| Christina Hohmann-Jeddi |
| 03.03.2026 12:00 Uhr |
Dem Psychologen Professor Dr. James Gross von der kalifornischen Stanford University zufolge gibt es fünf wichtige Strategien zur Emotionsregulation. Dies ist zunächst die Situationsauswahl: Zukünftige Situationen werden so gewählt, dass gewünschte Emotionen eher auftreten und unerwünschte vermieden werden. So kann man etwa einen ruhigeren Heimweg nehmen, um Ärger im Verkehr zu vermeiden. Ebenfalls ein vorausschauender Ansatz ist die Situationsmodifikation, bei der eine bestehende Situation aktiv so verändert wird, dass ihre emotionale Wirkung abgemildert wird. So kann bei einem Streit etwa bewusst deeskaliert oder der Ort gewechselt werden.
Unter Aufmerksamkeitslenkung versteht man die bewusste Lenkung des Fokus in bestimmten Situationen, um Emotionen zu beeinflussen, etwa positive Erinnerungen während einer unangenehmen Erfahrung wie einer Blutabnahme aufzurufen. Eine weitere Strategie ist die kognitive Veränderung oder Neubewertung. Dabei wird eine Situation bewusst anders beurteilt, um ihre emotionale Bedeutung zu modifizieren, etwa indem ein Jobverlust als Chance zur Veränderung begriffen wird. Schließlich bezeichnet Reaktionsmodulation die gezielte Steuerung von Emotionen, die bereits entstanden sind, und deren Ausdrucksweise. So kann man etwa Wut gegenüber einem Kollegen verbergen oder sich bei Angst durch tiefes Atmen selbst beruhigen.
Eigene Emotionen korrekt zu erkennen, um sie bewusst verändern zu können, gelingt nicht allen Menschen gleich gut. Menschen mit Problemen in der Emotionsregulation erleben oft rasch wechselnde Zustände – sie sind mal ruhig und im nächsten Moment wütend oder traurig. Solche intensiven Veränderungen können soziale Beziehungen belasten, die psychische Gesundheit und Lebensqualität beeinträchtigen und auf Dauer krank machen.
Entsprechend wird eine emotionale Dysregulation mit einer Reihe von psychischen Erkrankungen in Verbindung gebracht, zum Teil als Ursache, zum Teil als Folge. Dazu gehören die Borderline-Persönlichkeitsstörung, andere Persönlichkeitsstörungen, die bipolare Störung, Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), Depressionen, Angststörungen, Substanzkonsumstörungen, Essstörungen sowie Abhängigkeitserkrankungen. Das berichteten Luigi Saccaro und Kollegen 2024 in einer Publikation im »Journal of Psychiatric Research«.
Ihr Fazit: Über verschiedene Diagnosen hinweg könnte die Arbeit an Strategien zur Verbesserung der Emotionsregulation Vorteile bringen. Gezielte, früh ansetzende psychotherapeutische Interventionen könnten gerade bei Risikopersonen die Entwicklung schwerer Störungen verhindern und langfristig die Lebensqualität erhöhen.