| Jennifer Evans |
| 12.08.2026 15:30 Uhr |
Sexualität, Partnerschaft, Gewalt: Sensible Gesundheitsthemen bleiben beim Arzt oft tabu – aus Scham. / © Shutterstock/Pixel-Shot
Scham oder Unsicherheit hemmen viele Menschen, mit dem Arzt oder der Ärztin über ihre Leiden zu sprechen – besonders jungen Erwachsenen und Frauen fällt das schwer.
Hierzulande haben schon einmal 18 Prozent der Erwachsenen ihre Beschwerden aus Scham, Peinlichkeit oder Misstrauen verschwiegen. Das hat eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse Barmer unter rund 1800 Personen ab 18 Jahren ergeben. Dabei gaben 23 Prozent der Frauen an, bestimmte Themen nicht angesprochen zu haben, bei Männern waren es 13 Prozent.
Am stärksten ausgeprägt ist die Scham bei jungen Erwachsenen. In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen haben nach eigenen Angaben 28 Prozent schon einmal ihre Leiden verschwiegen – ein Wert, der mit zunehmendem Alter sinkt. Ab 60 Jahren liegt er nur noch bei 13 Prozent. Die Kasse vermutet hinter dem Altersgefälle fehlende Erfahrung im Umgang mit medizinischem Personal. Erst Routine schaffe eine Vertrauensbasis und erleichtere dann, Gespräche über belastende Themen zu führen, heißt es.
Besonders schwierig fällt den Befragten das Gespräch über Beziehungs- und Partnerschaftsprobleme (28 Prozent), gefolgt von Fragen zur Sexualgesundheit (25 Prozent) und Erfahrungen mit häuslicher Gewalt oder Missbrauch (20 Prozent). Am leichtesten fiel es den Teilnehmenden, ihre Gedächtnis- oder Gewichtsprobleme anzusprechen (beide 12 Prozent).
Die Kasse warnt mit Blick auf den Behandlungserfolg ausdrücklich vor falscher Zurückhaltung und erinnert für sensible Gespräche an die ärztliche Schweigepflicht.
Das Ringen um Offenheit liegt jedoch offenbar nicht am mangelnden Vertrauen in die Mediziner. 92 Prozent der Befragten gaben an, ihren Ärztinnen und Ärzten grundsätzlich zu vertrauen. Die Vertrauenswerte für die Apothekerschaft lagen laut Umfrage mit 90 Prozent fast ebenso hoch.