So viel wie nötig, so wenig wie möglich – präzise, gut strukturierte Informationen zu ABP und dazu mögliche Lösungsvorschläge erhöhen die Chance, dass Arzt oder Ärztin reagieren. / © Getty Images/Tom Werner
Stellt ein Apotheker bei einem Patienten arzneimittelbezogene Probleme (ABP) fest, fällt manchem die Übermittlung an den Arzt gar nicht so leicht. Um die interprofessionelle Kommunikation zu vereinfachen und zu verbessern, stellt die Bundesapothekerkammer nun eine strukturierte, digitale Medikationsbrief-Vorlage zur Verfügung. Der Brief kann über das KIM-System der Telematik-Infrastruktur sicher verschickt werden. Apotheken können ihn vor allem, aber nicht nur, im Rahmen der pharmazeutischen Dienstleistung »Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation« verwenden.
Entwickelt wurde der Medikationsbrief auf Basis des ARMIN-Projekts (Arzneimittelinitiative Sachsen Thüringen) von der ABDA, Bereich Versorgungskonzepte, in Kooperation mit den Apothekerverbänden Sachsen und Thüringen sowie der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen. Die wissenschaftliche Projektleitung lag beim Universitätsklinikum Heidelberg in der Kooperationseinheit Klinische Pharmazie.
»Bislang gab es für die interprofessionelle Kommunikation keine standardisierte Vorlage – diese Lücke haben wir jetzt geschlossen«, sagt Dr. Armin Hoffmann, Präsident der Bundesapothekerkammer. »Wir haben die Struktur und das Layout vereinheitlicht, damit Ärztinnen und Ärzte noch schneller als bisher relevante Informationen zu ABP finden. Der Medikationsbrief ist ein Format mit Wiedererkennungswert, das wir weiter ausbauen werden: Mittelfristig soll eine Integration in die Apothekensoftware-Systeme erfolgen und auch ein Einstellen in die elektronische Patientenakte (ePA) ermöglicht werden.«
Aktuell handelt es sich um eine webbasierte Eingabemaske, mit der ein Dokument erzeugt und als PDF gespeichert werden kann. Es gibt bereits eine Vorauswahl verschiedener ABP-Kategorien, zum Beispiel »berichtete Nebenwirkungen« oder »Probleme, die die Darreichungsform betreffen«. Die Nutzenden können zudem eigene Kategorien hinzufügen.
Das Projekt bestand aus einem Screening international verwendeter Vorlagen, Expertenworkshops und Interviews, an denen Paare aus jeweils einem/r Apotheker/in und einem/r Arzt/Ärztin aus ARMIN teilnahmen, sowie aus Workshops zur Qualitätssicherung mit Ärztinnen und Ärzten, die zuvor nicht an ARMIN teilgenommen hatten, so die ABDA in einer Hintergrundinformation.
Neben der Praktikabilität auf apothekerlicher Seite stand vor allem die Akzeptanz auf ärztlicher Seite im Vordergrund. So war ein Ergebnis der Workshops, dass alle ABP, die bereits eigenständig in der Apotheke gelöst wurden und keinen weiteren Handlungsbedarf durch Arzt oder Ärztin erforderten, nicht kommuniziert werden.
Bei den ungelösten ABP war es den Ärztinnen und Ärzten wichtig, dass die Apothekerinnen und Apotheker auch Lösungsvorschläge machten, um ärztliche Entscheidungen zu erforderlichen Therapieanpassungen bestmöglich zu unterstützen.
Die ABDA betont, die Medikationsbrief-Vorlage sei für die interprofessionelle Kommunikation konzipiert. Patientinnen und Patienten sollen weiterhin im persönlichen Gespräch und ergänzend über ihren aktualisierten Medikationsplan informiert werden.