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Hilfsorganisationen

Von München bis Indonesien

Auch in diesem Jahr informierten Apotheker ohne Grenzen und Apotheker helfen auf der Expopharm in München, was pharmazeutische Expertise in Entwicklungsländern bewirken kann. Möglich ist dies nur durch eine breite Unterstützung aus der Apothekerschaft.
Brigitte M. Gensthaler
Daniela Hüttemann
11.10.2018
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Mehr als 5000 Kilometer war der Bulli quer durch Deutschland unterwegs. Vorläufige Endstation:  der Messestand bei der Expopharm. 31 Städte mit 53 Stationen wie Apotheken und Märkte, alles ehrenamtlich organisiert - und es hat sich gelohnt, freut sich Apothekerin Stefanie Pügge, die als Projektkoordinatorin hauptamtlich in der AoG-Geschäftsstelle in München arbeitet: »Unsere Sommertour war ein voller Erfolg! Wir haben viele neue Mitglieder gewonnen und sind in der Bevölkerung bekannt geworden.«

Darüber hinaus seien mehr als 10.000 Euro an Spenden zusammengekommen, die nun als Starthilfe für die neuen Projekte der Hilfsorganisation dienen sollen. Zum Beispiel im Kongo, wo ein neues Gesundheitszentrum gebaut wurde. Hier hat AoG bei der Einrichtung der Apotheke und  der Suche nach lokalem pharmazeutischen Personal geholfen. »Zur Eröffnung im Februar werden wir wieder hinfliegen und das neue Personal rund um Arzneimittelabgabe und Lagermanagement schulen«, erklärt Pügge. Weitere neue Projekte sind erfolgreich in Burundi, Uganda und im Südsudan angelaufen.  

Einen Nothilfeeinsatz in Indonesien werde es allerdings nicht geben. Ein Fact-Finding-Team war Anfang Oktober in die von Erdbeben und Tsunami betroffene Region gereist, allerdings seien den Informationen zufolge genügend Arzneimittel vor Ort gewesen, so Pügge. Die indonesische Regierung habe auch keine internationale medizinische Hilfe angefordert, sondern setzt auf einheimische Organisationen.

Hilfsprojekte auf Sulawesi und in Nordindien

Ganz aktuell konnte Dr. Andreas Wiegand, Geschäftsführer von Apotheker helfen, über eine Kooperation auf der indonesischen Insel Sulawesi berichten. »Gemeinsam mit LandsAid unterstützen wir die indonesische Nicht-Regierungs-Organisation ACT, die Teams aus lokalen Ärzten, Krankenschwestern, Hebammen und Apothekern bildet und in betroffene Regionen schickt.«  Ziel ist es, die medizinische Versorgung sicherzustellen. Zudem versorgt die NGO mit lokalen Küchen in fünf Gemeinden mehr als 1000 Menschen täglich mit warmen Mahlzeiten. »Wir beteiligen uns an dieser Hilfsaktion, entsenden aber keine eigenen Einsatzkräfte, weil es vor Ort genügend Ressourcen gibt.« Dies entspreche den Vorgaben der indonesischen Regierung.

Ebenfalls in Kooperation mit einheimischen Institutionen sind zwei Projekte in Nordindien angelaufen. Gemeinsam mit der Praetorius-Stiftung besuchte Wiegand kürzlich das Kalindi-Hospital in Viskarnagar im Distrikt Dehradun. Apotheker helfen fördert hier ein Projekt zur Behandlung und Rehabilitation hörgeschädigter Kinder, insbesondere die Versorgung mit Arznei- und Hilfsmitteln. »Der verantwortliche HNO-Arzt berichtete uns von 17 behandelten Kindern. Ziel ist ihre Reintegration in das soziale Leben und die Schule.« Die Behinderung der Kinder falle oft erst in sogenannten Medical Camps auf, die die Ärzte regelmäßig anbieten. Ein Pilotprojekt habe gezeigt, dass das Konzept von den Eltern angenommen wird und den Kindern nützt, berichtet Wiegand. Innerhalb von zwei Jahren sollen 70 Kinder umfassend versorgt werden.

Während der Reise fiel der Startschuss zu einem Projekt im Bergdorf Netwar, das gemeinsam mit der Kalindi Hospital Welfare Society und der GMP-Stiftung aufgebaut wird. Die Projektträger weihten ein Gebäude ein, das jetzt als Gesundheitsstation ausgestattet wird. »Wir wollen damit die Basisgesundheitsversorgung für die Bergbewohner sichern« , berichtet Wiegand und bittet um Spenden. »Zusammen erreicht man mehr.«

Online-Spenden sind möglich über die Webseiten von Apotheker ohne Grenzen und Apotheker helfen.

Fotos: PZ/Alois Müller

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