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Krebsvorsorge

Vorerst kein Mammografie-Screeening mehr

Angesichts der Coronavirus-Pandemie wird das Mammographie-Screening vorerst ausgesetzt. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Gesundheit beschlossen.
Brigitte M. Gensthaler
27.03.2020
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Angesichts der Infektionsgefahr durch das Coronavirus wurde die Nutzen-Schaden-Abwägung zwischen einem verschobenen Screening-Termin und dem Risiko einer Infektion neu bewertet, teilte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mit.

Alle Standorte für das Screening werden Ende dieser Woche vorübergehend geschlossen. Ab 30. März werden keine Screening-Mammographien mehr erstellt. Bis zum 30. April verschicken die zentralen Stellen keine Einladungen; nach Beendigung der Aussetzung werde der Einladungsversand umgehend nachgeholt. Bereits erstellte Mammographien werden jedoch befundet. Frauen, bei denen ein auffälliger Befund festgestellt wurde, sollen unverändert zeitnah eine Abklärungsdiagnostik erhalten, betont die KVB. Frauen mit akut auffälligen Befunden außerhalb des Screenings würden wie bisher kurativ versorgt.

Laut KVB-Mitteilung hat bereits ein Viertel der Screening-Einheiten wegen krankheits- und quarantänebedingter Personalausfälle infolge der Pandemie den Betrieb eingestellt. In einigen Regionen hätten die Gesundheitsämter Screening-Einheiten geschlossen

Krebsinformationsdienste verstärkt

Mehrere Hunderttausende krebskranke Menschen befinden sich derzeit in Diagnostik und Therapie und ängstigen sich um ihre weitere Versorgung. Die Deutsche Krebshilfe, das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und die Deutsche Krebsgesellschaft haben jetzt eine gemeinsame Task Force eingerichtet, um Patienten über ihre Krebsinformationsdienste deutschlandweit zu beraten und aktuell zur Pandemie zu informieren. Zudem werde ein Frühwarnsystem aufgebaut, um möglichst frühzeitig ein Signal über potenzielle Einschnitte oder Unterversorgung in der Onkologie erfassen und weitergeben zu können. In ihrer gemeinsamen Pressemeldung weisen die Institutionen auch daraufhin, dass die Verläufe und Therapieverfahren je nach Tumorart stark unterschiedlich sind und jeder Patient eine individuell angepasste Behandlung benötige.

»Es gibt bei Krebs manchmal Erkrankungssituationen, in denen kein schnelles Handeln erforderlich ist. In anderen Fällen ist eine dringende Behandlung geboten, um Heilungschancen nicht zu gefährden«, sagt Professor Dr. Michael Baumann, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Krebsforschungszentrums. »In wieder anderen Fällen muss die Behandlung aufgrund einer besonderen Infektionsgefährdung von Patienten individuell angepasst werden. Pauschale Empfehlungen lassen sich daher nicht geben.« Die Versorgung von Krebspatienten muss auch in der Krise sichergestellt sein, heißt es in der Mitteilung.

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