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Studie zur Adhärenz
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Warum Eisenpräparate oft nicht richtig eingenommen werden

Sind gastrointestinale Nebenwirkungen von oralen Eisen-Präparaten der wirkliche Grund für mangelnde Therapietreue? Nein, sagt ein chinesisches Forschungsteam und benennt andere Faktoren als ausschlaggebend für einen Therapieabbruch.
AutorKontaktJohanna Hauser
Datum 04.02.2026  15:00 Uhr

In Deutschland weisen schätzungsweise zehn Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter eine  Eisenmangelanämie auf. Mit Präventions- und Screeningmaßnahmen sowie einer geeigneten Therapie kann einer Anämie wirkungsvoll begegnet werden. Allerdings kann eine Eisentherapie mit Nebenwirkungen wie Verstopfung, Übelkeit und Bauchschmerzen behaftet sein, was sich möglicherweise auf die regelmäßige und korrekte Einnahme (Adhärenz) auswirken kann. Wie und ob sich dies in der Realität widerspiegelt – dieser Frage gingen chinesische Forschende nach. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun in »Frontiers of Pharmacology«.

In der kleinen Querschnittsstudie mit 148 chinesischen Frauen überprüften die Autoren das Auftreten von Nebenwirkungen und ermittelten deren Einfluss auf die Adhärenz. Eingeschlossen wurden Patientinnen im gebärfähigen Alter mit Eisenmangelanämie, die von Juni 2020 bis Juni 2025 in der hämatologischen ambulanten Abteilung des Rudong Volkskrankenhauses in Nantong, Provinz Jiangsu, vorstellig wurden. Die Behandlung erfolgte mit einem oralen Eisen-Polysaccharid-Komplex. Als begleitende Information erhielten die Patientinnen Hinweise zur regelmäßigen Blutbildkontrolle, der voraussichtlichen Therapiedauer, zur Einnahme und möglichen Verfärbung des Stuhls.

Zur Erhebung der Adhärenz füllten die Patientinnen alle zwei Monate einen Fragebogen (Medication Adherence Report Scale-5, MARS-5) aus. Dieser erfasst, ob die Medikation vergessen oder beendet, die Dosierung geändert, Einnahmen ausgelassen oder weniger Medikation eingenommen wurde. Die Bewertung erfolgte anhand einer 5-Punkte-Likert-Skala (1 = immer, 5 = nie). Eine Gesamtpunktzahl von ≥ 23 wurde als adhärent eingestuft, ≤ 22 als nicht adhärent. Separat wurden unter anderem auch Krankheitsbewusstsein, Bildungsgrad und Arzt-Patienten-Verhältnis erfasst.

Adhärent waren knapp zwei Drittel der Patientinnen (64,86 Prozent). Die große Überraschung zeigte sich jedoch an anderer Stelle: Nur acht Patientinnen zeigten gastrointestinale Reaktionen unter der Eisen-Therapie, davon zwei der adhärenten Patientinnen. Von den 52 nicht adhärenten Patientinnen entwickelten sechs Frauen Nebenwirkungen, die Übrigen waren aus anderen Gründen nicht therapietreu.

Gute Kommunikation entscheidend

Die anschließende Analyse bestätigte, dass die Adhärenz weniger an das Auftreten von Nebenwirkungen geknüpft ist, als sie von anderen Faktoren abhängt. Dazu zählen die Sorge vor dem Auftreten von Nebenwirkungen und eine schlechte Patient-Arzt-Beziehung. Auch wurde die Therapie beendet, wenn die Hämoglobinwerte wieder normal erschienen. Nicht adhärente Patientinnen unterschätzten oft die Bedeutung einer Anämie sowie deren Dauer. Ein höherer Bildungsgrad und höheres Einkommen korrelierte mit einer besseren Einnahmetreue.

Die Wissenschaftler folgern, dass psychologische Faktoren (Sorge vor Medikamenten), Kommunikation und Fehleinschätzungen der Krankheitsdauer die Adhärenz maßgeblich beeinflussen. Gastrointestinale Nebenwirkungen seien wider Erwarten nicht entscheidend für die Adhärenz. Eine Aufklärung über die notwendige Therapiedauer und das Eingehen auf mögliche Ängste hinsichtlich der Medikation und Sorgen bezüglich unerwünschter Wirkungen könne die Therapietreue von Patienten positiv beeinflussen.

Einschränkend gilt, dass die Schlussfolgerung zur Adhärenz lediglich für die Anwendung von Eisen-Polysaccharid-Komplexen gilt. Außerdem müssten diese Ergebnisse durch größere Untersuchungen validiert werden.

Wie häufig treten Nebenwirkungen auf?

Die Forschenden wollten auch wissen, wie häufig gastrointestinale Nebenwirkungen unter Therapie mit oralen Eisenpräparaten bei Frauen mit Eisenmangel auftreten. Dazu wurden insgesamt 2624 Meldungen zu unerwünschten gastrointestinalen Wirkungen, die zwischen Januar 2000 und März 2025 im Adverse Event Reporting System der US-amerikanischen Food an Drug Administration (FAERS-Datenbank) hinterlegt wurden, analysiert. In die Analyse flossen Meldungen zu Eisensulfat (1725), Eisenfumarat (472), Eisen(II)-gluconat (311), und Eisen-Polysaccarid-Komplexe (144) ein, da diese Präparate im Rudong Volkskrankenhaus zur Anwendung kommen.

Die statistische Analyse dieser Meldungen zeigte deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Eisenpräparaten: Eisenfumarat schnitt am besten ab. Es zeigte die geringste Häufigkeit von Magen‑Darm‑Nebenwirkungen und wies kein statistisches Signal für eine auffällige Häufung solcher Beschwerden auf. Eisen(II)-gluconat hingegen war deutlich häufiger als erwartet mit Magen‑Darm‑Problemen verbunden. Nebenwirkungen wurden hier 2,62-fach häufiger gemeldet als bei den anderen Verbindungen, insbesondere Bauchschmerzen traten mit 40,9 Prozent überproportional oft auf. Eisensulfat und Eisen‑Polysaccharid-Komplexe zeigten keine statistischen Auffälligkeiten hinsichtlich der Anzahl gemeldeter Nebenwirkungen.

Da die FAERS-Datenbank nur freiwillig gemeldete Nebenwirkungen erfasst und weitere Einschränkungen aufweist, können die Daten lediglich als Hinweis dienen, welche Nebenwirkungen als besonders stark oder belastend wahrgenommen werden. Eine absolute Inzidenz gastrointestinaler Nebenwirkungen lässt sich nicht berechnen. Auch lassen sich keine Hinweise der Konsequenzen auf die Therapie ableiten.

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