| Johanna Hauser |
| 04.02.2026 15:00 Uhr |
Die anschließende Analyse bestätigte, dass die Adhärenz weniger an das Auftreten von Nebenwirkungen geknüpft ist, als sie von anderen Faktoren abhängt. Dazu zählen die Sorge vor dem Auftreten von Nebenwirkungen und eine schlechte Patient-Arzt-Beziehung. Auch wurde die Therapie beendet, wenn die Hämoglobinwerte wieder normal erschienen. Nicht adhärente Patientinnen unterschätzten oft die Bedeutung einer Anämie sowie deren Dauer. Ein höherer Bildungsgrad und höheres Einkommen korrelierte mit einer besseren Einnahmetreue.
Die Wissenschaftler folgern, dass psychologische Faktoren (Sorge vor Medikamenten), Kommunikation und Fehleinschätzungen der Krankheitsdauer die Adhärenz maßgeblich beeinflussen. Gastrointestinale Nebenwirkungen seien wider Erwarten nicht entscheidend für die Adhärenz. Eine Aufklärung über die notwendige Therapiedauer und das Eingehen auf mögliche Ängste hinsichtlich der Medikation und Sorgen bezüglich unerwünschter Wirkungen könne die Therapietreue von Patienten positiv beeinflussen.
Einschränkend gilt, dass die Schlussfolgerung zur Adhärenz lediglich für die Anwendung von Eisen-Polysaccharid-Komplexen gilt. Außerdem müssten diese Ergebnisse durch größere Untersuchungen validiert werden.
Die Forschenden wollten auch wissen, wie häufig gastrointestinale Nebenwirkungen unter Therapie mit oralen Eisenpräparaten bei Frauen mit Eisenmangel auftreten. Dazu wurden insgesamt 2624 Meldungen zu unerwünschten gastrointestinalen Wirkungen, die zwischen Januar 2000 und März 2025 im Adverse Event Reporting System der US-amerikanischen Food an Drug Administration (FAERS-Datenbank) hinterlegt wurden, analysiert. In die Analyse flossen Meldungen zu Eisensulfat (1725), Eisenfumarat (472), Eisen(II)-gluconat (311), und Eisen-Polysaccarid-Komplexe (144) ein, da diese Präparate im Rudong Volkskrankenhaus zur Anwendung kommen.
Die statistische Analyse dieser Meldungen zeigte deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Eisenpräparaten: Eisenfumarat schnitt am besten ab. Es zeigte die geringste Häufigkeit von Magen‑Darm‑Nebenwirkungen und wies kein statistisches Signal für eine auffällige Häufung solcher Beschwerden auf. Eisen(II)-gluconat hingegen war deutlich häufiger als erwartet mit Magen‑Darm‑Problemen verbunden. Nebenwirkungen wurden hier 2,62-fach häufiger gemeldet als bei den anderen Verbindungen, insbesondere Bauchschmerzen traten mit 40,9 Prozent überproportional oft auf. Eisensulfat und Eisen‑Polysaccharid-Komplexe zeigten keine statistischen Auffälligkeiten hinsichtlich der Anzahl gemeldeter Nebenwirkungen.
Da die FAERS-Datenbank nur freiwillig gemeldete Nebenwirkungen erfasst und weitere Einschränkungen aufweist, können die Daten lediglich als Hinweis dienen, welche Nebenwirkungen als besonders stark oder belastend wahrgenommen werden. Eine absolute Inzidenz gastrointestinaler Nebenwirkungen lässt sich nicht berechnen. Auch lassen sich keine Hinweise der Konsequenzen auf die Therapie ableiten.