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Female Leaders Lab
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Vier Tage, die Mut machen

Dass Frauen in pharmazeutischen Führungspositionen – trotz des stark weiblich geprägten Berufs – noch immer unterrepräsentiert sind, möchten zwei junge Apothekerinnen ändern. Sie haben das viertägige Trainingsprogramm »Female Leaders Lab« initiiert, um jungen Kolleginnen Mut zu machen und ihnen zu zeigen, wie Führung gelingen kann. Mit der PZ haben die beiden Organisatorinnen über die Hintergründe des Projekts gesprochen.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 29.06.2026  13:30 Uhr

Die Idee für das Female Leaders Lab entstand bereits vor zwei Jahren, als die Apothekerinnen und Soft-Skills-Trainerinnen Miriam Sprafke und Carolin Baur noch Mitglieder des Bundesverbands der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) waren. 2024 starteten sie mit dem »Trainingweekend Female Leadership« für weibliche Studierende, um mit ihnen zu üben, wie man sich selbst und Teams führt, Konflikte löst und Mitarbeitende motiviert. Sprafke und Baur beschäftigen sich seit Jahren mit Führung, Kommunikation und persönlicher Entwicklung.

Mittlerweile sind beide im Berufsalltag angekommen und haben das Projekt für junge Apothekerinnen und Pharmazeutinnen im Praktikum weiterentwickelt, das nun Female Leaders Lab heißt. Es findet vom 18. bis zum 21. November auf dem Thomashof im brandenburgischen Klein-Mutz statt.

Die Idee: Ein guter Führungsstil ist kein Talent, das man besitzt oder nicht, sondern er lässt sich lernen. Dafür soll die Veranstaltung Raum schaffen – in einer kleinen Gruppe von maximal zwölf Teilnehmerinnen, mit Zeit für Austausch, Reflexion und praktische Übungen. Wer sich ein klassisches Seminar mit Frontalvorträgen vorstellt, liegt allerdings falsch. »Es ist eher ein Stuhlkreis als ein Vortragssaal«, erklärte Sprafke.

Lernen durch Ausprobieren

Konkret geplant sind rund zwölf Trainingseinheiten, die sich um Selbstführung, Kommunikation, Teamkultur, Netzwerken und die Führung von Mitarbeitenden drehen. »Wir arbeiten nach dem Prinzip des erfahrungsbasierten Lernens«, so Sprafke. Die Teilnehmerinnen analysieren zunächst eigene Situationen aus dem Berufsalltag, lernen anschließend Modelle und Methoden kennen und überlegen letztlich, wie sie diese künftig einsetzen können.

»Wir bereiten beispielsweise herausfordernde Mitarbeitergespräche vor und überlegen gemeinsam, wie man Probleme im Team ansprechen kann, ohne Menschen vor den Kopf zu stoßen«, erklärt Baur. Rollenspiele und Gruppenarbeiten seien hilfreich, um solche Situationen in einem geschützten Rahmen zu üben. Andere Übungen befassen sich beispielsweise mit den eigenen Emotionen und Werten.

Zwischen den Workshops bleibt bewusst Zeit zum Nachdenken. Reflexionsrunden am Abend, gemeinsame Mahlzeiten und ein Rahmenprogramm sollen dazu beitragen, dass die Gruppe zusammenwächst. Genau darin sehen die Organisatorinnen einen wichtigen Unterschied zu vielen eintägigen Fortbildungen. »Über vier Tage entsteht eine ganz andere Tiefe«, sagt Baur. »Die Teilnehmerinnen lernen nicht nur Inhalte, sondern auch voneinander.«

Wer kann teilnehmen?

Das Training richtet sich vorrangig an junge Apothekerinnen bis circa 35 Jahre, unabhängig davon, ob sie in der öffentlichen Apotheke, im Krankenhaus, in der Industrie, Forschung oder einem anderen pharmazeutischen Zweig arbeiten. Es ist dabei keine Voraussetzung, bereits eine Führungsposition innezuhaben oder in Aussicht zu haben.

»Man sollte Interesse an Führung und persönlicher Weiterentwicklung mitbringen«, sagt Baur. Besonders profitieren könnten Kolleginnen, die sich vorstellen können, künftig mehr Verantwortung zu übernehmen – etwa als Filialleiterin, Stellvertreterin oder Inhaberin.

Die Gruppe ist auf zwölf Teilnehmerinnen begrenzt. Dadurch soll genügend Raum für persönliche Fragen, individuelle Erfahrungen und intensiven Austausch entstehen.

Warum ist Female Leadership so wichtig?

Die Frage, warum ein Führungstraining speziell für Frauen notwendig ist, beantwortete Sprafke ohne langes Nachdenken: »Man muss sich nur die Zahlen anschauen.« Obwohl der Apothekerberuf bereits seit Mitte der 1970er-Jahre überwiegend weiblich geprägt sei, seien Frauen in vielen Führungspositionen weiterhin unterrepräsentiert – sei es als Inhaberinnen, in der Standespolitik oder in anderen Entscheidungsfunktionen.

Hinzu kommt eine Erfahrung, die beide Organisatorinnen immer wieder gemacht haben: Viele Frauen zweifeln an ihren Fähigkeiten, obwohl sie fachlich hervorragend qualifiziert sind. »Wir erleben oft, dass Frauen deutlich länger überlegen, ob sie sich eine Führungsrolle zutrauen«, berichtet Sprafke.

Das Female Leaders Lab soll deshalb nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch das Selbstvertrauen stärken. Die Teilnehmerinnen sollen erleben, dass Führung viele Gesichter haben kann und nicht zwangsläufig mit Hierarchie oder Autorität verbunden sein muss. Im Mittelpunkt steht ein Führungsverständnis, das auf psychologische Sicherheit und Zusammenarbeit setzt.

Für die Organisatorinnen hat das Thema aber noch eine weitere Dimension. Sie sehen einen direkten Zusammenhang zwischen guter Führung und der Attraktivität des Arbeitsplatzes in der Apotheke. Viele junge Kolleginnen und Kollegen würden ihren Beruf nicht wegen der fachlichen Aufgaben verlassen, sondern wegen schlechter Erfahrungen im Arbeitsalltag. »Ich kenne viele Menschen, die wegen ihrer Vorgesetzten unzufrieden sind«, sagt Sprafke. »Und oft denke ich: Das wäre vermeidbar gewesen, wenn man gelernt hätte, wie man mit Menschen umgeht.«

Eindrücke, die bewegen

Besonders eindrücklich sind für die beiden Initiatorinnen die Erfahrungen aus den bisherigen Leadership-Wochenenden mit Studierenden. Eine Teilnehmerin habe sich nach dem Seminar auf ein BPhD-Vorstandsamt beworben, weil sie sich erstmals zutraute, Verantwortung zu übernehmen.

Solche Geschichten seien es, die Sprafke und Baur motivieren. Beide sprachen von einer besonderen Atmosphäre, die während der gemeinsamen Tage entstehe. »Nach dem ersten Wochenende haben wir gesagt, wir glühen vor Glück«, erinnert sich Sprafke. Baur dachte außerdem an die Abschlussrunden zurück, in denen jede Teilnehmerin noch einmal schilderte, was sie für sich mitnimmt: »Da merkt man plötzlich, welchen Unterschied diese Tage gemacht haben.«

Genau das sei das Ziel des Female Leaders Lab: Es gehe nicht darum, perfekte Führungskräfte auszubilden, sondern Apothekerinnen dazu zu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen, ihren eigenen Führungsstil zu entwickeln und die Zukunft ihres Berufs aktiv mitzugestalten.

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