Heilpraktikerin. Nun berät sie auch zum Blutzuckertracking in Kooperation mit der Firma AlphaCheck – BergerMed, die für den Vertrieb ihrer Sensoren auf die Apotheken vor Ort setzt.
Inspiration erhielt sie durch ein Gespräch bei der Expopharm und beim Fitness-Festival »Fit Night Out« in Köln. Dort wurde nach jedem Workout der Blutzucker gemessen. Die Infos kamen dort jedoch von Fitnesstrainerinnen, Fitnesstrainern und Influencerinnen statt von Fachpersonal – entsprechend sei die Qualität gewesen. Vor-Ort-Apotheken können das besser, ist sie sich sicher.
Nach einer intensiven Literaturrecherche und einem Selbsttest entschied sie sich dazu, das Glucose-Monitoring anzubieten. Zuvor gestaltete sie aber erst einmal eine Blutdruckmessaktion. »Bei herrlichstem Wetter habe ich mich mit meinem Beratungstisch, meinem Laptop und einem Dreifach-Blutdruckmessgerät vor meine Apotheke gesetzt und den ganzen Tag den Blutdruck von Menschen gemessen«, berichtete die Apothekerin.
Insgesamt führte sie an dem Tag 34 Blutdruckmessungen durch, darunter für Menschen mit diagnostizierter Hypertonie auch als pharmazeutische Dienstleistung. »Dieser Tag war eine große Mutquelle«, erinnert sich Prochaska. Denn an dem Tag sagte sie sich: »Ich kann viel mehr zum Thema Gesundheit beitragen und bin nicht nur für die Abrechnung von Medikamenten da.«
Das Thema Blutzuckertracking sei nicht nur für Diabetikerinnen und Diabetiker, sondern auch für andere Gruppen, wie etwa Menschen, die Abnehmspritzen anwenden, interessant. Auch für Frauen in den Wechseljahren könne eine kontinuierliche Glucose-Messung interessant sein, da die dort stattfindenden hormonellen Umstellungen – insbesondere der sinkende Estrogen-Spiegel – die Insulinsensitivität verringern und den Blutzuckerspiegel beeinflussen können. Ein Tracking komme ebenfalls für Menschen infrage, die sich für Longevity interessieren. Die Idee ist, durch stabile Blutzuckerwerte (idealerweise auch nach den Mahlzeiten) die Stoffwechselgesundheit zu optimieren und Altersdiabetes vorzubeugen.
Das Thema sei sehr wirtschaftlich. Durch diverse Aktionen wie den Blutdruckmessungstag oder Infoabende würden neue Kundinnen und Kunden ihre Apotheke kennenlernen. Darüber hinaus könne die Apothekerin mit der Beratung pharmazeutische Dienstleistungen wie Blutdruckmessungen oder die Betreuung bei Polymedikation kombinieren. Zudem hätten viele im Anschluss das Blutdruckmessgerät gekauft.
Prochaska berichtete von einem Patienten, der neben dem Blutzuckersensor auch nach Nahrungsergänzungsmitteln fragte, da er sich in der Apotheke gut aufgehoben fühlte. Er habe im Anschluss sogar einen Vortrag über Gesundheit für seine Firma gebucht, bei dem die Apothekerin auch den Vitamin-D-Spiegel der Mitarbeitenden bestimmen soll.
»Wir müssen keine Spezialisten für alles sein«, sagte sie. Es reiche, mit Freude bei der Sache zu sein und sich für neue Dinge zu interessieren. »Ich sehe das Tracking in der öffentlichen Apotheke.« Jede Apotheke könne Beratung im Bereich Blutzuckertracking anbieten. »Sie müssen nur damit anfangen. Apotheken können und müssen mehr als Abgabestellen sein«, sagte die Apothekerin und fügte hinzu: »Sie müssen Gesundheitsorte sein.«