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Karl der Große

Von Gicht geplagt an Lungenentzündung gestorben?

Karl der Große starb am Morgen des 28. Januar 814 in Aachen, am Abend war er schon bestattet. Was brachte den mächtigsten Mann des Mittelalters um? Forscher vermuten, eine Lungenentzündung.
dpa
17.01.2019
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Mehr als 1200 Jahre nach seinem Tod gehen zwei Wissenschaftler davon aus, dass den mit 1,84 Meter tatsächlich großen Franken-Kaiser im fortgeschrittenen Alter die Gicht plagte. «Wahrscheinlich ist, dass er zu der Gicht noch eine Lungenentzündung hatte», sagt der Mumienspezialist Professor Dr. Frank Rühli vom Institut für Evolutionäre Medizin an der Universität Zürich. Beweisen lasse sich das allerdings nicht. Rühli und der Anthropologe Joachim Schleifring haben eine Analyse der Knochen Karls des Großen, geboren wahrscheinlich 742, 747 oder 748, im Fachjournal «Economics and Human Biology» veröffentlicht.

Schleifring erinnert sich noch gut an den Geruch, der ihm bei der bisher letzten Graböffnung 1988 entgegenschlug: «Mir ist aufgefallen, dass die Skelettteile so streng gerochen haben. Kaum haben wir den Deckel aufgemacht, kam uns der Geruch entgegen», erzählt er. Da lagen sie dann: 94 erhaltene Knochen und Knochenfragmente, auf einem roten Tuch fein säuberlich aufgereiht, mit rotem Band oder Goldfäden fixiert.

Schleifring protokollierte Ablagerungen an Schien- und Fersenbein, wie sie bei Gicht üblich sind.

Diese Krankheitshypothese sieht der Mediziner Rühli auch durch Ernährungsgewohnheiten erhärtet: Karl war einem guten Hirschbraten nie abgeneigt – ausgiebiger Fleischverzehr gilt als Risikofaktor für die Stoffwechselerkrankung. Und dass er im fortgeschrittenen Alter hinkte, passt auch zu der Annahme. An Gicht allein stirbt zwar niemand, sie könnte den Kaiser aber entscheidend geschwächt haben.

Zum Zeitpunkt seines Ablebens herrschte Karl über ein Reich, das weite Teile Mittel- und Westeuropas umfasste. Sein Tod kam nach einem Bad, und zwar recht schnell. Karl bekam Fieber. «Er aß nichts mehr, trank kaum noch etwas», sagt Rühli mit Verweis auf historische Quellen. Am siebten Tag sei er dann gestorben, habe seine letzten Waschungen erhalten und sei noch am gleichen Tag beerdigt worden. Aufgrund der Gesamtumstände hält der Schweizer Mediziner eine Lungenentzündung für wahrscheinlich.

Verblüfft waren die Wissenschaftler von einem kleinen Seidensäckchen mit mumifiziertem Gewebe – vermutlich Muskulatur, meint Rühli und schließt daraus, dass Karls Leiche zumindest teilweise mumifiziert wurde. «Offensichtlich hat man ihn an diesem Tag, bis man ihn beerdigt hat, schon relativ umfangreich bearbeitet und nicht nur in ein Leichentuch getan und eingesargt», sagt der Mediziner.

Um diese Annahmen wissenschaftlich zu erhärten, müsste man den Karlsschrein noch einmal öffnen, meint Rühli. Schleifring hält das auch aus konservatorischen Gründen für sinnvoll. Der beißende Geruch vor 30 Jahren könnte aus chemischen Konservierungsmitteln stammen. Hat sich der Zustand der Gebeine dadurch verschlechtert? «Der Schrein wurde 1988 verschlossen mit der Absicht, die Ruhe des Toten nicht wieder zu stören», sagt die Leiterin der Aachener Domschatzkammer, Birgitta Falk, der Deutschen Presse-Agentur. Die Knochen seien darin unter guten klimatischen Bedingungen in einer Vitrine untergebracht. «In ihrem gleichbleibenden Klima können sie viele Hundert Jahre ohne weitere Schäden überdauern. Daher gibt es in absehbarer Zeit keinen Grund, den Schrein zu öffnen.»

DOI: 10.1016/j.ehb.2018.11.002

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